Abschied aus dem Kindergarten nach 42 Jahren

Margret Reschke

Ihr Beruf war niemals eine Last, ihr Beruf war Berufung. Margret Reschke ist immer gern in den Kindergarten gegangen. 42 Jahre lang. 24 Jahre davon leitete sie die Einrichtung in Hullern. „Meine halbe Heimat ist hier“. Jetzt räumt sie ihren Platz: Margret Reschke verabschiedet sich am Freitag (9. Dezember) in den Ruhestand.

HULLERN

, 08.12.2016, 15:09 Uhr / Lesedauer: 2 min
Margret Reschke inmitten ihrer Kinder, die sie zuletzt fünf Jahre begleitet hat: Am Freitag feiert sie offiziell Abschied als Leiterin des St. Andreas-Kindergartens. Nach 42 Dienstjahren insgesamt geht sie in den Ruhestand.

Margret Reschke inmitten ihrer Kinder, die sie zuletzt fünf Jahre begleitet hat: Am Freitag feiert sie offiziell Abschied als Leiterin des St. Andreas-Kindergartens. Nach 42 Dienstjahren insgesamt geht sie in den Ruhestand.

Margret Reschke (62) hat sich bewusst dafür entschieden. „Jetzt, wo der Tag näher rückt, erschrecke ich mich. Es ist ein komisches Gefühl. Aber ich bin mutig genug, die nächste Lebensphase anzugehen“, sagt sie in einem Gespräch mit der Halterner Zeitung. All die Jahre seien dienstlich geprägt gewesen, jetzt bestimme sie eben selbst den Tagesrhythmus. Auch das sei eine tolle Herausforderung. Nach einem Jahr passive Alterteilszeit beginnt die eigentliche Freiheit. Das ist ein Rentenmodell.

Davon verstehen ihre Kinder nichts. Sie verstehen nur, dass mit Margret Reschke eine Vertraute geht. Aus dem täglichen Miteinander entstanden herzerwärmende Beziehungen. Ein letztes Foto mit Margret, die Kinder nehmen sie in ihre Mitte und lächeln ins Bild. Die vergangenen fünf Jahre hat sie die Kleinen begleitet, sie weiß vieles über sie, auch über die verlorenen Milchzähne, von denen sie gerade aufgeregt erzählen. Die Beziehungen reichen weit über die Kindergartenzeit hinaus. „Ich kenne die Menschen hier vor Ort. Heute kommen die Kinder von damals als Eltern mit ihren Töchtern oder Söhnen.“

Margret Reschke blickt erfüllt zurück. Sie hat ihren Beruf mit Leidenschaft ausgeübt, zuerst 18 Jahre in St. Marien, dann in St. Andreas. Prägend war 1992 die Erprobung der Übermittagbetreuung von Kita-Kindern, zehn Jahre später folgten die Schulkinder – bevor die Offene Ganztagsschule erfunden wurde. „Wir waren einige der wenigen Einrichtungen, die zwei Tagesstättengruppen hatten“, blickt die 62-Jährige zurück.  „Damals hätte ich mir ein ‚Haus der Kinder‘ in Hullern gewünscht. Aber das Bistum hat sich dann wieder aus dem Hort-Projekt zurückgezogen.“

Die Herausforderungen veränderten sich über die Jahre. Die Besucher des Kindergartens wurden immer jünger. Margret Reschke gründete eine Startergruppe:  Diese ist pädagogisch nach dem Entwicklungsstand der Zweijährigen ausgerichtet. Sie genießen einen behutsamen Einstieg in die Betreuung, bevor sie sich den Gruppen mit den Kindern bis sechs Jahren anschließen.

Im Januar wird angebaut, dann werden auch Sprösslinge unter zwei Jahren aufgenommen. „Erzieherinnen müssen sich heute wahnsinnigen Herausforderungen stellen. Sie tun das zwar gern, aber manchmal beobachte ich mit Sorge, dass der Bildungsauftrag zu kurz kommt.“ Windeln wechseln, das Mittagessen reichen, Abwaschen, Küche aufräumen – das sind Aufgaben, die nicht zum Profil einer Erzieherin passen. 60 Jungen und Mädchen bleiben über Mittag in der Kita.

Als Margret Reschke nach Hullern kam, besuchten 75 Kinder die Einrichtung, zwischendurch stiegen die Zahlen auf 110, jetzt sind es 75. Der Vier-Gruppen-Kindergarten platzt aus allen Nähten. Vor allem für die Ü-3-Kinder gibt es keine Plätze, sondern eine lange Warteliste. „Wir brauchen keine Prachtbauten, sondern ein gesundes Innenleben mit ausreichend Personal, damit alle Kinder lernen und spielen können.“

Nachfolgerin aus Hamm-Bossendorf

Wenn Margret Reschke geht, übernimmt Annetraud Sieger stellvertretend die Leitung. Zum 1. April kommt eine Nachfolgerin aus Hl. Kreuz Hamm-Bossendorf.  Margret Reschke weiß ihre Aufgabe in guten Händen. Sie selbst will dann das machen, was sie seit jeher liebt: Zeit mit der Familie verbringen und sich als Hobby-Handwerkerin ausprobieren. Sie hat zu Hause in Haltern eine eigene Werkstatt. Mit auf den Weg nimmt sie die Sympathien der Kinder. Die haben ihr deutlich signalisiert, wie gern sie mit ihr zusammen sind. Margret Reschke: „Davon werde ich zehren, das ist für mich das größte Lob.“

Der Wortgottesdienst zur Verabschiedung findet am Freitag um 11.30 Uhr in der St.-Andreas-Kirche, Kirchweg, mit Kindern und Eltern statt. Eine kleine Feier in der Einrichtung, Schulstraße 6, schließt sich an.

Lesen Sie jetzt