Energiegespräch: Ausstieg aus Kohle und Kernkraft - kann die Energiewende gelingen?

mlzHalterner Stadtwerke

Wie kann man die Energiewende stemmen? Zwei Experten referierten beim Energiegespräch der Stadtwerke Haltern über ein Thema, das für die Zukunft fundamentale Bedeutung hat.

Haltern

, 07.03.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Deutschland leistet sich einen „Luxus“: Als einziges Land steigt die Bundesrepublik sowohl aus der Kernenergie als auch aus der Kohleverstromung aus. Ist das überhaupt zu schaffen? Wie kann man die Versorgungssicherheit in Zukunft gewährleisten?

Dieses spannende Thema stand im Mittelpunkt des 6. Energiegesprächs, zu dem die Halterner Stadtwerke am Donnerstagabend ins Römermuseum eingeladen hatten. Als Experten referierten Gunda Röstel, ehemalige Bundesvorsitzende von Bündnis 90 / Die Grünen und Mitglied der Kohlekommission, und Dr. Thomas Hüwener, Mitglied der Geschäftsführung der Open Grid Europe, des größten Gastransportunternehmens Europas.

Haltern ist bereits eine CO2-Senke

Röstel gab Einblicke in die Arbeit der Kohlekommission, die heterogen aus Vertretern von unter anderem Gewerkschaften, Wirtschafts- und Umweltverbänden zusammengesetzt war, und einen Fahrplan für den Ausstieg aus der Kohleverstromung erarbeitet hat: Bis 2038 soll kein Strom mehr aus dem Verbrennen von Stein- oder Braunkohle gewonnen werden. „Diese Lösung ist ein Kompromiss“, sagte Röstel in Haltern. Er wird flankiert von zahlreichen Maßnahmen, um die betroffenen Regionen finanziell beim Strukturwandel zu unterstützen. Der Weg stößt auch auf Kritik. Röstel plädierte eindringlich dafür, die Maßnahmen nicht schon wieder zu zerreden: „Lasst uns anfangen und gesteht uns auch zu, Fehler zu machen, die wir dann wieder korrigieren können.“

Die Besucher diskutierten engagiert mit den Experten.

Die Besucher diskutierten engagiert mit den Experten. © Jürgen Wolter

Auch wenn Haltern inzwischen eine negative CO2-Bilanz hat, die Seestadt quasi als CO2-Senke gelten kann, machte Thomas Hüwener deutlich, dass mit erneuerbaren Energien allein die Energiewende nicht zu schaffen ist. Als gute Basis der Versorgung bezeichnete er Energie aus Wasserkraft und Biomasse, die aber nur wenige Prozent des Energiebedarfs abdeckt. Strom aus Windkraft und Sonnennergie unterliegt hohen Schwankungen, es fehlen außerdem Speicherkapazitäten und Transportwege. Gas werde also in Zukunft eine steigende Rolle bei der Energieerzeugung spielen.

„Wir haben nicht mehr viel Zeit“

Thomas Hüwener plädiert für eine „Sektorenkopplung“: Auch Gasnetze seien für den Transpoprt von Energie nutzbar, wenn Strom in Gas (Power2Gas) oder Wasserstoff umgewandelt wird. Dazu sei das Netz von Open Grid in Deutschland (ca. 12.000 Kilometer) nutzbar und geeignet. Hüwener stellte mehrere aktuelle Forschungs- und Entwicklungpsrojekte vor. „Eine Gaspipeline ersetzt acht Hochspannungsleitungen. Wir müssen das Strom- und das Gasnetz zusammen denken und den Mut haben, zu handeln. Wir haben nicht mehr viel Zeit.“

Kommentar

Die Energiegespräche treffen den Nerv der Zeit

Der Klimawandel ist eine der großen Herausforderungen für die Zukunft der Menschheit. Die Energieerzeugung gehört zu den größten Verursachern des Klimagases CO2, das für die Erwärmung der Erdatmosphäre verantwortlich ist. Welche Wege in den Unternehmen und der Politik beschritten werden, um Lösungen zu erarbeiten, darüber informieren Experten bei den Energiegesprächen der Halterner Stadtwerke. Den beiden Geschäftsführern Carsten Schier und Dr. Bernhard Klocke gelingt es immer wieder, hochkarätige Experten nach Haltern zu holen, die Blicke „hinter die Kulissen“ ermöglichen. Die Veranstaltungsreihe kommt genau zur richtigen Zeit. Das zeigt auch das Interesse des Publikums. Politik und Wirtschaft schlafen nicht, das machte das 6. Energiegespräch wieder deutlich. Und die Industrie hat ihre Chancen erkannt: Mit zukunftsträchtigen Lösungen wird sich in Zukunft auch viel Geld verdienen lassen. Denn am Klimaschutz führt kein Weg vorbei, wenn die Menschheit auf diesem Planeten überleben will.
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