Bauen zwischen Dahlienstraße und Sundernstege: Anwohner fürchten um Charme ihrer Siedlung

mlzNeue Wohnungen

Zwischen Dahlienstraße und Sundernstege sollen neue Häuser und Wohnungen entstehen. Die Bürger wurden in einer Versammlung darüber informiert. Die Pläne sorgen für Unmut.

Haltern

, 20.02.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Unter Bürgermeister Josef Schmergal beschloss der Rat am 13. Mai 2004, den „Bebauungsplan 103 Dahlienstraße“ aufzustellen. Weil der Besitzer der Fläche damals dann doch nicht verkaufen wollte, ließ die Stadt das Verfahren ruhen. Jetzt aktiviert sie es aus aktuellem Anlass. Denn der Besitzer hat inzwischen gewechselt, er verfolgt große Pläne.

Im Juni wird sich der Rat mit dem Bebauungsplan beschäftigen. Das sagte Baudezernent Siegfried Schweigmann auf Nachfrage. Vorab waren die Eigentümer der angrenzenden Grundstücke zu einer Informations-Veranstaltung eingeladen worden. Gesprächspartner waren Vertreter der Stadt Haltern, der „hs Wohnraum GmbH“ vom Hellweg als Grundstückseigentümerin sowie des beauftragten Planungsbüros „pesch parnter architekten stadtplaner GmbH“ aus Dortmund.

Die Siedlung war einst ein Genossenschafts-Projekt

Der Eigentümer der Grünfläche plant laut erstem Entwurf den Bau von mehreren Einfamilien-, Doppel-, Reihen- und Mehrfamilienhäusern. Das finden nicht alle Anwohner gut, obwohl ihnen Hinterlandbebauung auf ihren Grundstücken ermöglicht werden soll.

Bärbel Matuszczyk von der Dahlienstraße ist skeptisch. „Diese Häuser werden uns das Gefühl geben, im eigenen Garten erdrückt zu werden“, kritisiert sie das Vorhaben und verweist gleichzeitig auf schon erstellte mehrgeschossige Häuser im Umfeld, die ihrer Ansicht nach bereits jetzt den ursprünglichen Siedlungscharakter zerstören. Dazu müsse man wissen, wie die Siedlung zwischen Sundernstraße und Hennewiger Weg einst entstanden ist.

Ein Blick vom Hennewiger Weg in die Siedlung, deren Straßen nach Blumen benannt wurden.

Ein Blick vom Hennewiger Weg in die Siedlung, deren Straßen nach Blumen benannt wurden. © Archiv Backmann

Bärbel Matuszczyk erzählt, dass die nach dem Zweiten Weltkrieg in Haltern Zuflucht suchenden Flüchtlinge dringend Wohnungen brauchten. Alfons Rohberg, damals Vikar in St. Sixtus (1942-1951) gründete aus diesem Grund eine Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft. Zunächst enstand die „Rohberg-Siedlung“ an der Holtwicker Straße, dann die „Blumensiedlung“. Dieter Abbing berichtet aus dieser Zeit im Halterner Jahrbuch 2012. In dem Bereich zwischen dem Hennewiger Weg und der Sundernstraße wurde 1952 mit der Errichtung von vier Kleinsiedlerstellen als Doppelhäuser begonnen, sie waren im Sommer 1953 fertig.

Genossenschaft sah gerechte Verteilung der Häuser vor

Es folgten in den Jahren 1954 und 1955 elf Doppel- und fünf Einzelhäuser in den Straßen am Fliederbusch, Tulpenfeld und Rosenhof. Weitere Häuser wurden nach Zuteilung der Landesmittel in den Jahren 1957 bis 1958 gebaut und zwar neun Doppelhäuser im Nelkengarten und drei Doppelhäuser am Fliederbusch. Den Abschluss bildeten sechs Doppelhäuser am Hennewiger Weg.

Bauentwicklung auf 1,75 Hektar

Planverfahren Dahlienstraße wird weitergeführt

2004 hieß es im Ratsbeschluss, Ziel des Bauleitplanverfahrens zur Aufstellung des Bebauungsplanes Nr.103 Dahlienstraße sei es, unter Einbeziehung der relativ tiefen Gartengrundstücke der bestehenden Häuser den Grünstreifen zwischen Dahlienstraße und Sundernstege wohnbaulich zu entwickeln. Im Hinblick auf eine geordnete städtebauliche Entwicklung auf einer Fläche von 1,75 Hektar solle die Bebauung auf maximal zwei Geschosse begrenzt sowie in offener Bauweise (Einzel- und Doppelhäuser) erstellt werden. Nun soll das Bebauungsplanverfahren weitergeführt werden, um einen gültigen Bebauungsplan aufzustellen. Das Verfahren beinhaltet u.a. die öffentliche Auslegung der Pläne. In dieser Zeit können Bürger Bedenken, Kritik oder Wünsche vortragen.

Alle Bauten wurden in Eigenleistung von den „Siedlergenossen“ erstellt. Dazu mussten diese sich im Baubüro die geleisteten Stunden auf Leistungsnachweisen quittieren lassen. Dazu notiert Dieter Abbing: „Die abgeleisteten Einsatzzeiten der Siedler beliefen sich auf 3200 bis 3800 Arbeitsstunden für die einzelnen Bauabschnitte. Wenn Häuser fertiggestellt waren, konnten sich die Siedler, die zu diesem Zeitpunkt die meisten Stunden geleistet hatten, für ein Haus vormerken lassen, sodass dadurch eine gerechte Verteilung der Häuser stattfand. So war gewährleistet, dass kein Siedler vorab wusste, welches Haus er bekam und sich so Vorteile für sein Haus beschaffen konnte.“

Einige der Häuser sind inzwischen neu gebaut oder es wurde angebaut. Aber der Charakter der Siedlung blieb in den Augen von Bärbel Matuszczyk bis vor dem Bauboom erhalten.

Mittlerweile allerdings kauften Investoren Grundstücke auf und raubten mit „erschlagender Baukultur“, wie sie findet, der Siedlung ihren Charme. „Wo findet sich der Slogan wieder, mit dem die Stadt so kräftig auf Postkarten wirbt: Haltern tut gut?“, schreibt sie an die Halterner Zeitung und weiß etliche Nachbarn hinter sich. Sie erwarte mehr von der Politik - zum Schutz von Natur und Bürgern.

In der nach Blumen benannten Siedlung zwischen Sundernstraße und Hennewiger Weg entstanden und entstehen auf freien Grundstücken Mehrfamilienhäuser.

In der nach Blumen benannten Siedlung zwischen Sundernstraße und Hennewiger Weg entstanden und entstehen auf freien Grundstücken Mehrfamilienhäuser. © Elisabeth Schrief

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