Anni Peters gründete Peters Bauernstuben: „Im Leben wird einem nichts geschenkt“

mlzRückblick mit 90

Sie brachte Buchsbaum, Obst und Gänse zum Markt und stellte ein Schild an die Straße „Steinofen-Brot zu verkaufen“ - das waren erste Schritte einer Landfrau, die zur Unternehmerin wurde.

Lavesum

, 01.10.2019, 17:02 Uhr / Lesedauer: 3 min

Anni Peters blickt heute mit 90 Jahren auf ein Leben zurück, das ihr ziemlich viel abverlangt hat. Im Sessel sitzend, nach gerade gut überstandener Operation blitzt in ihren Augen immer noch der Unternehmergeist auf, wenn sie von ihrem Lebenswerk erzählt. Sie wohnt in einem schönen, gemütlichen Haus direkt neben dem Betrieb und genießt den Blick auf einen wunderbaren Garten. Anni Peters ist hier vor allem eins: dankbar. „Es hat sich gelohnt, zu leben“, sagt sie. Ein bemerkenswerter Satz, denn die aktiven Jahre waren ziemlich anstrengend.

Skeptisch gegenüber Veränderungen

Am 1. Juli 1953 heiratete Anni Hovenjürgen ihren Nachbarn Erich Peters. Ihre Rolle war klar definiert: Sie musste sich unterordnen. Später, im Alter von 60 Jahren, notierte sie in einer kleinen Schrift: „Altbauer und Bäuerin behielten sich die absolute Herrschaft des Betriebes vor und erstickten jede vorsichtig versuchte Neuerung gleich im Keim.“

Anni Peters gründete Peters Bauernstuben: „Im Leben wird einem nichts geschenkt“

Die Gaststätte Peters Bauernstube wird mittlerweile in der dritten Generation geführt. Anni Peters hat sie gegründet. © Elisabeth Schrief

Bis 1961 kamen in kurzer Reihenfolge fünf Kinder zur Welt. Geldsorgen stellten sich ein. Gegen alle Widerstände versuchte Anni Peters auf ihre Weise, die Existenz des kleinen Hofes und vor allem ihrer Familie zu sichern. Was letztlich daraus entstand, ist an der Lavesumer Straße zu besichtigen: der Landgasthof Peters Bauernstube und Peters Backstube als beliebte Ziele für Halterner und Wochenend-Ausflügler.

Mit Buchsbaum nach Haltern

Doch die unternehmerische Tätigkeit begann weder mit Schnitzel noch mit Kuchen. „Es war die Zeit, wo im Garten der Buchsbaum beschnitten und ausgedünnt wurde. Abends halfen die Kinder, ihn in Bündchen zu binden. Diese waren den Familien in Haltern als Palmstockschmuck willkommen. Mir als ein erstes Taschengeld ebenso. Man war ja halt bescheiden.“

Fortan verkaufte Anni Peters alles, was im Garten und auf der Obstwiese übrig war. Sie zog außerdem Enten, Gänse und Hähnchen auf, backte Steinofenbrot, übernahm ein Erdbeerfeld und versorgte mit den süßen Früchten zwei Krankenhäuser in Recklinghausen. Sie verkaufte Eier, Geflügel, Wurst und Schinken erst auf der Tenne des Hofes, später in der zum Laden umfunktionierten guten Wohnstube. 1968 wurde aus der Bäuerin Anni Peters eine Unternehmerin.

Ans Aufgeben war nie zu denken

Zuständige Behörden hatten ein waches Auge auf den Betrieb geworfen. Sie belegten den Betrieb mit Auflagen, Anni Peters musste zu Fortbildungen und tatsächlich auch Anzeigen, zum Beispiel wegen Überschreitung des Ladenschlussgesetzes oder Geruchsbelästigung, einstecken. Aber Anni Peters gab nie auf und „Oma und Opa hatten sich inzwischen, wenn auch zähneknirschend, mit meinen gewaltigen Aktivitäten abgefunden und den Hof überschrieben.“ Auch, wenn die Schwiegertochter alles auf den Kopf gestellt und dem Hof die gewohnte Ruhe genommen hatte.

Anni Peters gründete Peters Bauernstuben: „Im Leben wird einem nichts geschenkt“

Anni Peters mit ihren fünf Kindern, Schwiegerkindern, zwölf Enkeln und 17 Urenkeln: Ein schönes Familienleben ist der Lavesumerin sehr wichtig. © Repro: Elisabeth Schrief

Am 1. Mai 1970 eröffnete Anni Peters das Lokal „Peters Bauernstube“. Nebenbei führte sie noch Haus und (mit ihrem Mann) Hof. Sie ließ sich auf 16 Stunden Arbeit Tag für Tag und damit gewaltigen Stress ein. Und gründete trotzdem noch vier Jahre später Peters Backstube. „Als Selbstvermarkter gab es damals nur noch den Prickings-Hof und den Biko-Markt“, erinnert sich die 90-Jährige. Ihr Mann Erich (2002 verstorben) zog sich lieber auf den Hof zurück, er mochte den Rummel nicht. Er heizte wohl den Backofen an. Zum Brotbacken war er allerdings nicht zu gebrauchen, er vergaß immer das Salz. Eine Erinnerung, die als kleine Familienanekdote überlebte.

Kinder mit eingebunden

Ihre Kinder waren alle mit in die Arbeit eingebunden, zwei wurden Schlosser, aber drei blieben tatsächlich auch - mit entsprechender Ausbildung - im Gastronomie-Gewerbe: Annette heiratete Bernhard Föcker aus Lippramsdorf und gründete mit ihm das Landgasthaus Föcker, Hiltrud führt das Bahnhofscafé in Lippramsdorf und Paul leitete bis zum Rentenalter Peters Bauernstube (hier ist heute Sohn Christoph der Chef). Und Anni Peters? Sie hat überall ausgeholfen, wenn Not am Mann war.

Die Backstube betreibt seit einigen Jahren Thorsten Föcker, aber Oma schaut nach Möglichkeit noch täglich vorbei. Sie ist nach wie vor für den Kellerkuchen zuständig. „Wir sind immer ein echter Familienbetrieb gewesen, das gilt heute genauso wie damals“, und das findet Anni Peters richtig gut.

Anni Peters gründete Peters Bauernstuben: „Im Leben wird einem nichts geschenkt“

Anni Peters heute im Alter von 90 Jahren: Die Töchter Annette und Hiltrud kümmern sich gern um sie. © Elisabeth Schrief

Wie sie die Arbeit immer geschafft hat, das weiß die Lavesumerin nicht mehr so recht. „Es lief einfach“. Mut und zupackender Optimismus habe ihr geholfen, die Geschäfte zu führen. Ab dem 60. Lebensjahr entschloss sie für sich, die Welt zu entdecken. Sie reiste fünf Jahre lang intensiv, zum Beispiel nach Moskau, Kanada oder mit ihren Enkeln nach Paris. „Oma ist in der Familie überall dabei“, freuen sich Annette und Hiltrud, dass ihre Mutter noch in ihrer Mitte ist. Die Töchter und natürlich ebenfalls die Söhne sind stolz auf sie. „Das will ich auch meinen“, lacht Anni Peters.

Was gibt eine 90-Jährige an die junge Generation weiter? „Die heutige Jugend muss wissen, dass einem im Leben nichts geschenkt wird. Erfolg kann nur der verbuchen, der bereit ist, hart zu arbeiten.“

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