Eine Corona-Teststelle in Dortmund ist in dem Gebäude eines ehemaligen Autohauses untergebracht. Kurz vor Weihnachten herrschte Ansturm auf die Corona-Schnelltest-Zentren in Nordrhein-Westfalen. © dpa
Inzidenz sinkt

Zeitweise niedrige Corona-Zahlen in Dortmund – aber es gibt einen großen Haken

Einige Tage lang war die Zahl der neuen positiven Corona-Tests auch in Dortmund so niedrig wie selten. Das wäre eigentlich ein Grund zur Freude. Doch wie aussagekräftig sind die Daten wirklich?

Diese Zahlen wären normalerweise eine Nachricht, die vielen Menschen guttut: 75, 41, 50. Die vom Gesundheitsamt vermeldeten neuen positiven Corona-Tests waren bis zum 28.12. so niedrig wie lange nicht mehr. Das führte zu der Frage: Sind schon positive Auswirkungen des verschärften Lockdowns seit dem 16. Dezember zu sehen?

Doch mit den Zahlen kommt vom Robert-Koch-Institut (RKI) zugleich der so ernüchternde Hinweis, dass sie mit Vorsicht zu genießen sind. Schon mit den Dortmunder Zahlen für den 29.12. wird die Hoffnung jäh gebrochen: 191 neue neue positive Tests sind wieder auf dem Niveau der Woche vor Weihnachten.

Das RKI meldet sinkende Zahlen – gibt aber gleich einen ernüchternden Hinweis

Woher kamen die niedrigen Zahlen? In der täglichen Übersicht des RKI stand zuletzt einleitend: „Während der Weihnachtsfeiertage, zum Jahreswechsel und an den umgebenden Tagen ist bei der Interpretation der Fallzahlen zu beachten, dass zum einen meist weniger Personen einen Arzt aufsuchen, dadurch werden weniger Proben genommen und weniger Laboruntersuchungen durchgeführt.“

Dies führe dazu, dass weniger Erregernachweise an die zuständigen Gesundheitsämter gemeldet werden. Zudem gab es über die Feiertage in einigen Städten und Kreisen keine Meldung von neuen Fallzahlen, wie Recherchen von „Die Zeit“ zeigen.

Aus Dortmund wurden auch über die Feiertage alle Tests gemeldet

In Dortmund wurden alle positiven Tests vom Gesundheitsamt an das RKI gemeldet. Aber auch hier wurde laut Stadtsprecherin Anke Widow weniger getestet – was zu weniger positiven Meldungen führte. Und noch mehr ist zu beachten: „Die Auswirkungen der neuen Kontakte an Weihnachten und Silvester werden sich erst 10 bis 14 Tage später auswirken“, sagt Widow.

Es sei denkbar, dass die Fallzahlen dann zunächst wieder ansteigen so Widow. Eine Prognose für die Zeit ab Anfang Januar gibt das Gesundheitsamt nicht ab.

Vor Weihnachten bewegte sich die Zahl der täglichen Neuinfektionen relativ stabil auf einem Niveau um 200.

Viel Betrieb an den Schnelltest-Stationen

Dass rund um die Weihnachtsfeiertage wenig getestet wurde, stimmt nur teilweise. Die Stadt Dortmund führt nur PCR-Tests durch (Abstriche in Rachen und Nase). Zahlreiche Dortmunderinnen und Dortmunder ließen sich aber in den vergangenen Tagen trotzdem auf SARS-Cov2 testen.

Die Antigen-Schnelltests zur Absicherung vor dem Treffen mit der Familie oder zum vorzeitigen Beenden einer Quarantäne waren für viele Dortmunder ein Teil des Feiertagsprogramms.

Schnelltest vor dem Fest: Im Festtags-Kleid in der Schlange

Erlebte Eindrücke von einer Teststelle im Dortmunder Süden: Dort standen die Menschen an Heiligabend Schlange, manche in Jogginghose, andere in Anzug oder Kleid. Alle trugen Masken. Der Abstand zwischen Wartenden und denjenigen, die ihr Ergebnis abholen wollten, war teilweise schwierig einzuhalten.

Positive Tests von den privatwirtschaftlich betriebenen Schnelltest-Zentren erreichen das Gesundheitsamt zeitverzögert. Bei einem positiven Antigen-Schnelltest ist ein weiterer PCR-Test notwendig. Dieser wird dann an das Gesundheitsamt gemeldet und findet Eingang in die Statistik.

Vieles deutet darauf hin, dass der Lockdown verlängert wird

So oder so: An den Einschränkungen im öffentlichen Leben wird sich aller Voraussicht nach nichts ändern: Kanzleramtschef Helge Braun und mehrere Ministerpräsidentinnen und -präsidenten hatten sich zuletzt für eine Verlängerung des Lockdowns über den 10. Januar hinaus ausgesprochen, weil die aktuellen Zahlen zu wenig aussagekräftig seien.

Der Tenor der Politiker aus Bund und Ländern, die am 5. Januar zum nächsten Mal zu den Maßnahmen tagen: Die Zuversicht durch den Start der Impfungen dürfe über Silvester nicht leichtsinnig machen.

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Redaktion Dortmund
Seit 2010 Redakteur in Dortmund, davor im Sport- und Nachrichtengeschäft im gesamten Ruhrgebiet aktiv, Studienabschluss an der Ruhr-Universität Bochum. Ohne Ressortgrenzen immer auf der Suche nach den großen und kleinen Dingen, die Dortmund zu der Stadt machen, die sie ist.
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Felix Guth

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