Aleksandra Grubiak mit ihrer Cane-Corso-Hündin „Gini“. Die Stadt Fröndenberg hat eine vorläufige Maulkorbpflicht angeordnet, obwohl Gini laut Grubiak nie gebissen hat, sondern ihr Welpe „Socke“. © Marcus Land
Beißvorfälle in Fröndenberg

Hundebisse in Fröndenberg-Dellwig: Maulkorb für Hunde, die nicht gebissen haben

Aleksandra Grubiak will Gerechtigkeit: Sie ist Besitzerin von Hunden, die in Dellwig wegen Beißvorfällen in Verruf geraten sind. Jetzt spricht die 35-Jährige – und erzählt eine andere Geschichte.

Von regelrechten Beißattacken sprachen vor einigen Tagen Besitzer von Hunden, die verletzt und von einem Tierarzt in Schwerte operiert und behandelt werden mussten. Die Halterin des beißenden „Socke“ sieht Mitschuld bei den anderen Hundebesitzern – ihr Hund ist indes schon nicht mehr bei ihr.

»Es ist etwas passiert, aber ich habe immer dazu gestanden.«

Aleksandra Grubiak

„Es ist etwas passiert“, gibt Aleksandra Grubiak unumwunden zu, „aber ich habe immer dazu gestanden“, betont die 35-Jährige. Dagegen hatte es in den vergangenen Tagen viele kritische Stimmen gegeben – stets anonym.

Grubiak war nicht bei allen drei Vorfällen in diesem Jahr dabei. Die Dialyse-Krankenschwester prangert aber an, dass ihr Socke, ein doggenartiger Cane Corso, zweimal unvermittelt von den anderen Hunden angegangen worden ist.

Socke „in den Schwitzkasten genommen“

Den jüngsten Beißvorfall, nach dem Terrier-Mischling „Steini“ nachts bei einem Tierarzt in Schwerte operiert worden war, hat sich Grubiak von ihrem damaligen Lebensgefährten und ihrem Bruder berichten lassen.

Demnach waren die beiden mit dem einjährigen Socke sowie dem anderen Welpen Amadeus und Muttertier Gini am 14. November abends gegen 22.30 Uhr Gassigehen, als unvermittelt der kleine Terrier durch ein Loch des Gartenzauns seines Herrchens bellend auf Socke zugelaufen sei.

Cane Corso “Socke” nach einem Beißvorfall im Mai 2020: Damals, so Besitzerin Aleksandra Grubiak, habe sie die komplette Tierarztrechnung für den anderen verletzten Hund übernommen, obwohl die Versicherung eine Teilschuld des anderen Besitzers bejaht habe. Mit diesem habe sie zwischenzeitlich wieder gut verstanden. © privat © privat

»Man konnte Steini nicht lösen, weil er keine Leine um hatte.«

Aleksandra Grubiak

Socke habe Steini tatsächlich gepackt, ihr Lebensgefährte habe seinen Hund daraufhin „in den Schwitzkasten genommen“, Steini wiederum ihren so eingespannten Partner in den Finger gebissen.

„Man konnte Steini nicht lösen, weil er keine Leine um hatte“, sagt Grubiak. Steinis Besitzer, inzwischen anwesend, habe lediglich die gesamte Szenerie mit seinem Handy gefilmt. „Der hat nicht geholfen – ich würde selbst alles für meinen Hund tun“, sagt Aleksandra Grubiak kopfschüttelnd.

Besitzer von Steini dreht Video von Beißvorfall

Was ihr gar nicht eingehe, sei das Verhalten von Steinis Besitzer, nachdem die Hunde auseinander waren. Den verletzten Vierbeiner habe er in den Kofferraum seines Auto gelegt, wo er mindestens noch eine Stunde gelegen habe.

Der Tierarzt habe ihr später bestätigt, dass er erst um 0.15 Uhr einen Anruf erhalten habe, Steini und sein Besitzer seien dann aber erst um 1.15 Uhr in der knapp 15 Kilometer entfernten Praxis erschienen.

Aleksandra Grubiak mit Muttertier Gini und Welpe Amadeus (vorn). Die Tiere seien sehr friedfertig, ihr Aussehen und ihre Größe lösten aber womöglich Besorgnis bei anderen Hundebesitzern aus. © Marcus Land © Marcus Land

Dieser Vorfall ist in der Nacht noch von der Polizei dokumentiert worden; Aleksandra Grubiak versteht nicht, warum Steinis Besitzer sein Handy-Video den Ermittlern nicht zur Verfügung stellt. Das könne zur Aufklärung beitragen.

Steinis Besitzer habe sie bislang auch noch nicht aufgefordert, Kosten für die Operation zu übernehmen; dem Tierarzt, der sich bei ihr erkundigte, habe sie bereits klar gemacht, dass sie die Schuld bei Steinis Besitzer sehe.

Es gibt auch Hundebesitzer, die zu Grubiak halten

In keinem Fall sei es auch so gewesen, dass Amadeus und Gini Steini ebenfalls gebissen hätten; dies habe Steinis Besitzer aber öffentlich behauptet.

Unterdessen sei bereits vor dieser Beißerei, wohl wegen vorheriger Vorfälle, eine Unterschriftenaktion in Dellwig gegen die drei Cane Corso gestartet worden. Die gehörten eigentlich ihrem Lebensgefährten, der aber mittlerweile nicht mehr bei ihr lebe.

Bei einem der drei Beißvorfälle in diesem Jahr war Aleksandra Grubiak selbst verletzt worden, als sie die Hunde auseinanderhalten wollte. © privat © privat

»Die Leute werden aufgefordert zu unterschreiben, auch wenn sie gar kein Problem mit den Cane Corso haben.«

Hundebesitzerin aus Dellwig

Die Tiere seien sehr friedfertig, ihr Aussehen und ihre Größe lösten aber womöglich Besorgnis bei anderen Hundebesitzern aus. „Die Leute werden aufgefordert zu unterschreiben, auch wenn sie gar kein Problem mit den Cane Corso haben“, sagt eine andere Hundebesitzerin aus Dellwig.

Sie steht zu Aleksandra Grubiak, wie es auch viele andere im Dorf täten. Socke habe schon gemeinsam mit Dutzenden anderer Hunde auf der Freilauffläche im Freibad Dellwig gespielt; es habe niemals Probleme gegeben.

Hundeprofi: Socke „nicht grundaggressiv“

„Die Leute im Dorf, die ihre Hunde nicht im Griff haben und auch sonst nicht anleinen, die kommen aber gar nicht erst dorthin“, sagt die Dellwigerin, die namentlich nicht genannt werden möchte, im persönlichen Gespräch mit dieser Redaktion.

Socke, der einzige von Grubiaks Hunde-Trio, der tatsächlich gebissen habe, sei von einem Hundeprofi in Hagen und auch von einem Tierarzt bescheinigt worden, dass er „nicht grundaggressiv“ sei, so Aleksandra Grubiak.

»Mit dem großen Hund bist du immer der Dumme.«

Aleksandra Grubiak

Sie räume aber ein, dass das massige Tier „Führung“ brauche; mittlerweile hat sie Socke an einen Hundetrainer in Halle an der Saale vermittelt. Das Ordnungsamt der Stadt Fröndenberg hat mittlerweile eine vorläufige Maulkorbpflicht für Amadeus und Gini verhängt – für die beiden Hunde, die laut Aleksandra Grubiak überhaupt nicht gebissen haben.

Resignation nach „Angst-und-Schrecken“-Äußerung

Man ermittle in der Sache noch, eine endgültige Entscheidung sei damit noch nicht getroffen, kommentiert Ordnungsamtschef Christoph Börger. Aleksandra Grubiak, die selbst erst vor sechs Monaten nach Dellwig gezogen ist, resigniert angesichts von Äußerungen, dass „Angst und Schrecken“ im Dorf herrschten wegen ihrer Hunde.

Sie hat das Gefühl, dass da eine Hatz stattfinde, die womöglich gar nicht in erster Linie den Hunden gelte. So oder so. „Mit dem großen Hund bist du immer der Dumme“, befürchtet Aleksandra Grubiak.

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Redaktion Fröndenberg
Geboren 1972 in Schwerte. Leidenschaftlicher Ruhrtaler. Mag die bodenständigen Westfalen. Jurist mit vielen Interessen. Seit mehr als 25 Jahren begeistert an lokalen Themen.
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