Ein öffentliches Gebet bei einer Demo von Salafisten 2014 auf der Kampstraße. Salafisten stehen für eine fundamentalistische Auslegung des Koran. Aus ihren Reihen kamen in der Vergangenheit häufig IS-Kämpfer. © Archiv
Polizei in Dortmund

Zahl der gefährlichen Islamisten in Dortmund hat sich verdoppelt

Nach dem Anschlag von Wien warnt Innenminister Herbert Reul vor Islamisten in NRW. Die Polizei nennt nun erstmals Zahlen zu Gefährdern in Dortmund. Es sind bedeutend mehr geworden.

Vier Menschen starben und 23 wurden teils schwer verletzt, als ein Islamist am 2. November in einem Ausgehviertel in Wien um sich schoss. Bei zwei islamistischen Anschlägen in Frankreich in den Wochen zuvor waren vier Menschen ums Leben gekommen.

Auch in Deutschland ist das Risiko, das knapp vier Jahre nach dem Anschlag am Berliner Breitscheidplatz von Islamisten ausgeht, nach wie vor erheblich. NRW-Innenminister Herbert Reul spricht von einer „hohen Gefahr durch den Islamismus“.

In NRW stufen die Behörden rund 200 Menschen als islamistische Gefährder ein, die als potenzielle Terroristen angesehen werden, weitere 175 seien „relevante Personen“ und zählen damit zum erweiterten Unterstützerkreis der Gefährder.

Auf Anfrage unserer Redaktion nennt die Polizei nun erstmals eine Größenordnung, wie viele gefährliche Islamisten und Unterstützer in Dortmund leben. In der Stadt gebe es derzeit „eine niedrige zweistellige Zahl“ von ihnen. Ihre Zahl habe sich seit 2015/16 „ungefähr verdoppelt“, teilt das Dortmunder Polizeipräsidium auf Nachfrage weiter mit.

Das heiße aber nicht zwangsläufig, dass die islamistische Szene in Dortmund gewachsen sei. Der Anstieg habe „sicherlich auch dem zunehmenden Fokus der Sicherheitsbehörden auf das Thema sowie der hohen Sensibilität in der Bevölkerung und der gestiegenen Meldebereitschaft zuzuschreiben“, schreibt Polizeisprecherin Nina Kupferschmidt.

Als besonderen Gefahrenherd sieht die Polizei die islamistische Szene in Dortmund nicht: Es gebe hier „keine herausragende Situation“ im Bundesvergleich. Diese Aussage deckt sich mit der Position der Behörde in den vergangenen Jahren. Dortmund sei kein Hotspot des Islamismus in NRW, sagte die Polizei etwa 2013 gegenüber unserer Redaktion.

Dennoch spielte Dortmund eine herausgehobene Rolle rund um das islamistische Attentat auf dem Breitscheidplatz 2016. Der Attentäter, Anis Amri, hatte zahlreiche Verbindungen zu Islamisten in Dortmund.

Wie Recherchen unserer Redaktion ergaben, war Amri besonders im November 2015 häufig zu Besuch in Dortmund, vor allem bei Boban S.. Der Dortmunder betrieb damals eine Islamschule in der Nordstadt, zu der Amri einen Schlüssel hatte und in der er mehrfach übernachtete. Wenige Tage nach Amris Anschlag in Berlin wurden in Dortmund acht Wohnungen durchsucht.

Boban S. war da schon festgenommen worden. Seit drei Jahren wird ihm in Celle der Prozess gemacht. Er soll junge Männer für den IS rekrutiert haben. Hauptangeklagter in seinem Prozess ist „Abu Walaa“, der als Deutschlandchef des IS gilt.

Die Behörden haben das Umfeld von S. weiter im Blick: Seine Ehefrau, ebenfalls Dortmunderin, wurde 2019 in Frankreich festgenommen – wegen Terrorverdachts.



mit dpa-Material

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Redaktion Dortmund
1984 geboren, schreibe ich mich seit 2009 durch die verschiedenen Redaktionen von Lensing Media. Seit 2013 bin ich in der Lokalredaktion Dortmund, was meiner Vorliebe zu Schwarzgelb entgegenkommt. Daneben pflege ich meine Schwächen für Stadtgeschichte (einmal Historiker, immer Historiker), schöne Texte und Tresengespräche.
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Thomas Thiel

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