Am Eschweg beginnt ein neues Leben

SYTHEN Martina Distelkötter ist aufgeregt. Vor Freude. Sie zieht nach Sythen und will im September heiraten. Für die 42-Jährige zwei besondere Ereignisse, die sie kaum erwarten kann.

von Von Elisabeth Schrief

, 14.01.2008, 16:21 Uhr / Lesedauer: 1 min
<p>Martina Distelkötter (M.) fiebert dem Umzug nach Sythen entgegen. Peter Eltrop, kaufmännischer Direktor des LWL-Wohnverbundes, und Heimleiter Stefan Rütsch hoffen, im Frühsommer das Haus am Eschweg eröffnen zu können. RN-Foto Schrief</p>

<p>Martina Distelkötter (M.) fiebert dem Umzug nach Sythen entgegen. Peter Eltrop, kaufmännischer Direktor des LWL-Wohnverbundes, und Heimleiter Stefan Rütsch hoffen, im Frühsommer das Haus am Eschweg eröffnen zu können. RN-Foto Schrief</p>

Sieben Jahre wohnte sie auf dem Gelände der Haardklinik in einer Gruppe des LWL-Wohnverbundes Marl-Sinsen. Dort gefällt es ihr nicht mehr so gut. "Ich möchte eigenständiger leben", sagt sie. Das ist jetzt möglich, weil der LWL-Wohnverbund ein Haus am Eschweg anmietet. Martina Distelkötter kann hier wie vier andere Menschen mit geistiger Behinderung das betreute Wohnen ausprobieren. Gleichzeitig wird in dem Mehrfamilienhaus eine Außenwohngruppe mit sechs Plätzen eingerichtet. "Dieses Haus hat keinen Heimcharakter mehr", betont Stefan Rütsch, der Wohnverbunds-Leiter.

Liebenswürdig

Der LWL-Wohnverbund betreut Menschen mit Intelligenzminderung und hohem sozialen Integrationsbedarf. Viele Bewohner sind in normalen Wohnheimen gescheitert und haben eine lange Heim- und Psychiatriekarriere hinter sich. Sie haben hier erstmals ein Zuhause gefunden. Einer der Bewohner kam aus einer Großeinrichtung und war aufgrund seines aggressiven Verhaltens dauerfixiert. Stefan Rütsch: "Er lebt jetzt seit vier Jahren in Sinsen und wurde noch nicht einmal fixiert."

Der Zimmernachbar von Martina Distelkötter zeigt kaum aggressives Verhalten und ist in seiner Wohngruppe sehr beliebt. Eine andere Bewohnerin kam mit starken maskulinen Zügen, hatte sich eine Glatze geschoren und war äußerst aggressiv. Nach sieben Jahren ist sie kaum wieder zu erkennen. "Diese Geschichten zeigen, dass hinter dem uns herausfordernden Verhalten sehr verletzliche, liebenswürdige Menschen stehen. Wenn wir nur auf die Diagnosen achten, sind die jungen Menschen schnell abgestempelt und abgelehnt", ergreift Stefan Rütsch Partei.

"Hohes Maß an normalem Leben möglich"

Neben künftig Sythen hat der Wohnverbund bereits seit 1993 eine Außenwohngruppe an der Recklinghäuser Straße. "Hier ist in ein hohes Maß an normalem Leben möglich. Die Bewohner sind Teil des Stadtbildes", sagt Rütsch. So soll es auch in Sythen sein. Martina Distelkötter hat schon genaue Vorstellungen vom Leben mit ihrem Partner am Eschweg: Sie wollen viel im Ort unterwegs sein, Sport treiben und ihre Wohnung in Rot einrichten, "weil es die Farbe der Liebe ist."

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