Weniger Azubis durch die Corona-Krise: Halterner suchen noch Lehrstellen

mlzAusbildung in Haltern

Die Corona-Krise hat den Arbeitsmarkt durcheinander gewirbelt. Einige Betriebe stellen in diesem Jahr weniger Azubis ein als üblich. Die Jugendlichen suchen nun händeringend nach Stellen.

Haltern

, 03.07.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Viele Betriebe laufen während der Corona-Krise auf Sparflamme. Während viele Angestellte in Kurzarbeit gingen, wurden andere entlassen.11,7 Prozent mehr Arbeitslose als im vergangenen Jahr gab es im Mai im Kreis Recklinghausen. Einigen Betrieben fehlen nun die Möglichkeiten, um neue Azubis einzustellen. Die Schulabgänger konkurrieren in diesem Jahr um weniger Ausbildungsplätze - auch in Haltern.

Michael Heistermann, Geschäftsführer des Autohauses Heddier, bekommt diese Konkurrenz auf dem Ausbildungsmarkt deutlich zu spüren: „Wir haben unsere beiden Azubi-Stellen für dieses Jahr besetzt, doch in den letzten Wochen kommen zahlreiche neue Bewerbungen hinzu. Insgesamt sind es doppelt so viele Bewerbungen wie sonst. Man merkt, dass die Jugendlichen jetzt noch nach einer Stelle suchen, weil andere Betriebe aktuell nicht einstellen.“

Kaum Bewerbungen während des Lockdowns

Generell hätten sich die meisten Interessenten deutlich später als in den Vorjahren gemeldet. „Man merkt, dass wir einen Lockdown hatten. In dieser Zeit ist auch bewerbungsmäßig nicht viel passiert“, so Heistermann. Nun überlege das Autohaus, ein bis zwei weitere Stellen zu schaffen - dafür gäbe es vom Land NRW Fördergelder.

Der Bewerbungsprozess habe sich in der letzten Zeit kaum vom üblichen Prozedere unterschieden. Die meisten Interessenten wurden durch die Arbeitsagentur vermittelt, meldeten sich auf Zeitungsannoncen oder Posts auf Facebook. Das Vorstellungsgespräch fand dann im Schutze einer Plexiglasscheibe statt.

Arbeitsagentur-Chef fordert nachhaltiges Einstellen von Azubis

„Der Ausbildungsmarkt ist aktuell von rückläufigen Stellenmeldungen geprägt“, bestätigt auch Frank Benölken, Chef der Arbeitsagentur des Kreises. Insgesamt sei die Anzahl an betrieblichen Ausbildungsstellen um 6,5 Prozent zum Vorjahr zurückgegangen. Benölken sieht diese Entwicklung kritisch: „Bei aller aktueller Unsicherheit wissen wir genau, dass der Fortbestand unserer Betriebe nur durch einen Nachwuchs an Fachkräften gesichert wird. Wer also nur an die Abwehr von Corona denkt, handelt kurzsichtig. Der Kampf gegen den Fachkräftemangel ist wesentlich ausdauernder und verursacht dauerhafte Schäden. Ihm müssen wir auch jetzt weiter aktiv begegnen und an der Ausbildung festhalten.“

Neue Ausbildungsform sorgt für weniger Interessenten

Petra Foelske, Pflegedienstleitung der Altenheime St. Sixtus und St. Anna, hat mit dem Gegenteil zu kämpfen: Sie hätte gerne alle Ausbildungsstellen in diesem Jahr besetzt, hatte aber zu wenig Nachfrage. Zum Start im April ist eine Stelle frei geblieben, zum Juli seien die Bewerbungen ebenfalls spärlich eingetrudelt. Lediglich für den Start im Oktober konnten alle Plätze besetzt werden. „Im letzten Jahr hatte ich noch eine Flut an Bewerbungen zur Auswahl“, sagt Foelske.

Der Mangel an Bewerbungen läge laut der Pflegedienstleitung weniger an Corona, sondern an der neuen Ausbildung: Seit dem 1. Januar gibt es die neue Ausbildung zur Pflegefachkraft, die die Ausbildung zum Altenpfleger ablöst und genereller gefasst sei. Deshalb seien die Interessenten unschlüssig. .

Keine Hausführung zum Vorstellungstermin

„Es ist aber durchaus möglich, dass die jungen Leute sich auch aufgrund der Corona-Lage etwas später orientieren“, räumt die Pflegedienstleiterin ein. So seien in den letzen Monaten keine Praktika möglich gewesen. Planmäßig geht es im August wieder für die Praktikanten los - die Plätze seien bereits besetzt.

Die Vorstellungsgespräche für die künftigen Azubis fanden ausschließlich im Büro statt. „Wir durften die Einrichtung nicht zeigen, was schade ist. Hospitieren durften die Interessenten aber für einen oder mehrere Tage“, so Foelske. Mit den aktuellen Lockerungen kehren die Einrichtungen langsam in die Normalität zurück.

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