Im Justizvollzugskrankenhaus Fröndenberg wird demnächst ein großer Umbau beginnen: Die Plätze für psychisch kranke Häftlinge sollen bis Ende 2023 stark ausgebaut werden. Auf dem Archivbild demonstriert der Strafvollzugsbedienstete Oliver Roßmeißl den Umgang mit einer Versorgungsklappe. © Archiv/Marcel Drawe
Psychiatrie im Strafvollzug

JVK Fröndenberg behandelt künftig alle psychisch kranken Strafgefangenen aus NRW

Das Justizvollzugskrankenhaus Fröndenberg wird eine Psychiatrie mit bis zu 60 Plätzen erhalten. Der NRW-Landtag debattiert am Donnerstagabend über das Thema. Auslöser: eine Vielzahl von Selbsttötungen in Zellen.

Nordrhein-Westfalens einziges Justizvollzugskrankenhaus in Fröndenberg wird künftig auch zentraler Standort für die Behandlung psychiatrischer Erkrankungen von Strafgefangenen werden. Umbauten am Hirschberg starten im Januar 2021.

»Es handelt sich um die gesamte Bandbreite psychischer Erkrankungen.«

Joachim Turowski, Leiter des JVK

Eine Vielzahl von Suiziden in jüngster Vergangenheit und unter Gefängnisinsassen weit verbreitete psychische Erkrankungen haben die Parlamentarier in Düsseldorf zu einem Vorstoß veranlasst. Ziel: künftig bessere Behandlungsmöglichkeiten für kranke Strafgefangene zu schaffen.

Tödlicher Zellenbrand in Kleve als Auslöser

Auslöser, eine Expertenkommission einzusetzen, war letztlich ein tödlich verlaufender Brand in einer Zell in Kleve, bei dem ein Häftling vermutlich in Selbsttötungsabsicht selbst Feuer legte.

Hartmut Ganzke, Landtagsabgeordneter der SPD und Mitglied der Expertenkommission, wird am Donnerstagabend (12. November) im Landtag auch darauf hinweisen, dass die stationäre Versorgung psychisch Erkrankter in Fröndenberg bislang nicht in ausreichendem Maße sichergestellt werden kann.

Geplant ist daher, zwei Stationen des JVK schrittweise umzubauen und bis Ende 2023 insgesamt zwischen 50 und 60 Plätzen in der Psychiatrie vorhalten zu können. Besonders im Fokus: die erstmalige Behandlungsmöglichkeit auch für Frauen in Fröndenberg.

Joachim Turowski, Leiter des JVK, bestätigt die Planungen für sein Haus, die bereits ab Anfang kommenden Jahres zum Teil verwirklicht werden. Bislang hält Fröndenberg 13 sogenannte Akut-Plätze für schwer psychisch erkrankte Häftlinge vor. Die Station 5 wird nun ab Januar ausgebaut und soll am Ende – in getrennten Abteilungen – die ersten zwölf Zimmer für Frauen und zehn weitere für Männer haben.

Pflegestation weicht der neuen Psychiatrie

Die jetzige Pflegestation 4A soll in einem weiteren Bauabschnitt umgebaut werden und am Ende weitere bis zu 20 Psychiatrieplätze anbieten können. Die Pflegestation selbst wird vorerst in Fröndenberg wegfallen; chronisch Kranke, Versehrte und aus Altersgründen gesundheitlich erheblich eingeschränkte Gefangene sollen künftig in der JVA Hövelhof betreut werden.

Ganzke wie auch Turowski betonen auf Nachfrage, dass zwischen der Psychiatrie im Strafvollzug, wie sie in Fröndenberg nun ausgebaut wird, und dem Maßregelvollzug von nicht schuldfähigen, weil psychisch kranken Tätern, die in einer Forensik behandelt werden, unterschieden werden muss.

„Es handelt sich um die gesamte Bandbreite psychischer Erkrankungen“, sagt Joachim Turowski. So würden Gefangene mit drogenbedingten Psychosen und Häftlinge mit Depressionen oder Persönlichkeitsstörungen ebenso aufgenommen wie eben Menschen, die sich mutmaßlich selbst gefährden wollen.

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Redaktion Fröndenberg
Geboren 1972 in Schwerte. Leidenschaftlicher Ruhrtaler. Mag die bodenständigen Westfalen. Jurist mit vielen Interessen. Seit mehr als 25 Jahren begeistert an lokalen Themen.
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