Müssen sich die Menschen in Dortmund Sorgen wegen der Übersterblichkeit machen? © Dieter Menne (Archiv)
Übersterblichkeit

Zahl der Todesfälle in Dortmund gestiegen – ein Grund zur Sorge?

Eine neue Auswertung zu Todesfällen zeigt eine traurige Entwicklung in Dortmund. Ein Grund zur Sorge? Wir haben Gesundheitsamt-Leiter Dr. Frank Renken gefragt – auch eine vorsichtige Prognose gibt er ab.

Im Jahr 2020 sind 7.110 Menschen in Dortmund gestorben. Das zeigt eine Statistik des Statistischen Landesamtes Nordrhein-Westfalen. Das ist eine traurige Entwicklung: Im Durchschnitt der Jahre 2017, 2018 und 2019 waren es 7.025. 85 weniger als 2020 – ein Anstieg von 1,2 Prozent.

Sorgen macht sich der Leiter des Dortmunder Gesundheitsamtes Dr. Frank Renken wegen dieser Übersterblichkeit aber nicht – trotz Corona-Pandemie.

Vorgezogene Sterblichkeit durch Corona

Sollte das Coronavirus nämlich eine Rolle bei dem Anstieg spielen, „hätte es schlimmer sein können“, sagt Renken im Gespräch mit dieser Redaktion. Im Jahr 2020 sind 165 Dortmunderinnen und Dortmunder im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben. Also mehr als der Anstieg der Todesfälle insgesamt.

Laut des Gesundheitsamts-Leiters sei es schwierig, eine genaue Ursache für den Anstieg zu finden, beziehungsweise aus statistischen Zahlen abzuleiten.

Für den Leiter des Dortmunder Gesundheitsamtes, Dr. Frank Renken, müssten für eine Neubewertung der 7-Tage-Inzidenz zwei Voraussetzungen erfüllt sein.
Für den Leiter des Dortmunder Gesundheitsamtes, Dr. Frank Renken, müssten für eine Neubewertung der 7-Tage-Inzidenz zwei Voraussetzungen erfüllt sein. © Schütze © Schütze

Durch die Corona-Pandemie sind zwar mehr Menschen gestorben – aber so makaber es klingen mag – einige von ihnen wären sowieso gestorben, wegen Vorerkrankungen zum Beispiel. Eine „vorgezogene Sterblichkeit“ durch Corona quasi, besonders bei den Menschen ab 70 Jahren.

Das könnte zum Beispiel auch in einem Jahr mit einem heißen Sommer der Fall sein, der dazu führen würde, dass die Übersterblichkeit bei alten Menschen steigt, meint Renken.

Weniger Tote in 2021?

Hinzu kommt ein weiterer Punkt, den Dr. Renken erklärt: Durch die Corona-Schutzmaßnahmen gibt es weniger Todesfälle durch andere Infektionskrankheiten wie zum Beispiel Influenza, beziehungsweise die Grippe.

Genauso wie beim Coronavirus helfen auch dabei Abstand halten und der Mund-Nasen-Schutz. Eine Grippe-Welle und damit mehr Tote blieben aus. In den Jahren 2017 und 2018 gab es eine vergleichsweise hohe Übersterblichkeit durch die Grippe.

Dennoch: „Es wäre natürlich schön, wenn keiner gestorben wäre“, so Renken. Das sei aber nun mal unrealistisch.

Im Vergleich zu anderen Städten stehe Dortmund aber gut da. Essen hat eine Übersterblichkeit in 2020 von 2,9 Prozent – 2020 gab es 7.544 Todesfälle, im Durchschnitt 2017 bis 2019 waren 7.334, also 210 weniger.

Für das Jahr 2021 gibt Dr. Frank Renken eine vorsichtige Prognose ab: „Es würde mich nicht überraschen, wenn es keine Übersterblichkeit gibt.“ Wegen der Corona-Schutzimpfungen und den weiteren Maßnahmen müssten die Todesfälle zurückgehen.

Zudem ist der Sommer bislang recht mild geblieben. Durch die Schutzmasken ist auch in diesem Jahr bislang die große Grippe-Welle ausgeblieben. Einen Grund zur Sorge sieht Renken also nicht.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
1990 im Emsland geboren und dort aufgewachsen. Zum Studium nach Dortmund gezogen. Seit 2019 bei den Ruhr Nachrichten. Findet gerade in Zeiten von Fake News intensiv recherchierten Journalismus wichtig. Schreibt am liebsten über Soziales, Politik, Musik, Menschen und ihre Geschichten.
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Robin Albers

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