Prozess

Junge (2) an Würstchen erstickt – Herta muss sich vor Gericht verantworten

Wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung steht der in Herten ansässige Wurstkonzern Herta vor Gericht. Ein zweijähriger Junge war im Urlaub an einem Würstchen erstickt.
Blick auf die Herta-Wurstwarenfabrik an der Westerholter Straße © Jörg Gutzeit

Der tragische Vorfall hat sich auf einem Campingplatz in Frankreich ereignet. Das berichtet die Staatsanwaltschaft im südwestfranzösischen Ort Dax. Die Mutter hatte für ihre Kinder Herta-Würstchen der Sorte „Knacki“ geschnitten.

Ein Stückchen verstopfte die Luftröhre des zwei Jahre und elf Monate alten Lilian. Alle Versuche, die Wurst zu entfernen scheiterten.

Herta steht in Frankreich vor Gericht

Auch Sanitäter konnten den Jungen nicht retten, wie die französische Nachrichtenagentur AFP berichtet. Der Vorfall hat sich bereits im Sommer 2014 zugetragen. Seit Montag, 25. Januar 2021, steht Herta nun in Frankreich vor Gericht. Das Unternehmen hat Freispruch beantragt. Am 8. Februar soll das Urteil verkündet werden.

In einem Kühlregal werden Knacki-Würstchen von Herta angeboten. Das französische Wort „volaille“ bedeutet Geflügel. © DPA/DOMINIQUE ANDRE © DPA/DOMINIQUE ANDRE

Nach dem Erstickungstod des Jungen hatte Herta bereits reagiert und auf der Rückseite der „Knacki“-Packungen einen Hinweis platziert, dass die Würstchen vor dem Verzehr durch kleine Kinder nicht nur quer, sondern auch längs zerschnitten werden sollen, damit möglichst kleine Stücke entstehen. Wörtlich heißt es dort: „Für Kinder unter vier Jahren die Wurst der Länge nach schneiden und dann in ganz kleine Stücke, um Erstickungsrisiken zu vermeiden.“ Die Eltern des Kindes fordern, dass der Warnhinweis größer und deutlicher auf der Vorderseite der Packungen platziert werden soll.

Mehrheit an Herta wurde 2020 an Spanier verkauft

Das Unternehmen Herta mit Hauptsitz und Werk in Herten sowie mit zwei weiteren Werken in Frankreich gehörte bis 2020 vollständig zum Lebensmittelkonzern Nestlé. Inzwischen hat Nestlé 60 Prozent an das spanische Unternehmen Casa Tarradellas verkauft.

Herta beschäftigt rund 370 Menschen am Hauptsitz in Herten-Langenbochum (Verwaltung/Produktion) sowie insgesamt rund 1.700 Menschen in den beiden französischen Werken in Illkirch und Saint-Pol-sur-Ternoise. Überhaupt ist Herta auf dem französischen Markt wesentlich bedeutender als in Deutschland und dort zum Beispiel auch für Teigwaren (Nudeln usw.) bekannt.

Herta-Gründer Karl-Ludwig Schweisfurth war am 15. Februar 2020 verstorben. Er hatte den Wurstkonzern 1986 an Nestlé verkauft, um sich danach der ökologischen Landwirtschaft zu verschreiben.

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