Jürgen Jähn ist Pflegedienstleiter im Knappschaftskrankenhaus in Dortmund-Brackel. © Björn Althoff
Corona-Engpass

Zu wenige Intensivpfleger? Dortmunder Krankenhaus hilft sich selbst

Was passiert, wenn nicht mehr genügend Personal auf der Intensivstation ist? Wenn Schwestern und Pfleger wegen Corona oder Quarantäne ausfallen? So sorgt ein Krankenhaus in Dortmund vor.

Die Betten reichen noch auf den Intensivstationen. Aber: Beim Personal wird es eng, wenn die Covid-19-Fallzahlen weiter steigen, wenn es auch mehr und mehr schwere Verläufe gibt.

Das ist nicht nur die Warnung vieler Experten. Das ist auch die konkrete Sorge in Dortmunder Krankenhäusern, etwa im Knappschaftskrankenhaus in Brackel. Eine der beiden Intensivstationen ist dort schon längere Zeit nur für Covid-19-Patienten blockiert.

In anderen Abteilungen hingegen sei weniger los, wie Pflegedienstleiter Jürgen Jähn erklärt. Deshalb sei der Dienstplan für die Intensiv immer Thema in der morgendlichen Besprechung: „Es ändert sich ja permanent. Wir haben Krankheitsausfälle. Wir haben auch Mitarbeiter, die in Quarantäne geschickt werden. Die muss man ersetzen.“

„Kannst du dir vorstellen, im Notfall wieder runterzukommen?“

Also frage man nach im Haus, „zum Beispiel bei Mitarbeitern, die vor zehn Jahren auf der Intensivstation gearbeitet haben: Kannst du dir vorstellen, im Notfall wieder runterzukommen?“

Man habe ja einige Mitarbeiter, die „irgendwann gesagt haben, dass sie nicht mehr auf die Intensiv möchten. Die arbeiten zum Beispiel in der Endoskopie oder auch als Sekretärin in anderen Bereichen.“

Die Antwort, ganz oft: Ja. Und das sei eine freiwillige Antwort, wie Jähn betont. „Es ist klasse, dass sich einige bereit erklären, nach einer Einarbeitung wieder da mitzuarbeiten.“

Manche bieten sogar an, den Urlaub abzubrechen

Einige würden sogar sagen: Sie hätten jetzt zwar Urlaub, würden aber nicht wegfahren. In Notlagen könnten sie also zurück auf die Intensiv kommen. Oder wenigstens die Kollegen, die im Dienst sind, zuhause irgendwie unterstützen.

Wichtig seien ja zwei Dinge, unterstreicht der Pflegedienstleiter: dass erstens der Betreuungsschlüssel gleichbleiben könne, dass sich also tagsüber eine Pflegekraft um 2,5 Menschen kümmere und nachts um 3. Und, zweitens: „Wir wollen so lange wie möglich die normalen Arbeitszeiten beibehalten.“

„Eine Hand mehr bedeutet hier sehr viel“

„Oft sind es meine alten Arbeitskollegen, die kommen und jetzt zuarbeiten“, erklärt Ünzüle Kayar. Sie ist die Chefin der Pfleger auf der Intensivstation und arbeitet schon seit 1996 in diesem Bereich. Sie verdeutlicht: „Es macht wieder so richtig Spaß mit denen. Und eine Hand mehr bedeutet in diesen Bereichen sehr viel.“

Aushelfen auf der Intensiv? Das machen nicht nur Pfleger, sagt Jähn: „Es gibt Disziplinen, die jetzt weniger zu tun haben, weil weniger OPs sind. Da helfen die Kollegen dann mit auf der Intensiv. Die können natürlich keinen Pneumologen oder Kardiologen ersetzen, aber sie können zuarbeiten.“

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Jahrgang 1977 - wie Punkrock. Gebürtiger Sauerländer. Geborener Dortmunder. Unterm Strich also Westfale.
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Björn Althoff

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