AWO schlägt Alarm: OGS-Betreuung stößt durch Corona an ihre Grenzen

mlzOGS und Corona

Durch die Corona-Regeln sind die Anforderungen in der Offenen Ganztagsbetreuung massiv gestiegen. Die AWO fordert deshalb Unterstützung durch das Land NRW.

Haltern

, 13.10.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) ist Trägerin von vier Offenen Ganztagsschulen in Haltern. „Während für die Kindertageseinrichtungen und den Unterrichtsbetrieb der Schulen konkrete Maßnahmen ergriffen wurden, fehlen notwendige Unterstützungsangebote für den Offenen Ganztag auf ganzer Linie“, beklagt der Unterbezirk Münsterland-Recklinghausen in einer Pressemittteilung. Wie sieht es konkret in Haltern aus?

„Das System ist wackelig“, sagt Andrea Fohrmann, Leiterin der OGS an der Grundschule Sythen. „Wir hatten hier früher ein offenes System der Betreuung. Jetzt müssen die Kinder in vier Gruppen getrennt betreut werden, in jeder Gruppe brauchen wir zwei Mitarbeiterinnen. Das Essen wird getrennt eingenommen, es muss desinfiziert und gelüftet werden. Das alles soll aber mit nahezu demselben Personal durchgeführt werden wie vorher. Und auch da war die Situation schon nicht optimal.“

„Wir stoßen an unsere Grenzen“

„Es gibt für die OGS keine Standards oder Personalschlüssel“, ergänzt Anna Schulze Kökelsum, die Koordinatorin der AWO-OGS in Haltern. Insgesamt sind vier Ganztagsbetreuungen in Haltern in AWO-Trägerschaft: Sythen, Flaesheim, Silverbergschule und Lippramsdorf. Weitere Träger sind die Caritas und zwei Fördervereine. 109 Kinder werden in Sythen betreut, insgesamt sind es bei der AWO in Haltern 350.

„Soweit möglich, haben wir das Personal schon aufgestockt“, sagt Anna Schulze Kökelsum. „Aber wir stoßen jetzt an unsere Grenzen. Unsere Qualitätsstandards können wir kaum noch einhalten, die Kinder sollen Spiel- und Sportangebote bekommen sowie Hausaufgabenbetreuung. Außerdem stehen unsere Mitarbeiterinnen auch als Ansprechpartner zur Verfügung.“ Die neuen Coronabedingungen erfordern zudem einen erhöhten Dokumentationsaufwand, um die Nachverfolgbarkeit von Infektionsketten im Ernstfall zu garantieren.

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Das alles kostet Zeit. „Ich habe die Dienstpläne angepasst und möglichst knappe Übergänge eingeplant “, sagt Andrea Fohrmann. „Aber mehr geht nicht.“

Die Zusammenarbeit mit der Stadt Haltern und der jeweiligen Schule funktioniere sehr gut, betonen die beiden AWO-Mitarbeiterrinnen. Aber das Land NRW sei jetzt in der Pflicht, unterstützend einzugreifen. „Sonst können wir nicht garantieren, dass wir unsere Leistungen in vollem Umfang weiter erbringen können. Als Plan B steht die Rückkehr zu einer Notbetreuung im Raum“, so Anna Schulze Kökelsum.

„Ohne zusätzliche Mittel wird es nicht gehen“

„Die OGS-Mitarbeiterinnen bemühen sich nach Kräften, den Kindern weiterhin einen guten OGS-Alltag bieten zu können. Auf Dauer kann das System aber so nicht aufrechterhalten werden“, befürchtet auch Miriam Maiburg, Bereichsleiterin Schule beim AWO-Bezirk. „Bei den ersten Krankheitsausfällen im OGS-Team bricht die gesamte Organisation zusammen.“ Um das zu verhindern, hat die AWO organisatorische Absprachen mit der Schulverwaltung und den Schulleitungen getroffen. Miriam Maiburg ist froh, dass dabei gute Lösungen gefunden wurden. „Doch ohne zusätzliche Mittel wird es nicht gehen“, berichtet sie.

Die Arbeiterwohlfahrt fordert deshalb das Ministerium für Schule und Bildung NRW auf, die Träger des Offenen Ganztags zu unterstützen und das vorhandene Personal zu entlasten. Die zusätzlichen Belastungen müssen bislang durch vorhandenes Personal aufgefangen werden, obgleich die Ausstattung und die finanziellen Mittel für den Offenen Ganztag seit Jahren nicht ausreichend sind. Die AWO fordert von der Landesregierung ein deutliches Signal mit konkreter Hilfestellung. Dies könne zum Beispiel eine Maßnahme analog der NRW-Landesinitiative „Kita-Helfer“ sein, die darauf abzielt, das pädagogische Fachpersonal bei alltäglichen Hygienemaßnahmen zu unterstützen.

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