Augen zu und durch: Dr. Greul gibt seine Praxis ab

HALTERN Rund 240 000 Mal hat Dr. Gernot Greul in den vergangenen 30 Jahren seinen Patienten tief in die Augen geschaut. Wie üblich ließ er auch am Dienstag am Phoropter, dem überdimensionalen Brillengestell, ihre Augen sprechen. Doch war der Arbeitstag ein ganz besonderer für den Halterner Mediziner.

von Von Silvia Wiethoff

, 31.03.2009, 18:14 Uhr / Lesedauer: 1 min
Augen zu und durch: Dr. Greul gibt seine Praxis ab

In Zukunft wird Dr. Gernot Greul nur noch an zwei Tagen in der Woche als Mediziner tätig sein.

Es war nämlich sein letzter in eigener Praxis. Am 8. Januar 1979 hatte Greul die ärztliche Niederlassung an der Weseler Straße eröffnet. Jetzt endete für den 64-Jährigen eine Ära. Augen zu und durch.

Dennoch wird er Haltern als Augenarzt erhalten bleiben. Seine Praxis wird vom Augenzentrum Recklinghausen übernommen und vor Ort als überörtliche Gemeinschaftspraxis weitergeführt. Zwei Mal in der Woche wird Greul hier als Angestellter tätig sein. Ab heute sind die Behandlungsräume geschlossen. Nach ihrer Modernisierung erfolgt die Wiedereröffnung am 20. April. Dann steht Augenarzt Dr. Greul der Kollege Dr. Jens Dohrmann zur Seite.

Mit seiner Entscheidung für die Übergabe will Greul den Patienten weiterhin "Augenmedizin auf hohem Niveau" in Kombination mit einer praxisnahen Versorgung garantieren. Ambulante Operationen werden künftig im Augenzentrum Recklinghausen ausgeführt. Stationär werden Patienten nach wie vor im Dattelner Krankenhaus betreut. Der Anfang war nicht einfach

Nur kurz ließ sich Greul am Dienstag die Zeit für einen Augenblick der Erinnerung. Der Anfang in Haltern sei nicht einfach gewesen, berichtete er. Aufgewachsen in Herten, war er von der Uniklinik in Münster nach Haltern gekommen. Gewaltig haben sich laut Greul die Therapieverfahren in der jüngsten Vergangenheit verändert. Besonders im Bereich der Netzhautchirurgie habe es enorme Fortschritte durch innovative OP-Verfahren und moderne Medizintechnik gegeben. Leider wirke sich die Gesundheitsreform negativ auf die Betreuung von Patienten aus. "Es wird stark dirigiert", übte Greul Kritik. Von solchen Entwicklungen will sich der Mediziner in Zukunft nur noch bedingt ärgern lassen. Auch privat wird er Haltern treu bleiben. "Ich denke, dass ich die Zeit nutzen werde", sagte Greul über seine Pläne. Die neu gewonnene Freizeit will er mit Hobbys füllen. Dazu zählen das Reisen und Fotografieren und das Interesse an Kultur.

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