Dortmunder Zahnarzt: „Wenn Sie Schmerzen haben, gehen Sie zum Arzt!“

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Die Angst vor dem Zahnarzt ist wegen Corona noch größer als sonst. Die Vorsicht der Menschen sorgt für leere Praxen. Zahnarzt Dr. Daniel Lamers hat die Hälfte seines Personals nach Hause geschickt.

Eving

, 17.04.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist ruhig in der Zahnarztpraxis an der Evinger Straße, sehr ruhig. Eine Mitarbeiterin sitzt an der Anmeldung, an der sich momentan allerdings kaum jemand anmeldet; eine Dame hat im Wartezimmer Platz genommen, wird aber schon wenig später zur Behandlung gerufen. Ansonsten von Patienten keine Spur.

Die Corona-Krise hat im März nicht nur Friseure, Einzelhändler oder Gastronomen mit voller Wucht erwischt, sondern auch die Zahnärzte. Gleich mehrere Praxen im Dortmunder Norden haben momentan wegen Urlaubs oder explizit wegen der Corona-Krise geschlossen.

Dr. Lamers: „Ich zahle drauf“

Nicht so Dr. Daniel Lamers, der in seinen Brechtener Räumlichkeiten nach wie vor an fünf Tagen in der Woche seine Patienten empfängt. Und das, obwohl es sich eigentlich gar nicht lohnt. „Momentan absolviere ich 10 bis 20 Prozent der ansonsten üblichen Behandlungen“, sagt der 60-Jährige. „Ich zahle drauf.“

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Denn das Spektrum der Therapien ist derzeit auf ein Minimum heruntergefahren. „Notwendige und nicht aufschiebbare Behandlungen sollen und können wir vornehmen“, sagt Lamers und nennt als Beispiel Notfälle, die mit Schmerzen einhergehen. Ansonsten sähen die Richtlinien der Zahnärztekammer zurzeit aber zum Beispiel keine Zahnreinigungen oder prothetischen Behandlungen vor, erläutert der Mediziner: „Keine Kronen, Brücken, Implantate.“

Patienten sind vorsichtig

Das ist allerdings nur ein Grund, warum die Menschen – manche noch mehr als sonst – den Besuch beim Zahnarzt scheuen. „Viele Patienten sind wegen des Coronavirus vorsichtig“, weiß Lamers, „sie bleiben zu Hause, sagen einen Termin telefonisch ab oder verschieben ihn.“ Selbst wenn dem nicht so wäre und es auch keine Empfehlungen der Kammer gäbe – Lamers müsste sich trotzdem auf die Notfälle konzentrieren.

Ein Dortmunder durch und durch: Dr. Daniel Lamers sehnt sich nach einem Ende der Corona-Krise und dem Besuch im Stadion.

Ein Dortmunder durch und durch: Dr. Daniel Lamers sehnt sich nach einem Ende der Corona-Krise und dem Besuch im Stadion. © Michael Schuh

„Denn auch wir haben keine unbegrenzten Mittel“, sagt der Zahnarzt und weist wie so viele Mediziner auf fehlendes Schutzmaterial hin. Die Lieferketten für Mundschutze oder Handschuhe seien zwar nicht unterbrochen, doch momentan würden solche Utensilien von den Händlern rationiert, da sie selbst nicht über ausreichend Nachschub verfügten: „Wenn wir zehn Liter Desinfektionsmittel bestellen, bekommen wir nur zwei Liter. Das ist ein bisschen wie in der DDR.“

Noch kein Kurzarbeitergeld

Drei Vollzeitmitarbeiterinnen und eine Halbtagskraft beschäftigt der Zahnarzt, der seit nunmehr 30 Jahren in Brechten praktiziert. Und obwohl Lamers noch kein Kurzarbeitergeld beantragt hat und die Mitarbeiterinnen weiterhin aus der eigenen Tasche bezahlt, verbringe die Hälfte des Personals den Arbeitstag derzeit zu Hause: „Es gibt einfach nicht genug zu tun. Was sollen sie dann hier in der Praxis rumsitzen?“

Da dies aber bei Weitem nicht die einzigen fortlaufenden Kosten sind, weiß Lamers nur zu gut: „So kann es auf Dauer nicht weitergehen.“ Das scheint übrigens Gesundheitsminister Spahn ebenfalls erkannt zu haben, der nun auch den arg gebeutelten Zahnmedizinern eine finanzielle Unterstützung in Aussicht stellt.

Bei Schmerzen zum Arzt

Doch trotz der alles andere als rosigen Situation, ermuntert der Brechtener die Menschen, bei Bedarf einen Arzt aufzusuchen: „Wenn Sie Schmerzen oder auch eine Krone verloren haben, dann gehen Sie zum Zahnarzt!“ Zumal die Mediziner bei der Behandlung Gesichts- und Mundschutz trügen und somit die hohen Hygiene-Voraussetzungen erfüllten.

Und noch etwas wünscht sich Dr. Lamers, der eben nicht nur Zahnarzt, sondern auch Mensch ist: „Ich besitze eine BVB-Dauerkarte. Und ganz ehrlich – ich vermisse es, ins Stadion zu gehen.“

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