Altbundeskanzler Kohl gedenkt seines gefallenen Bruders

Letzte Ruhestätte in Haltern

Es ist das bekannteste Grab auf dem Friedhof St. Sixtus. Auf einem gesonderten Gräberfeld für Gefallene des Zweiten Weltkrieges liegt die letzte Ruhestätte von Walter Kohl. Der Bruder des Altbundeskanzlers fiel 1944 bei einem Tieffliegerangriff.

von Von Daniel Winkelkotte

, 30.10.2013, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dazu ein exklusives Interview der Halterner Zeitung mit Dr. Helmut Kohl aus Anlass des Feiertages Allerheiligen am 1. November.

Herr Dr. Kohl, wann haben Sie das Grab Ihres Bruders Walter bei uns in Haltern am See zum letzten Mal besucht?

Leider liegt mein letzter Besuch am Grab meines Bruders schon einige Jahre zurück. Das bedauere ich sehr. Früher bin ich regelmäßig und in jedem Fall immer, wenn ich hier in der Gegend war, zu seinem Grab gegangen. Dass ich in der letzten Zeit noch nicht wieder am Grab war, hat damit zu tun, dass ich seit meinem schweren Unfall im Jahre 2008 nicht mehr soviel reise wie früher.

Sie haben 1989 die 700-Jahrfeier unserer Stadt besucht, aber, wie Sie eben selbst dargelegt haben, auch sonst regelmäßig die Grabstätte Ihres Bruders aufgesucht. Welche Erinnerungen haben Sie an die Besuche bei uns?

An meine Besuche bei Ihnen in Haltern habe ich gute Erinnerungen. Aber natürlich sind diese überschattet davon, dass mein älterer Bruder hier Ende November 1944 bei einem Tieffliegerangriff gefallen ist und hier auf einem Soldatenfriedhof begraben liegt. Andererseits bin ich froh, dass es das Grab gibt.

Wissen Sie, der Tod meines Bruders war für meine Familie, also vor allem für meine Eltern, meine Schwester und mich, ein schwerer Schock, den ich bis heute nicht vergessen habe.

Als gläubiger Katholik ist es zugleich immer ein Trost gewesen, ein Grab zu haben, an dem wir trauern konnten und an dem ich seiner gedenken und beten konnte. Wann immer ich am Grab meines gefallenen Bruders gestanden habe, ist mir vieles durch den Kopf gegangen, vor allem die Sinnlosigkeit des Krieges.

Ihr Bruder Walter soll Ihnen während Ihrer Kindheit ein großes Vorbild gewesen sein. Welche Erinnerungen verbinden Sie mit ihm?

Mein Bruder, der vier Jahre älter war als ich, und ich hatten in der Tat ein sehr gutes Verhältnis. Er war für mich - anders als meine noch viel ältere Schwester - lange Jahre auch ein wichtiger Spielkamerad. Das verbindet. Die prägendste Erinnerung an meinen Bruder ist unser letzter Abschied voneinander. Ich hatte ihn, als er nach einigen Tagen bei uns zu Hause wieder zurück in den Krieg musste, sehr früh am Morgen zur Straßenbahnhaltestelle begleitet, die nur wenige Meter von unserem Elternhaus entfernt war.

Als mein Bruder in die Straßenbahn einstieg, drehte er sich noch einmal um und sagte plötzlich und ohne jede Vorwarnung: "Pass auf Dich auf, ich komme nicht wieder. Und kümmere Dich vor allem um Mama."

Diese letzten Worte meines Bruders an mich werde ich nie vergessen, sie begleiten mich bis heute.

Gibt es Ihrerseits Überlegungen, das Grab Ihres Bruders in unmittelbarer Zukunft zu besuchen?

Unbedingt möchte ich in naher Zukunft das Grab meines Bruders noch einmal besuchen. Und ich danke Ihnen an dieser Stelle auch sehr für die Gelegenheit, dass ich ein paar Worte zu meinem Bruder und seinem Grab sagen konnte.

 

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