Hubert Buschjäger aus Fröndenberg vor seinem historischen Heim. In der kleinen Remise rechts war früher eine Kettenschmiede untergebracht. © Archiv/UDO HENNES
Immobilie der Woche

Freizeithandwerker verwandelt bäuerlichen Wohnstall in Schmuckkästchen

Wenn dieses alte Fachwerk sprechen könnte, es hätte viel zu erzählen: Einen ehemaligen bäuerlichen Wohnstall hat Hubert Buschjäger in seiner Freizeit in ein wahres Schmuckkästchen verwandelt.

Im Haus „Auf der Freiheit 10“ spiegelt sich jahrhundertealte Dorf- und Stadtgeschichte wider. Ein eigenes Kapitel hat der pensionierte Polizeibeamte Hubert Buschjäger hinzugefügt.

»Wer bei krummen Balken seine Stirn nicht runzelt, der ist hier richtig.«

Hubert Buschjäger

Es steht mitten im alten Dorf Fröndenberg und gilt als eines der ältesten Häuser der heutigen Stadt. 1829 steht als Jahr von Um- und Neubau in einer Balkeninschrift zu lesen, dazu die Namen Quellenberg und Hoop.

Darüber hat Hubert Buschjäger seinen Namen nach alter Sitte mit dem Stechbeitel eingeritzt, nachdem er es 1979 von der Evangelischen Kirchengemeinde ersteigerte. Aus einem Wohnstallhaus hat der Fröndenberger Junge von innen und außen ein Schmuckkästchen gemacht – als Autodidakt.

Wo früher der Heuwagen hineinrollte, ist heute eine Kaminecke

Wir stehen in der Tenne. Vor dem inneren Auge erscheint der Heuwagen, der hineinrollt und neben dem Schweine- und Kuhstall zu stehen kommt. Das Heu wird auf den Boden verfrachtet, wo auch die Hühner scharren, unterm Dach gurrt es im Taubenschlag.

Die alte Stalltür hat Hubert Buschjäger erhalten und restauriert. Sie verrät wie viele weitere Details noch die frühere Nutzung des alten Fachwerkgebäudes. © Archiv/UDO HENNES © Archiv/UDO HENNES

Zurück im Heute. Die Tenne ist das Wohnzimmer und wo Schweine und Rinder standen, ist eine gemütliche Kaminecke. In die Galerie nach oben führt eine Holztreppe. Der gesamte Raum ist ein einziger Fachwerktraum

„Ich kenne hier jeden Balken und jeden Stein“, erzählt Hubert Buschjäger verschmitzt grinsend. Der frühere Kriminalist entwickelte ein Faible für Holz, Historisches und Restaurierung, als er im Fröndenberger Ortsteil Stentrop in einem alten Bauernhaus wohnte. Die Kate war nicht zu haben.

»Ich kenne hier jeden Balken und jeden Stein.«

Hubert Buschjäger

Als das Haus Auf der Freiheit, an dem er als Kind auf seinem Schulweg von der Nordstraße Richtung Fröndenberger Bahnhof so oft vorbeigegangen war, zu haben war, griff er zu. Vielmehr war er zuerst fast erschrocken, dass sein Gebot den Zuschlag des Presbyteriums erhielt.

Schreck bei der Versteigerung: mehr Stall als Haus am Bein

Nun hatte er mehr Stall als Haus am Bein. Als er die horrenden Preise von Architekten für einen Umbau hörte, krempelte er lieber selber die Ärmel hoch. „Ich habe ,nur‘ Polizei gelernt“, sagt der frühere Leiter der Hauptwache Unna abwiegelnd, er habe aber viel gelesen und anderen „auf die Finger geschaut“.

Alle Gefache habe er originalgetreu restauriert – bereits denkmalgerecht, auch wenn das Haus erst 1986 unter Schutz gestellt wurde. Was so seine Tücken hat. Als er sich später einmal nach der Erlaubnis für eine Solaranlage auf dem Dach erkundigte, wurde ihm die Nordseite als mögliche Alternative vorgeschlagen…

Alte Stalltür: Details verraten die frühere Nutzung noch

Beruflich stark eingebunden im Polizeipräsidium Dortmund und danach bei der damaligen Höheren Landespolizeischule in Münster sowie nach dem Ende der DDR verstärkt in Brandenburg und betraut mit Fortbildungen in Mazedonien, Lettland und Tunesien, konnte er aus dem Umbau nur ein Langzeitprojekt machen.

Ein Traum aus Fachwerk: Hubert Buschjäger, pensionierter Polizeibeamter, hat sein Wohnhaus allein und als Autodidakt restauriert. © Archiv/UDO HENNES © Archiv/UDO HENNES

Wie lange die Restaurierung gedauert hat? „Bis 2018…“, lacht Buschjäger, der jetzt über die alte Stalltür lugt – solche Details verraten noch die frühere Nutzung des Hauses.

Schon im Bauch seiner Mutter Gast des Hauses

Seine Geschichte hat Buschjäger, der auch Ortsheimatpfleger in Fröndenberg ist, mit Hilfe von Stadtarchivar Jochen von Nathusius parallel erforscht. Da gibt es diese Anekdote, dass der Mittsechziger vermutete, bereits im Bauch seiner Mutter erstmals Gast in seinem heutigen Heim gewesen zu sein.

Warum das? Elisabeth Düdder, viele Jahrzehnte Hebamme in der Stadt, lebte im Hause Auf der Freiheit 10 – allerdings erst von 1958 bis 1969. „Da warst du schon fünf Jahre alt“, schrieb der Stadtarchivar an Hubert Buschjäger. Für mehrere Hundert Fröndenberger Babys war Auf der Freiheit 10 aber definitiv die Wiege.

Krumme Balken statt klarer Bauhauslinie

Buschjäger muss über solche Histörchen schmunzeln, wie er überhaupt nicht nur eine tiefe Verbundenheit mit seinem Haus, sondern mit seinem Geburtsort verspürt. „Fröndenberg war immer mein Ankerpunkt“, erzählt der Sammler von lokalen Antiquitäten – ein besonderes Stück ist die zierliche Waage der früheren Gärtnerei und Sämerei Hugo Klix, die neben historischen Tontöpfen, Bügel- und Eiserkucheneisen und vielem sonst auf dem Kaminsims steht.

Wer die klare und kühle Bauhauslinie mag, wird sich bei Hubert Buschjäger nicht wohl fühlen: „Aber wer bei krummen Balken seine Stirn nicht runzelt, der ist hier richtig.“

Dieser Artikel erschien zuerst am 1. August 2018 im Hellweger Anzeiger.

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Redaktion Fröndenberg
Geboren 1972 in Schwerte. Leidenschaftlicher Ruhrtaler. Mag die bodenständigen Westfalen. Jurist mit vielen Interessen. Seit mehr als 25 Jahren begeistert an lokalen Themen.
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