Aus dem Leben eines Platzwarts - „Nach der Corona-Krise wird es weitergehen.“

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Martin Stock gehört beim TuS Haltern am See zum Inventar. Seit über 40 Jahren ist er Mitglied, seit vielen Jahren kümmert er sich als Platzwart um die Anlage - auch in Krisenzeiten.

Haltern

, 16.03.2020, 17:52 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit seinem Verein, dem TuS Haltern am See von 1882 e.V., hat Martin Stock schon viele Höhen und Tiefen erlebt. Vor einigen Jahren stand der TuS kurz vor der Insolvenz. Damals spielten die Fußballer in der Bezirksliga. Mittlerweile ist in der Stauseekampfbahn Regionalliga-Fußball angesagt. „Auch nach der Corona-Krise wird es weitergehen“, zeigt sich der 56-Jährige zuversichtlich.

Am gestrigen Montag habe der Tag für ihn wie die meisten Tage in den letzten Jahren begonnen. Um 5 Uhr habe der Wecker geklingelt. Aufstehen, duschen, Zähne putzen, frühstücken, Kaffee und um kurz vor 6 Uhr Abfahrt zur Sportanlage am Lippspieker. So läuft es nahezu jeden Tag – seit rund 13 Jahren. Als Platzwart muss man schließlich irgendwie immer präsent sein. Dabei hat sich das Bild in den vergangenen Tagen stark verändert.

Anlage gesperrt

In der Stauseekampfbahn herrscht, wie an so vielen weiteren Orten, gähnende Leere. Dort, wo sonst Kinder und Erwachsene dem runden Leder hinterherjagen, sitzen Vögel und picken die frisch eingesäten Rasensamen vom Fußballplatz. Das machen sie sonst am Vormittag zwar auch, aber nachmittags eher selten. Stock: „Dann pulsiert hier normalerweise das Leben und unsere Mannschaften trainieren oder es finden Spiele statt. Das wird in den kommenden Wochen natürlich nicht der Fall sein. Die gesamte Anlage bleibt vorerst, mindestens bis zum 19. April, gesperrt.“

An eine vergleichbare Situation könne er sich natürlich nicht erinnern. „Wir hatten mal ein Schneechaos oder sonstige Wetterereignisse, die dem Fußball für kurze Zeit zugesetzt haben. Aber das ein Virus den gesamten Trainings- und Spielbetrieb vorläufig lahm legen kann, ist eine völlig neue Situation und war bis vor einigen Tagen noch unvorstellbar“, weiß Platzwart Martin Stock. „Nur zwischen Weihnachten und Neujahr herrscht hier normalerweise etwas Ruhe. Ansonsten ist eigentlich immer Betrieb auf der Anlage.“

Auch in den Kabinen und Funktionsräumen in der Stauseekampfbahn scheint die Zeit seit wenigen Tagen stehen geblieben zu sein. Frisch gewaschene Trikots und Leibchen liegen in den Fächern, im Umkleideraum der ersten Mannschaft stehen noch Fußballschuhe auf dem Boden. Die Tür des Vereinsheims im ersten Obergeschoss ist abgeriegelt. „Und das wird leider vorerst auch so bleiben“, sagt Stock.

Gestern seien allerdings noch die Rasenmäherroboter eingetroffen. Sie müssten nun einsatzbereit gemacht werden, damit sie in den kommenden Wochen wieder vollautomatisch ihre Runden auf der Anlage drehen können. Die Rasenplätze müssen insbesondere zum Frühjahr intensiv gepflegt werden, auch wenn vorerst keine Partien oder Trainingseinheiten geplant sind. Die Stadt hatte die Roboter vor einigen Jahren angeschafft, um auf diese Weise den Pflegeaufwand auf allen städtischen Anlagen dauerhaft reduzieren und Kosten senken zu können.

Wann es mit dem sonst üblichen Betrieb auf der Anlage weitergeht, wird sich zeigen. Stock: „Ich gehe mal davon aus, dass die Saison bei den Amateurfußballern beendet wird. Wie will man die ganzen Spiele nachholen? Das kann ja kaum funktionieren.“ Beim Verband arbeitet man bereits im Hintergrund an einer möglichen Lösung (siehe Bericht Kreissport), wobei sich auch mittelfristige Planungen mit Blick auf die kaum absehbaren Entwicklungen schwierig gestalten.

Luft und Sonnenstrahlen

Kann er als Platzwart in den nächsten Wochen nicht auch einfach zu Hause bleiben? Stock: „Warum? Arbeit gibt es immer. Außerdem stärken doch frische Luft und Sonnenstrahlen auch unser Immunsystem. Ich kann die Zeit nutzen, um Dinge zu erledigen, die zuletzt oftmals auf der Strecke liegen geblieben sind.“ Ein frischer Anstrich oder die monatliche Grundreinigung der Kabinen – Beschäftigung sei möglich.

Auch unten auf der Tennisanlage des TuS Haltern verrichtet der ehrenamtlich tätige Horst Heuer weiter seinen „Dienst“. In den nächsten Tagen sollen die Tennisplätze, wie im Frühjahr üblich, von einer Firma wieder aufbereitet werden. Ob es am Ende auch wirklich dazu kommt, scheint aber ungewiss. Wie so vieles in diesen Tagen.

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