Zu viele Fremdparker: Einkaufszentrum führt elektronische Kontrolle ein

mlzParkplatzkontrolle

Wer am Höchstener Einkaufszentrum das Auto länger als zwei Stunden abstellt, muss jetzt Strafe zahlen. Der Parkplatz wird kontrolliert. Das System ist ungewöhnlich.

Höchsten

, 24.06.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Einkaufszentrum Höchsten weisen neuerdings alle paar Meter Schilder auf eine neue Regelung hin: Unter der Überschrift „Kundenparkplatz“ stechen die Angaben „max. 120 min.“ und „30 € Vertragsstrafe“ ins Auge. Unter den Besuchern der Höchstener Mitte ist die Neuerung zurzeit ein großes Thema.

Die weitläufigen Parkflächen rund um den Bolzplatz vor und neben Rewe und Aldi wurden von den beiden Supermärkten gemeinsam mit dem Drogeriemarkt Rossmann und der Apotheke auf dem Höchsten angemietet. „Sie sind ausschließlich für diese Partner vorgesehen“, erklärt Uli Budnik, Geschäftsführer von Rewe Homberg.

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Die Realität habe aber ganz anders ausgesehen. „Immer mehr Stellplätze wurden missbraucht, zum Beispiel als Park-and-Ride-Plätze. Manche Leute stellten auch ihr Auto ab und fuhren über Pfingsten in Urlaub. Oder sie trafen sich hier und besuchten dann gemeinsam eine Familienfeier. Wir hatten immer weniger freie Plätze für unserer Kunden.“

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Die Mieter hätten sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, und das System sei auch nicht gerade billig. „Aber wir leben davon, unsere Kunden zufriedenzustellen, und da mussten wir etwas unternehmen, um die Parkplätze für sie freizuhalten“, sagt Uli Budnik.

An den Ein- und Ausfahrtschranken werden die Kfz-Kennzeichen elektronisch erfasst.

An den Ein- und Ausfahrtschranken werden die Kfz-Kennzeichen elektronisch erfasst. © Susanne Riese

Deshalb sorgt die Firma Loyal Parking nun für Ordnung auf der Fläche, seit dem 22. Juni (Montag) ist das System scharfgeschaltet. Es funktioniert etwas anders, als an den meisten anderen Supermärkten.

An eine Parkscheibe müssen die Kunden am Höchsten nicht denken. Ihre Kennzeichen werden an den beiden Schranken bei der Ein- und Ausfahrt auf den Parkplatz elektronisch erfasst. Nicht betroffen sind die Richtung Sparkassenfiliale hinter der Schranke liegenden Stellplätze.

„Die Höchstparkdauer wurde mit der Eigentümerin sowie den Händlern vor Ort abgesprochen. Wenn ein Fahrzeug die Höchstparkdauer unterschreitet, werden die Daten sofort gelöscht“, erklärt Sami Issa, Geschäftsführer von Loyal Parking. Das deutschlandweit tätige Unternehmen bewirtschaftet laut Issa derzeit allein in Dortmund mehr als 20 Parkflächen. Am Einkaufszentrum Höchsten kontrolliert Loyal Parking rund 194 Stellplätze.

„Wird die Parkzeit von 120 Minuten überschritten, findet eine automatische Halterabfrage beim Kraftfahrbundesamt statt und eine Zahlungsaufforderung in Höhe der vor Ort ausgewiesenen Vertragsstrafe von 30 Euro wird versandt“, erklärt Sami Issa die Vorgehensweise. Nach fünf bis sieben Tagen trifft die unschöne Post beim Fahrzeughalter ein, so der Loyal-Parking-Chef.

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Das finden naturgemäß nicht alle Kunden gut, viele haben aber Verständnis. „Ich wüsste aber schon gern, was mit meinen Daten passiert und auf welcher rechtlichen Grundlage die an die Halterdaten kommen“, sagt eine Kundin.

Wer parkt, stimmt per AGB zu, dass seine Daten an ein Inkasso-Unternehmen weitergeleitet werden können, wenn zu lange oder falsch geparkt wird. Die Halterabfrage erfolge zur Durchsetzung berechtigter Interessen.

Auf das System haben sich die Mieter der Parkflächen geeinigt: Rewe, Aldi, Rossmann und die Apotheke.

Auf das System haben sich die Mieter der Parkflächen geeinigt: Rewe, Aldi, Rossmann und die Apotheke. © Susanne Riese

„Die Kfz-Kennzeichen der Fahrzeuge, welche die Höchstparkdauer überschreiten, werden gespeichert, und zwar so lange, bis unsere Forderung beglichen wurde. Alle anderen Kennzeichen werden direkt vor Ort gelöscht“, beschreibt Sami Issa.

Wer eine Zahlungsaufforderung erhält, dem kann auch ein Kassenbon von Aldi oder Rewe nicht mehr helfen. Das sei nur bei einer manuellen Bewirtschaftung von Parkflächen mittels Parkscheibe möglich.

„Da unsere Kennzeichensensorik rein die Überschreitung der Höchstparkdauer kontrolliert, um ausschließlich die Dauer- oder Fremdparker zu ahnden, ist eine Kulanz ausgeschlossen.“

Die Firma arbeite höchst professionell und die Vorgehensweise sei rechtssicher und konform mit dem Datenschutz, so Uli Budnik. „Das System ist fair: Jeder weiß, woran er ist. Und die Parkplätze stehen wieder unseren Kunden zur Verfügung.“

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