Christian Rafalcik erweitert seinen Metzgereibetrieb: Der Fröndenberger übernimmt das Familienunternehmen Wilkes in Schwerte und erweitert für die komplette Produktion den Stammsitz in Westick. © Archiv/Udo Hennes
Fleischerfachgeschäft in Fröndenberg

Gefragtes Handwerk: Fröndenberger Metzgerei Rafalcik wächst und baut an

Metzgermeister Christian Rafalcik vergrößert sein Unternehmen erneut: In Schwerte übernimmt der Fröndenberger einen Familienbetrieb. Die Expansion hier und das Aus für die Filiale am Marktplatz folgen derselben Logik.

Nach einer Neueröffnung in Unna und der Übernahme von Edlerherr in Menden erweitert sich die Metzgerei Rafalcik ein weiteres Mal in einer Nachbarstadt: Ab dem 1. März 2021 gehören zwei weitere Filialen in Schwerte zum Fröndenberger Fleischerhandwerksbetrieb.

»Die jüngere Generation fängt wieder an zu kochen.«

Christian Rafalcik

Christian Rafalcik nahm kürzlich ein Angebot seines Schwerter Kollegen Ralf Wilkes an: Der Chef des bereits seit 1908 bestehenden Traditionsbetriebes will in den vorzeitigen Ruhestand gehen und suchte einen Nachfolger für sein Geschäft, nachdem die fünfte Generation Wilkes kein Interesse zeigte.

Zwei Filialen in kleiner Stadt kaum wirtschaftlich

Umso größer war die Motivation bei Christian Rafalcik, sein Haus mit drei Filialen in Fröndenberg, Menden und Unna künftig zu vergrößern. Für den 38-Jährigen gaben bei dieser unternehmerischen Entscheidung einige positive Faktoren den Ausschlag.

„Die jüngere Generation fängt wieder an zu kochen“, hat Rafalcik an seinen eigenen Kunden beobachten können. Diese jungen Familien, Mittdreißiger in etwa, lebten zudem wieder viel bewusster – speziell bei der Ernährung.

Die Familie Wilkes (l.) übergibt ihre traditionsreiche Metzgerei zum 1. März 2021 an die Familie Rafalcik (r.) aus Fröndenberg.
Die Familie Wilkes (l.) übergibt ihre traditionsreiche Metzgerei zum 1. März 2021 an die Familie Rafalcik (r.) aus Fröndenberg. © Archiv/Reinhard Schmitz © Archiv/Reinhard Schmitz

Zu wissen wo das Fleisch herkommt, das man kauft, selbst wie es dem Vieh bei der Mast ergangen ist und womit es gefüttert wurde, werde heutzutage viel selbstverständlicher nachgefragt als noch vor einigen Jahren.

Ebenso unternehmerisch bedingt sei aber auch das Ende der Filiale am Markt in Fröndenberg gewesen, sagt der Chef. Ein zweiter Standort habe sich auf Dauer in einer vergleichsweise kleinen Stadt wie Fröndenberg wirtschaftlich nicht getragen.

Corona-Skandal bei Tönnies lässt Verbraucher umdenken

Noch vor zwei Jahren gaben mit der Metzgerei Vonhoff und Fleischerei Föllner auch in Holzwickede bzw. Kamen zwei Handwerksbetriebe, allerdings gänzlich, auf: Preiskampf mit Discountern, sinkende Nachfrage, auch fehlende Fachkräfte waren ihre Gründe für die Geschäftsschließungen.

Was die Nachfrage angeht profitiere das Metzgerhandwerk inzwischen auch von einer anderen Entwicklung, räumt Christian Rafalcik ein. Denn neben der Transparenz bei Herkunft und Haltung der Rinder, Schweine und Lämmer sei das Genussverhalten der Leute in diesem Jahr stark beeinflusst worden: besonders vom Corona-Skandal bei Tönnies, der die Praxis der Massenschlachtung erbarmungslos offenlegte.

Christian Rafalcik (r.), mit seinem Metzgermeister Thomas Mau, zerlegt die zuvor im Schlachtof Jedowski in Unna geschlachteten Tiere im eigenen Betrieb in Westick selbst.
Christian Rafalcik (r.), mit seinem Metzgermeister Thomas Mau, zerlegt die zuvor im Schlachtof Jedowski in Unna geschlachteten Tiere im eigenen Betrieb in Westick selbst. © Archiv/Udo Hennes © Archiv/Udo Hennes

»In der Corona-Krise haben wir profitiert.«

Christian Rafalcik

„In der Corona-Krise haben wir profitiert“, gibt Rafalcik unumwunden zu. Der Gedanke, in einer solchen Boomphase zu erweitern, war daher sicherlich nicht ganz fernliegend – und dann trat Ralf Wilkes auf den Plan.

Man wurde sich schnell handelseinig und heute sagt Christian Rafalcik: Wenn man kleiner bleibt, kann man seinen Betrieb nicht gut ausbauen. Tatsächlich sei die Hinzunahme der ein oder anderen weiteren Filiale mittelfristig durchaus denkbar.

Anbau an den Zerlegebetrieb in Westick geplant

Jetzt aber ist erst einmal ein Anbau an Zerlegebetrieb und Wurstküche an der Schillerstraße in Westick geplant. Denn die Fleisch- und Wurstproduktion auch für Schwerte wird Rafalcik im Stammhaus konzentrieren. Allein drei Metzger von Wilkes werden künftig in Fröndenberg arbeiten; das Unternehmen Rafalcik wird ab dem 1. März stolze 45 Mitarbeiter und fünf Standorte haben.

Die beiden Filialen in Schwerte-Mitte und Schwerte-Holzen werden künftig täglich per Transport im Kühlwagen mit frischer Ware versorgt. Wie auch in Unna „Der Hackepeter“ – der Ende des nächsten Jahres als Marke auch in Schwerte, Menden und Fröndenberg eingeführt werden soll und dann die alten Namen ersetzt.

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Redaktion Fröndenberg
Geboren 1972 in Schwerte. Leidenschaftlicher Ruhrtaler. Mag die bodenständigen Westfalen. Jurist mit vielen Interessen. Seit mehr als 25 Jahren begeistert an lokalen Themen.
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