Umstrittener Arzt

Corona-Flyer in Hertener Briefkästen: Pamphlete wurden stadtweit verteilt

In Herten-Scherlebeck hatten einige Anwohner Flyer im Briefkasten, die die Gefahr der Corona-Pandemie stark relativierten. Die Empfänger sind empört.
In Scherlebeck wurden Flyer von Bodo Schiffmann, einem Vertreter der „Querdenken“-Bewegung, verteilt. © Sebastian Schneider

Nachdem die Redaktion in der vergangenen Woche über Flugblätter berichtete, die die Gefahr durch das Coronavirus relativieren und in Scherlebecker Briefkästen geworfen worden waren, meldeten sich mehrere Internet-Nutzer zu Wort. Auch sie berichteten von derartigen Flyern – die offenbar im gesamten Stadtgebiet verteilt worden waren.

Meldungen aus vielen Stadtteilen

Aus den Hertener Stadtteilen Disteln, aus Bertlich, vom Paschenberg und aus Westerholt meldeten sich Menschen, sie hätten ebenfalls „Post“ erhalten. Nicht immer sei das in den vergangenen Tagen der Fall gewesen, einmal ging es auch um Info-Material der Partei „WIR2020“ im Vorfeld der Wahl im vergangenen September.

„Angeblich von mehreren Ärzten“

Angelika Kerschbaumer zum Beispiel fischte „vor zwei, drei Wochen“ einen Flyer aus ihrem Briefkasten in Disteln. „Von wem dieser Flyer genau war, kann ich gar nicht mehr sagen“, sagt sie. „Angeblich von mehreren Ärzten. Eine Aussage war, dass die Masken gefährlich sind und man durch das Tragen von Masken krank wird. Ich habe den Flyer nur überflogen und ihn dann in den Müll befördert.“

Das ist ziemlich genau das Verhalten, für das die Stadt-Verwaltung bei der Bevölkerung wirbt: „Wer die beschriebenen Flugblätter im Postkasten findet, sollte sie einfach direkt entsorgen und sich im Zweifel mit verunsicherten Nachbarn sachlich zum Thema austauschen“, so Stadt-Sprecherin Ramona Eifert. „Bürgerinnen und Bürgern empfehlen wir, sich mit fragwürdigen Quellen und Botschaften äußerst kritisch auseinanderzusetzen. Wir verurteilen die Verbreitung von ‚Fake News‘ auch in Bezug auf das Coronavirus.“

Regelmäßig veröffentliche die Stadt daher Mitteilungen und Infos in den Sozialen Medien zum Thema. Eine stadtweite Handzettel-Aktion in einer Auflage von knapp 30.000 Stück mit validen Informationen sei in der vergangenen Woche initiiert worden, eine Aufklärungskampagne schmücke derzeit die Müllfahrzeuge des Zentralen Betriebshofes (ZBH).

Dann sind Flugblätter ein Fall für die Polizei

Ein Fall für die Polizei sind Flugblätter, auch wenn sie gegen den Willen des Empfängers in den Briefkasten geworfen werden, nur unter einer Voraussetzung: „Sie müssen das Strafrecht berühren“, sagt Polizeisprecherin Ramona Hörst. „Wenn einem Bürger aber etwas verdächtig vorkommt, wenn er jemanden dabei beobachtet, wie er etwas in Briefkästen wirft, kann er uns anrufen.“

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