Das Halterner Stadtbild verliert in Kürze einen prägenden Baum

mlzRotbuche im Sixtus-Garten

Alle Wirren der Geschichte in den vergangenen 180 Jahren hat die Blutbuche neben der Sixtuskirche überstanden. Jetzt sind ihre Tage angezählt, ein gemeiner Untermieter hat sich eingenistet.

Haltern

, 21.06.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Pfarrer Michael Ostholthoff sprach von einer schlechten Nachricht, als er vor einer Woche das Ende der Blutbuche zwischen Sixtuskirche und altem Pfarrhaus ankündigte. 180 Jahre stand der Baum im Vorgarten des Pfarrhauses und gehörte zum idyllischen Stadtbild dazu. Jetzt erklärt die Untere Naturschutzbehörde, warum sie die Fällung des Parkbaumes mit seinem feurig-roten Frühjahrslaub anordnen musste.

Die große, das Stadtbild prägende Blutbuche im Vorgarten des alten Pfarrhauses am Marktplatz kann aufgrund ihres auffällig schlechten Zustandes und eines Pilzbefalls nicht weiter am Standort erhalten bleiben, heißt es in einer Mitteilung der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Recklinghausen.

Die Buche steht als Naturdenkmal unter Schutz

Warum sie und nicht die Pfarrei St. Sixtus selbst zuständig ist, ist auf die Sonderstellung des Baumes zurück zu führen. Die Buche steht als Naturdenkmal seit 2003 unter besonderem Schutz und wurde in der Vergangenheit durch die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Recklinghausen kontrolliert und gepflegt. Auch der ehemalige Küster Anton Klosa und Mitarbeiter der Zentralrendantur hatten das Wohl des Baumes im Blick. Sie stillten fürsorglich den Wasserdurst der Buche.

Bäume können unter anderem aufgrund ihrer Seltenheit, Eigenheit oder Schönheit als Naturdenkmale ausgewiesen werden. Mit ihrem hohen Alter, einem eindrucksvollen Erscheinungsbild sowie dem prominenten Standort inmitten der Halterner Innenstadt wurde die Blutbuche in die Auswahl der über einhundert Naturdenkmale im Kreis Recklinghausen aufgenommen.

Schüttere Belaubung und starke Totholz-Bildung

Doch weder der Schutzstatus noch die stete Bewässerung konnten den prägenden Baum vor dem fortwährenden Verfall bewahren. Die Vitalität habe zuletzt rasant abgenommen, heißt es seitens der Unteren Naturschutzbehörde. Zu beobachten war das an einer schütteren Belaubung und eine starke Totholz-Bildung. Den Todesstoß versetzte der Buche der Gemeine Wurzelschwamm. Bei Kontrollen wurden an mehreren Stellen Fruchtkörper dieses Pilzes gefunden. Der an Laubbäumen eher seltene holzzersetzende Pilz stellt mit hoher Wahrscheinlichkeit die Ursache für die Vitalitätseinbußen dar, sagen die Experten der Naturschutzbehörde.

„Wir machen uns eine solche Entscheidung nicht leicht. Die Naturschutzbehörde hat zuletzt noch das Gutachten eines externen Sachverständigen eingeholt, um jede Möglichkeit, das Naturdenkmal zu erhalten, auszuschöpfen“, erklärt Philipp Artmann vom Fachdienst Umwelt. Leider brachte dies aber keine neuen Erkenntnisse. Der Baum befinde sich bereits im Absterbeprozess und werde sich von den vorhandenen Schäden nicht erholen können, so Philipp Artmann.

Baumfällung wird öffentlich ausgeschrieben

Die Stand- und Bruchsicherheit der Buche ist zunehmend beeinträchtigt. Schweren Herzens hat sich die Behörde deshalb zur Fällung entschlossen. Pfarrer Michael Ostholthoff bedauert die Entwicklung: „Das Fällen unserer Rotbuche an der Sixtuskirche ist wirklich bitter. Wir alle wären glücklich gewesen, wenn es eine Alternative zu dieser Entscheidung gegeben hätte.“

Die Ausschreibung eines Fachunternehmens zur Fällung läuft, ein genauer Termin ist noch nicht festgesetzt.

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