Anja Bünder (29) läuft barfuß auch über Schotter - Das sagt ein Orthopäde dazu

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Manche Halterner wundern sich sehr, wenn Anja Bünder barfuß an ihnen vorbei läuft. Das kann gut für die Gesundheit, aber auch nicht ganz ungefährlich sein. Ein Orthopäde klärt auf.

Haltern

, 28.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Anja Bünder läuft barfuß durch Haltern am See. Nicht etwa, weil sie ihre Schuhe vergessen hat, sondern weil sie es genießt. „Das ist wie eine Fußmassage, die ich beim Laufen kontinuierlich genieße“, sagt sie. Je nach Untergrund genießt sie das Laufen mehr oder weniger.

In der Stadt, wo sie über den Asphalt läuft, sei es eher langweilig. Besonders angenehm sei es, wenn Sie am Halterner und Hullerner See über die Waldwege läuft. Dort verbringt die Olfenerin häufiger ihre Freizeit und fällt auf, wenn sie dort entlang läuft.

Sprüche habe ihr bisher noch niemand gegen den Kopf geworfen und mit den Blicken könne sie leben. „Mittlerweile merke ich gar nicht mehr, wenn die Leute gucken“, sagt sie selbstbewusst.

Die Inspiration stammt aus Neuseeland

Das Barfußlaufen hat Anja Bünder in Neuseeland für sich entdeckt. Damals war sie 19 und hat an einem einjährigen Schüleraustausch teilgenommen. Inspiriert wurde sie von den Menschen im Inselstaat. Dort seien die Leute sehr häufig ohne Schuhe unterwegs, beispielsweise beim Einkauf. Selbst im Winter würden dort viele auf nackte Füße nicht verzichten.

Anja Bünder (29) läuft barfuß auch über Schotter - Das sagt ein Orthopäde dazu

Seit zehn Jahren sind diese Füße auch außerhalb der eigenen vier Wände nackt unterwegs. © Rezek

Ganz so weit geht Anja Bünder nicht. Sie macht es von den Temperaturen abhängig, aber für gewöhnlich ist sie zwischen Frühjahr und Herbst ohne Schuhe unterwegs. In schicke Lokale gehe sie dann jedoch ungerne, wenn sie mit ihrer Familien oder Freunden ausgeht.

Anfangs habe das Barfußlaufen noch etwas geprickelt, aber mittlerweile schmerze es nicht mehr und sie möchte dieses Erlebnis nicht missen. Es ist jedoch nicht ganz ungefährlich. Erst neulich ist sie am Halterner See in eine Scherbe getreten, doch sie hat sich dabei nicht ernsthaft verletzt.

Orthopäde mahnt zur Vorsicht

Dr. Timo Lorei, Orthopäde vom Gelenk und Fußzentrum Haltern am See, mahnt zur Vorsicht, wenn sich jemand entschließt barfuß zu laufen. Prinzipiell sei es gut, ohne Schuhe unterwegs zu sein, vorausgesetzt man habe keine Fußprobleme.

„Die Fußmuskulatur wird gestärkt und es beugt Fehlstellungen vor. Außerdem wirkt es sich positiv auf das Standverhalten aus. Dadurch wird die Becken- und Rückenmuskulatur gestärkt“, so Lorei. Wer bereits starke Fußfehlformen habe, sollte besser auf das Barfußlaufen verzichten. Sonst könnten die Schmerzen zunehmen, fügt der Orthopäde hinzu.

Wer ausprobieren möchte, barfuß durch die Gegend zu laufen, dem rät Lorei einen langsamen Einstieg, weil sich die Muskulatur erst einmal daran gewöhnen müsste.

„Wenn ich einen Dorn bemerke, ziehe ich den einfach wieder raus.“

Anja Bünder läuft bereits seit 10 Jahren barfuß. Dadurch hat sie eine dicke Hornhaut bekommen. Dornen können ihr nichts mehr anhaben. Die würden ihr nicht bis in die lebenden Hautschichten eindringen und bereiten ihr keine Schmerzen. Ganz cool sagt sie: „Wenn ich einen Dorn bemerke, dann ziehe ich den einfach wieder raus.“

Für sie liegen die Vorteile des Barfußlaufens auf der Hand: „In Sandalen oder hochhackigen Schuhe ist es nicht so gemütlich. Ich kann nicht so schnell laufen und stolpere häufiger“. Auf der Arbeit führt für Anja Bünder jedoch kein Weg an Schuhen vorbei: Sie ist Gärtnerin und muss Sicherheitsschuhe tragen.

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