Karl-Heinrich Sümmermann vor dem Fachwerkhäuschen, das er in monatelanger Kleinarbeit renovieren lassen hat. © Archiv/Claudia Pott
Immobilie der Woche

Verborgene Schönheit: Altes Fachwerkhaus in Frömern vor dem Abriss gerettet

Während Angehörige ihm rieten, das zerbrechliche Haus abzureißen, hörte Karl-Heinrich Sümmermann auf sein Herz: Aus einem alten Gemäuer in Frömern will er ein schmuckes Fachwerkhaus zaubern. Die Immobilie der Woche.

„Wir sollten das Haus abreißen“, hatte es in seinem Umfeld viele Ratschläge gegeben. Dass es sich nicht lohnt, auch nur einen Cent in ein so altes Gebäude zu stecken, hat vielleicht auch Karl-Heinrich Sümmermann gedacht. Doch sein Herz übertönte all diese Stimmen klar und deutlich – liegt dem Frömerner doch so viel an der Geschichte seiner Heimat. „Ich mache das aus Herzblut“, begründet er die Entscheidung, das Haus, das wohl zwischen 1740 und 1760 entstanden ist, von Grund auf zu sanieren.

Lange wusste niemand vom Fachwerk unter den Platten

Sein Hof ist nur wenige Meter entfernt von dem Häuschen – getrennt sind die Grundstücke durch zwei weiße, moderne Neubauten. Sein Vater habe das dazwischen liegende Grundstück verkauft, erzählt Sümmermann. Das Gebäude, das er nun umbaut, habe der Vater mit Platten versehen. So ahnte lange kaum einer, dass das unscheinbare Häuschen, in dem 70 Jahre lang dieselbe Person hauste, von Balken getragen wurde.

Das alte Lehmgemisch zwischen den Balken des Hauses wurde aus den Zwischenräumen geholt und wieder neu eingearbeitet. © privat © privat

Als Bauarbeiter die Platten nun von dem Gerüst schälten, habe der eine oder andere Nachbar nicht schlecht gestaunt, erzählt Sümmermann. Die Zwischenräume auf der Vorderseite waren mit einem Lehmgemisch ausgefüllt, die Seite, die zur Straße In der Twiete zeigt, mit kleinen roten Backsteinen. Auch die Steine machen optisch etwas her, doch Sümmermann entschied sich für die weiße, typischere Variante. „Einen Tod musste ich sterben.“

Großes Interesse an dem Fachwerkhaus in Frömern

Innerhalb von 24 Stunden hatten sich 72 Mietinteressenten gemeldet, sagt Sümmermann. Schon Ende Mai soll eine vierköpfige Familie in das Fachwerkhaus einziehen. Die letzten Arbeiten laufen gerade. Vier Menschen – das sind deutlich weniger als noch im 18. Jahrhunderten in dem schmucken Häuschen wohnten. Denn dort lebten einst die Mitarbeiter, die auf Hof Sümmermann arbeiteten.

Zwei Familien fanden dort Platz – zehn Personen auf 100 Quadratmetern.

Um das Haus während der Sanierungsarbeiten zu stabilisieren, musste es mit Holzbalken gestützt werden. © privat © privat

Und auch Tiere mussten dort untergekommen sein. „Wir haben Reste von Mist gefunden. Man konnte genau sehen, wo die Tiere gestanden haben“, sagt Sümmermann. Damals hatte also eine Person zehn Quadratmeter für sich. Heute seien es über 30 und mit jedem Umzug kämen rund zehn Quadratmeter dazu, erklärt Sümmermann. Draußen bietet das Grundstück schon mehr Platz. 660 Quadratmeter Fläche wird der neue Mieter haben.

Viel Aufwand aus Heimatliebe

„Ich mache es aus Heimatliebe. Sonst würde ich es nicht machen“, sagt Sümmermann. Schließlich sind die Arbeiten mit großem Aufwand und hohen Kosten verbunden. Aber zumindest fachlich bekam Sümmermann Unterstützung von fachkundigen Nachbarn.

Schritt für Schritt zum schicken Fachwerkhaus. Dort wo alte Ziegel waren, sollen bald weiße Platten die Wände des Hauses schmücken. © Pott © Pott

Die Balken waren marode und schwach, der Untergrund nicht fest und die Fenster veraltet. Das ganze Haus wurde mit frischem Beton unterfüttert, sehr viele Eichenbalken erneuert – darunter auch die Grundbalken, die das Haus tragen. Das alte Lehmgemisch wurde aus den Zwischenräumen geholt und wieder neu eingearbeitet. Die Isolierung besteht nun aus einer Mischung aus Lehm, Pressholzplatten und Putz.

Das alte Fachwerkhaus muss grundlegend saniert werden – dazu gehören auch neue Fenster. © Pott © Pott

Neue Fenster haben die Arbeiter eingebaut und eine Gasheizung. „Das Haus ist so gut isoliert wie noch nie“, sagt Sümmermann. Lehm habe den Vorteil, dass das Haus „atmen“ kann – das sei heutzutage bei den total abgeschlossenen Räumen nicht mehr möglich. Zudem soll eine frische grüne Tür die alte Holztür ersetzen – mit einer typischen weißen Raute. Und auch die Schrift über der Tür soll originalgetreu sein. Wie man es von alten Gebäuden kennt, steht dort künftig das Datum des (Um-)Baus: „Anno 2019“.

Einige Vorzeige-Beispiele unter den 71 denkmalgeschützten Gebäuden in Fröndenberg

Das alte Fachwerkhaus in Frömern stand nicht unter Denkmalschutz, sonst wäre eine Sanierung auch noch schwieriger geworden. In Fröndenberg gibt es 71 Gebäude, die unter Denkmalschutz stehen. Um die meisten ist es laut Martina Sträter gut bestellt. Zu den bekannteren Vorzeige-Denkmälern gehören das Stiftsgebäude, das Fachwerkhaus am Markt, in dem die Gaststätte „Zum Markgrafen“ untergebracht ist, und der Bismarckturm.

Ostbürens Ortsheimatpfleger Gerd Höneise (l.) freute sich sehr, als Eduard Dieks vor sieben Jahren das denkmalgeschützte Haus am Bauernkamp ersteigerte und in liebevoller Detailarbeit instandsetzte. © Archiv © Archiv

Ebenso liebevoll wie der Bismarckturm in privater Regie saniert wurde im Jahr 2012 ein altes Fachwerkhaus in Ostbüren. Eduard Dieks hatte das mittlerweile 150 Jahre alte Haus am Bauernkamp in mühsamer Detailarbeit instandgesetzt. Jedoch gibt es seit Jahren Probleme beim Haus Schoppe, das im Besitz einer Erbengemeinschaft ist und vor sich hingammelt. Eine Lösung ist für die Langscheder Immobilie nicht in Sicht.

Im vergangenen Jahr drei Anträge auf Denkmalförderung

Hilfe können sich Besitzer von Denkmal-Häusern bei der Stadt Fröndenberg holen. Dort gibt es ein Förderprogramm, das privaten Denkmalsanierern bei der Finanzierung unter die Arme greift. Bis zu 50 Prozent der vorher mit der Stadt abgestimmten und genehmigten Maßnahme sind förderbar, maximal 5000 Euro beträgt der Zuschuss.

Im vergangenen Jahr lagen Martina Sträter, die bei der Stadt Fröndenberg für die Denkmalpflege zuständig ist, vier Anträge auf Förderung vor. Ein Antrag wurde zurückgezogen. Gelder flossen für Immobilien in Altendorf, Dellwig und Ostbüren. In diesem Jahr liegt laut Sträter lediglich ein Antrag für ein Denkmalhaus in Ostbüren vor. Anträge auf Denkmalförderung können bis Juni bei der Stadt gestellt werden.

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Jahrgang 1991. Vom Land in den Ruhrpott, an der TU Dortmund studiert, wohnt jetzt in Bochum. Hat zwei Katzen, liest lieber auf Papier als am Bildschirm. Zu 85 Prozent Vegetarierin, zu 100 Prozent schuhsüchtig.
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Claudia Pott
Redaktion Fröndenberg
1968 in Mönchengladbach geboren. Redakteurin des Hellweger Anzeigers seit 2000, seit 2006 in der Lokalredaktion Fröndenberg. Eine Tochter. Interessiert an Menschen und Buddhismus.
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