Regenwassersammler Karl-Heinz Claaßen: Der Wahl-Fröndenberger findet, dass Trinkwasser zu kostbar ist, um damit die Toilette zu spülen. © Udo Hennes
Klimaschutz beim Hausbau

Regenwasser fürs WC und Waschen: Wie teuer und sicher sind Zisternen?

Trinkwasser ist kostbar. Viele Haus- und Gartenbesitzer nutzen daher Regenwasser fürs Gießen, auch die Toilette spülen und Wäsche waschen lässt sich damit. Ist das aber hygienisch und spart man damit sogar Geld?

In einem geplanten Neubaugebiet soll Regenwasser von Dachflächen in eine Versickerungsgrube laufen und damit dem Grundwasser zugeführt werden. Häuslebauer sollen zudem Zisternen auf ihrem Grundstück in Fröndenberg anlegen dürfen – um Regenwasser im Haushalt nutzen zu können.

»Man muss doch das teure Trinkwasser nicht zum Klosett spülen nehmen.«

Karl-Heinz Claaßen

Der Vorentwurf für das geplante Baugebiet Buhrlande nennt für das Sammeln des Regenwassers in Tanks oder anderen Behältnissen bereits eine Bedingung: Es muss ein Überlauf vorhanden sein, der an die öffentliche Kanalisation anzuschließen ist. Damit soll verhindert werden, dass Nachbargrundstücke überschwemmt werden, wie die Fröndenberger Entwässerungssatzung verdeutlicht.

Zisternen für Regenwasser keine Pflicht bei Neubauten

Karl-Heinz Claaßen hat viel Erfahrung mit der Nutzung von Regenwasser. 50 Jahre lang wohnte er in Unterfranken, bevor er sich mit seiner Frau seinen Alterssitz in der Fröndenberger Stadtmitte suchte.

In Bayern konnte er auf seinem Grundstück noch selbst Regenwasser sammeln und nutzte dafür eine frühere Klärgrube. „Das hat für gut zwei Monate Gießen im Garten gereicht“, erzählt der mittlerweile 87-Jährige.

Claaßen plädiert dafür, dass Regenwasser viel häufiger beim privaten Verbrauch zum Tragen kommt. Es müsse nicht bei der Regentonne bleiben. „Man muss doch das teure Trinkwasser nicht zum Klosett spülen nehmen“, findet Claaßen.

Die Behörden sollten bei künftigen Neubauten grundsätzlich prüfen, ob nicht ein Regenwassersammelbecken bei der Baugrube gleich mit ausgehoben werden kann, fordert der Fröndenberger sogar.

Große Sammeltanks aus Kunststoff gebe es dafür längst. Das NRW-Bauministerium bestätigt, dass es bislang noch kein Landesgesetz gebe, das den Bau von Zisternen vorschreibe. Dies sei auch nicht geplant.

In der Interessengemeinschaft kommunale Trinkwasserversorgung in Bayern hat sich Karl-Heinz Claaßen jahrelang dafür stark gemacht, dass Brunnen in Dörfern erhalten blieben.

Regenwassernutzung muss angezeigt werden

Mit hohen Kosten für lange Leitungen seien selbst einzelne Höfe früher an das öffentliche Netz angeschlossen worden. Man sei durchaus etwas „aufmüpfig“ gewesen gegen die „staatlich kontrollierte Versorgung“, räumt er ein.

Denn die monetären Folgeprobleme, die es bei einer geringeren Abnahme von Trinkwasser beim örtlichen Versorger gibt, sind Karl-Heinz Claaßen durchaus bewusst: Fixkosten des Wasserversorgers müssten auf weniger Gesamtverbrauch umgerechnet werden – der Trinkwasserpreis für jeden Haushalt steige also.

Tatsächlich muss der Stadt Fröndenberg gemeldet werden, wenn eine Regenwassernutzungsanlage für den eigenen Haushalt vorhanden ist. Zudem ist ein Fragebogen auszufüllen, in dem erklärt wird, ob ein zweiter Wasserzähler die Menge für das im Garten oder für das WC genutzte Wasser erfasst. Die Wasserschwundmenge, die also nicht als Abwasser in die Kanalisation fließt und nicht berechnet wird, muss ebenfalls jährlich mitgeteilt werden.

Hintergrund

Ersparnis beim Trinkwasser

  • Die Baukosten für Speicher, Rohrleitungen, Filter und Pumpen liegen bei circa 2500 bis 5000 Euro – je nach Eigenleistungsanteil und nach Größe des Regenwasserspeichers.
  • Ein Vier-Personen-Haushalt kann pro Jahr circa 40 Kubikmeter Trinkwasser durch Regenwassernutzung ersetzen (bzw. 60 Kubikmeter, wenn auch Wäsche gewaschen wird). Dies spart rund 160 bis 200 Euro pro Jahr (bzw. 240 bis 300 Euro pro Jahr, wenn für das genutzte Regenwasser keine Abwassergebühren erhoben werden).
  • In einigen Bundesländern kommen weitere Kosten für zusätzliche Wasseruhren und deren Eichung hinzu. (Quelle: Umweltbundesamt)

Das Umweltbundesamt rechnet mit einer Amortisationszeit von rund zehn Jahren, wenn man Investitionskosten für Zisternen und die Ersparnis bei Abwassergebühren gegenüberstellt.

Regenwasser zum Wäsche waschen zu nutzen, ist laut der Umweltbehörde auch ökologisch von Vorteil. Weil Regenwasser relativ weich ist, könnten rund 20 Prozent Waschpulver eingespart werden.

Hygienische Risiken durch Bügeln ausschließen

Hygienische Bedenken gebe es zumindest bei Spülungen mit kaltem Wasser, weil so in der Waschmaschine Keime in die Wäsche übertragen werden könnten. Dieses Risiko könne nur dadurch ausgeschlossen werden, dass das Wasser aufbereitet oder die Wäsche anschließend gebügelt werde.

In ihrer Wohnung in der Innenstadt ist es den Claaßens selbst nicht mehr möglich, Regenwasser für diesen täglichen Bedarf zu nutzen. Die hochbetagten Leute hoffen aber, dass sich ein Bewusstsein für den hohen Wert des Trinkwassers entwickelt. Bei jedem Tropfen Regenwasser, den er sammelte, sagt Karl-Heinz Claaßen, habe er gedacht: „Das Trinkwasser bleibt für unsere Enkel.“

Über den Autor
Redaktion Fröndenberg
Geboren 1972 in Schwerte. Leidenschaftlicher Ruhrtaler. Mag die bodenständigen Westfalen. Jurist mit vielen Interessen. Seit mehr als 25 Jahren begeistert an lokalen Themen.
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