350 Menschen ließen sich als mögliche Stammzellenspender typisieren

Welle der Hilfsbereitschaft

Das Schicksal des dreijährigen Samuel, der an Leukämie erkrankt ist, hat eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. 350 mögliche Stammzellenspender ließen sich typisieren. Lange vor der Zeit standen sie am Samstag vor der Kindertagesstätte (Kita) St. Andreas Schlange.

Hullern

von Von Jürgen Wolter

, 24.11.2013, 15:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hier hatte das Team um Leiterin Margret Reschke auf die schlimme Nachricht über die Erkrankung des kleinen Jungen vor wenigen Wochen spontan reagiert: "Da müssen wir etwas machen!"Rückschlag in der Kur "Zuerst hatten wir einen Aktionstag für Samuel geplant, und schnell kam die Idee dazu, ihn mit einer Typisierungsaktion zu verbinden", sagt Margret Reschke. Nach der ersten Chemotherapie ging es Samuel zunächst besser, dann erfolgte in der Kur ein Rückschlag. Zurzeit muss er eine weitere Chemo in der Dattelner Kinderklinik über sich ergehen lassen. Zwischenzeitlich kam dann aber eine gute Nachricht: Samuels vor acht Monaten geborener Bruder Damian kommt als Stammzellenspender in Frage. "Trotzdem haben wir uns entschlossen, die Typisierungsaktion durchzuführen", sagt Margret Reschke. "Es gibt überall betroffene Kinder und Erwachsene, und die Typisierung möglichst vieler Menschen kann vielleicht einige Leben retten."

Kompetente Partner Bei der DKMS, der Deutschen Knochenmarkspenderdatei, fanden die Hullerner den kompetenten Partner, der die Typisierung fachgerecht durchführte. Alle Hullerner Vereine waren mit im Boot, um den großen Andrang bei der Aktion in der Kita St. Andreas zu bewältigen. Sie hatten außerdem ein Rahmenprogramm für die Kinder und die Besucher mit Live-Musik, Zauberer, Schminkaktion Getränken, Grill sowie Kaffee und Kuchen auf die Beine gestellt. Bundestagsabgeordnete Rita Stockhofe, die ebenfalls schon morgens vor Ort war, hatte die Schirmherrschaft übernommen.

Die potenziellen Spender wurden durch einen Parcours geschleust, der mit dem Ausfüllen eine Fragebogens begann und sie über mehrere Stationen zur eigentlichen Typisierung führte: Dafür musste jeder zwei Wattestäbchen einige Minuten im Mund über die Wangenschleimhaut streichen und drehen.

"Ich bin schon häufig bei der Blutspende gewesen, eigentlich wollte ich mich auch schon längst als mögliche Stammzellenspenderin typisieren lassen", sagt Annette Loddenkemper. Sie arbeitet selbst in der Kita St. Andreas. "Jetzt hat mir diese Aktion den nötigen Anstoß gegeben, das Vorhaben auch endlich umzusetzen".

Spenden decken Kosten

Studentin Tina Strohmeier hatte noch einen anderen Grund, sich für die Knochenmarkspenderdatei registrieren zu lassen: "Ich wollte das schon lange tun, aber die Typisierung kostet 50 Euro. Das ist für mich viel Geld. Hier werden die Kosten durch die zahlreichen Spenden und Erlöse gedeckt, so dass ich mich sofort entschlossen habe, mitzumachen".

Frauke Schneider war für die DKMS in Hullern vor Ort, um die Mitarbeiter einzuweisen und den Ablauf der Typisierung zu überwachen. "Wer registriert ist, wird in unsere Datei aufgenommen, die ständig mit den Stammzellendaten von Erkrankten abgeglichen wird. Im gegebenen Fall nehmen wir Kontakt zu den möglichen Spendern auf. Aber erst eine weitere ausführliche ärztliche Untersuchung kann klären, ob der- oder diejenige wirklich als Spender in Frage kommt. Und dann muss man sich entscheiden, ob man zur Spende bereit ist", erläutert sie das weitere Verfahren.

Ein Stammzellenspender kommt für einen Patienten in Frage, wenn seine Gewebemerkmale, die sogenannte HLA-Merkmale (Humane Leukozyten Antigene), mit denen des Patienten übereinstimmen. Zurzeit gibt es über 7000 bekannte Gewebemerkmale, die in Abermillionen Kombinationsmöglichkeiten auftreten. Eine Stammzellenspende wird in 80 Prozent der Fälle peripher durchgeführt, das heißt, dem Spender wird fünf Tage lang ein hormoneller Stoff verabreicht, der die Zahl der Stammzellen so anwachsen lässt, dass sie ins Blut abgegeben werden und mittels einer Blutentnahme gewonnen werden können. Bei der anderen Methode, der Knochenmarkentnahme, wird Material aus dem Beckenknochen entnommen (nicht aus dem Rückenmark). Hierzu ist ein stationärer Krankenhausaufenthalt von wenigen Tagen erforderlich. Innerhalb einer Familie ist die Chance auf übereinstimmende Gewebemerkmale am größten.

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