Zweite Auflage im Raub-Prozess

26.09.2007, 19:55 Uhr / Lesedauer: 1 min

Der Angeklagte schweigt beharrlich. Seit über anderthalb Jahren versucht die Justiz aufzuklären, ob sich der 24-Jährige an einem Raubüberfall auf einen Dealer aus Aplerbeck beteiligt hat oder nicht. Gestern begann der Prozess am Landgericht. Es ist bereits der zweite.

Am Ende der ersten Verhandlung hatten die Richter keinen Zweifel daran gehabt, dass der Dortmunder einer der Täter vom 5. Januar 2005 war. Das Urteil lautete auf fünfeinhalb Jahre Haft. Doch der 24-Jährige legte Revision beim Bundesgerichtshof (BGH) ein. Und die höchsten deutschen Strafrichter hoben das Urteil tatsächlich auf und verwiesen den Fall an eine andere Strafkammer nach Dortmund zurück.

Die entscheidende Frage ist: Kann man einem psychisch kranken Drogenhändler so uneingeschränkt glauben, dass man allein darauf die Verurteilung eines Mannes stützt, der selbst nichts zur Sache sagt? Auch gestern erkannte das vermeintliche Raub-Opfer den Angeklagten eindeutig als einen der Männer wieder, die ihm im Januar 2005 über 600 Euro, eine Playstation und ein Handy aus seiner Aplerbecker Wohnung raubten.

Doch der Dealer ist krank. Seit Jahren leidet er an einer schizophrenen Psychose, die medikamentös behandelt wird. Mehrere Zeugen sollen bekunden, dass das angebliche Opfer schon häufiger die Unwahrheit gesagt hat. Die Vernehmung eines dieser Zeugen hatten die ersten Richter im vergangenen Jahr abgelehnt. Deshalb die erfolgreiche Revision.

Inzwischen gibt es allerdings weitere Indizien, die gegen den schweigenden Angeklagten sprechen. Ausgerechnet sein Bruder soll ihm in den Rücken gefallen sein und zumindest die Playstation an das Opfer zurückgegeben haben. Entweder war der Bruder also selbst der Täter oder er hatte unmittelbar nach dem Vorfall Kontakt zu dem Räuber, der ihm sogar die Beute überließ.

Der Prozess geht weiter, vor dem erneuten Urteil will die 35. Strafkammer noch Zeugen vernehmen. von

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