Kaum zu erkennen: Die schwarzen Module der Photovoltaikanlage auf dem Dach des Hauses von Familie Prünte in Fröndenberg. © Udo Hennes
Solarenergie

Strom und warmes Wasser dank Sonnenkraft – Praxistipps eines Häuslebauers

In Sachen Solarenergie ist Dr. Wilhelm Prünte ein alter Hase: Zwei Eigenheime hat er schon mit Photovoltaikmodulen ausgestattet. Er beschreibt, wann es sich lohnt und was man beachten muss.

Wilhelm und Angela Prünte leben mit zwei Kindern und Wäller-Rüde „Naldo“ in einem Einfamilienhaus, das seiner klassischen klaren Linie und des atemberaubenden Fernblicks wegen sofort vereinnahmt – und beim zweiten Hingucken auch äußerst umweltfreundlich daherkommt: Schwarze Solarmodule liegen auf dem schwarzen Dach.

»Wir hatten im Hinterköpfchen: Die Erneuerbaren Energien werden doch sowieso einmal kommen.«

Dr. Wilhelm Prünte

Der Fröndenberger Stadtteil Hohenheide, am östlichsten Rand des Ruhrgebietes gelegen, bietet einen hohen Wohnwert: Prüntes können von Balkon und Garten kilometerweit ins märkische Sauerland blicken.

Obwohl der Dachgiebel Richtung Süden ausgerichtet ist, die Photovoltaikanlage also den Platz auf der südwestlichen Dachseite ohne den vollen Sonnenschein des Tages erhielt, sind Prüntes mit der Energieausbeute sehr zufrieden.

Selbstversorgung hat Stromverkauf abgelöst

Dr. Wilhelm Prünte erklärt das mit einem Paradigmenwechsel, den es bei der Solarenergie im Laufe der vergangenen 20 Jahre gegeben hat. Als er 1999 das Dach seines ersten Hauses in Fröndenberg-Ardey mit den Modulen bestückte, habe es noch eine sehr hohe Einspeisevegütung gegeben.

Gartenausblick bei Familie Prünte: Obwohl die Solaranlage nach Südwesten ausgerichtet ist, stellt die Stromausbeute die Fröndenberger sehr zufrieden. © Udo Hennes © Udo Hennes

Für den Strom, den er heute erzeugt und an Energieunternehmen verkauft, erhält er nur noch einen Bruchteil, etwa 7 oder 8 Cent pro Kilowattstunde. „Das ist eine andere Philosophie heute“, sagt der gebürtige Fröndenberger.

Heute wird bei Erneuerbaren Energien viel stärker auf den Aspekt der Selbstversorgung gelegt – eine Denkweise, mit der sich die Familie sehr gut anfreunden konnte.

Eine App zeigt Dr. Wilhelm Prünte an, was die Photovoltaikanlage auf dem Dach des Familienhauses leistet: in Echtzeit am Abend des 5. Mai 2021. © privat © privat

„Als Häuslebauer habe ich heute eine andere Zielsetzung“, sagt Prünte, „ich möchte Strom so produzieren, dass ich ihn selbst nutzen kann.“ Als er 2013 neu baute, war aus Solarstrom schon kaum noch Profit zu ziehen.

Wärmepumpe stellte Weichen für Solaranlage

Beim Hausbau vor acht Jahren ließen sie bereits eine Wärmepumpe – und vorsorglich Leerrohre für den Solarwechselrichter, der Gleich- in Wechselspannung umwandelt – verlegen.

„Wir hatten im Hinterköpfchen: Die Erneuerbaren Energien werden doch sowieso einmal kommen“, weiß Prünte noch. Dabei profitierten sie dann auch schon von den mittlerweile viel geringeren Anschaffungskosten für PV-Module.

Die Module der Photovoltaikanlage erbringen eine von Leistung von 13 Kilowatt-Peak. © Udo Hennes © Udo Hennes

Also kamen ein Jahr später, Im Mai 2020, die schwarzen Solarplatten aufs Dach – ein Aufwand übrigens von nur zwei Tagen für die Firma Entegro, die – Ironie des Schicksals – nur wenige hundert Meter entfernt ihren Sitz hat.

Wilhelm Prünte hat nach genau einem Jahr Erfahrung einige Vorteile an dem Zusammenspiel von Solartechnik auf dem Dach mit der heizenden Wärmepumpe im Keller erkannt. Die Pumpe melde den PV-Anlagen quasi: „Ich bin leer, ich muss wieder aufgeladen werden“, während das Kommando umgekehrt heiße: „Hallo, ich habe Strom übrig.“

Checkliste

Steuern und Versicherungen

  • Als Stromproduzent erhält Familie Prünte nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz nicht nur eine Einspeisevergütung. Umgekehrt muss sie als Erzeuger von Strom auch die EEG-Umlage bezahlen.
  • Weil die Familie mit dem Verkauf von Strom auch eine Leistung erbringt, hat sie wegen der fälligen Mehrwertsteuer auch Erklärungen an das Finanzamt abzugeben.
  • Auf dem Solaranlagenmarkt sind Auf-Dach-Anlagen und dachintegrierte Module erhältlich; es empfiehlt sich die Klärung, welche Versicherung mögliche Schäden abdeckt.

Der Hausherr kann in Echtzeit die Produktion, die Abnahme und den Verbrauch des Ökostroms mittels einer App nachvollziehen. „Früher habe ich ständig drauf geguckt, heute bin ich gelassen“, macht Prünte deutlich, wie selbstverständlich diese teil-autarke Energieversorgung schon für die Familie ist.

Wenn Sohn Moritz abends Computerspiele daddelt, Tochter Lotte vielleicht vom Studienort mal wieder zu Besuch ist oder im Wohnzimmer der Fernseher eingeschaltet ist und somit mehr Strom benötigt wird, kommt Prüntes auch wieder zugute, dass die PV-Anlage auf Südwestseite verbaut ist: Denn abends wird bei Prüntes auch mehr Strom produziert.

»Ich möchte Strom so produzieren, dass ich ihn selbst nutzen kann.«

Dr. Wilhelm Prünte

Andernfalls muss die Familie nämlich weiterhin Strom von den örtlichen Stadtwerken zukaufen – völlig unabhängig sei man längst nicht. Er glaube auch nicht, dass einst der Tag komme, „an dem wir das Elektrokabel durchschneiden“ sagt Wilhelm Prünte lachend.

Batterie und Elektroauto schließen den Kreis

Dennoch habe sich die Familie ganz bewusst für diesen Weg mit viel Ökotechnologie im Haus entschieden. „Das ist die Zukunft – so wie wir bald bargeldlos bezahlen werden“, glaubt Prünte.

Zwei weitere Schritte, nach Wärmepumpe und Solaranlage, will die Familie daher noch gehen. Eine Batterie soll Überproduktion speichern. Und mit diesem Strom könnte er, schließlich, ein Elektroauto unterm Carport aufladen. „Dann ist der Kreis geschlossen.“

Über den Autor
Redaktion Fröndenberg
Geboren 1972 in Schwerte. Leidenschaftlicher Ruhrtaler. Mag die bodenständigen Westfalen. Jurist mit vielen Interessen. Seit mehr als 25 Jahren begeistert an lokalen Themen.
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