Behelfsbrücke und gestrichener Haltepunkt Sythen sorgen für Zündstoff im Rathaus Haltern

mlzBahn und VVR erklären sich

Der neue Rhein-Ruhr-Express „ignoriert“ Sythen als Haltepunkt und die Behelfsbrücke in Haltern bringt Reisende zu Fall: Genug Zündstoff, um Bahn- und VRR-Vertreter zur Rede zu stellen.

Haltern

, 14.11.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ilse Korn kommt auf Krücken in den Ratssaal. Sie muss aufpassen, dass sie nicht über die Stufen stolpert. „Die Behelfsbrücke hat mich zur Invalidin gemacht“, stellt sie sich Dienstagabend während der Sitzung des Ausschusses Bauen und Verkehr vor. Ilse Korn war im Mai mit der Kante ihres Schuhs von der Stahlgitter-Treppe abgerutscht und hatte einen komplizierten Trümmerbruch im Schienbeinkopf erlitten. „Wer hat diese Brücke abgenommen?“, will sie wissen.

Metin Sönmez (stellvertretender Leiter Bahnhofsmanagement) und Stephan Görtz (Leiter Arbeitsgebiet Bauausführung NRW Südwest) saßen Ilse Korn, weiteren wenigen Zuhörern und den Ausschuss-Mitgliedern gegenüber. Die Behelfsbrücke, so sagen sie, sei unter anderem vom Eisenbahn-Bundesamt auf ihre Sicherheit überprüft worden. Es handele sich um ein Provisorium, das standardmäßig hergestellt und bei Bedarf auch in anderen Bahnhöfen aufgestellt werde. Außer in Haltern habe es bislang nie Unfälle gegeben.

„Enorm unsicher“

Zuhörerin Jutta Becker mochte das kaum glauben: „Wenn mehrere Reisende die Brücke benutzen, fängt sie an zu schwingen. Noch nie habe ich so eine Wackelpuddingbrücke in einem Bahnhof gesehen.“ Otto Rohde vom Seniorenbeirat ist überzeugt, dass die Treppenstufen nicht tief genug sind. „Ich bin körperlich sehr fit. Aber auf der Brücke fühle ich mich enorm unsicher.“

Metin Sönmez verteidigte die Installation der Brücke. „Ohne sie wäre der Mittelsteig im Halterner Bahnhof wegen der Bauarbeiten nicht mehr erreichbar gewesen.“ Allerdings habe die Bahn erkannt, dass die Nutzung des Konstrukts beschwerlich sei. Inzwischen seien ein zweites Geländer angebracht und Bodenplatten ergänzt worden, um Rutschgefahr zu mindern. Außerdem wies er auf Kofferträger hin, die bei Bedarf Bahnreisende unterstützen. „Die Alternative zur Behelfsbrücke wäre ein Schienenersatzverkehr über einen längeren Zeitraum gewesen“, da sei doch, so Sönmez, die temporäre Brücke die bessere Lösung.

Ende 2020 ist der Bahnhof fertig

Es bleibt also alles, wie es ist. Aber ein Ende sei absehbar, sagte Stephan Görtz. Er informierte über die Arbeiten zu einem barrierefreien Umbau des Halterner Bahnhofs und versprach: „Wir sind Ende 2020 fertig!“

Vor den Bahnvertretern hatte Ralf Dammann (Abteilungsleiter für Angebots- und Strukturplanung beim Verkehrsverbund Rhein Ruhr) das Wort. Er stellte sich der Kritik der Parteien an der Entscheidung, dass der Rhein-Ruhr-Express auf seinem Weg von Osnabrück nach Düsseldorf nicht mehr in Sythen hält.

„Komfortabler Umstieg“

Zurzeit fahren auf der Strecke der Regionalexpress RE 2 und RE 42, in halbstündigem Takt halten sie sowohl in Sythen als auch in Haltern. Ab dem Jahr 2020 kommt der Rhein-Ruhr-Express, er soll 17 Minuten schneller von Münster aus Düsseldorf erreichen. Dafür fällt der Halt an einigen Bahnhöfen aus, auch in Sythen. Die Kritik konnte Ralf Dammann nicht recht verstehen.

Die Sythener oder Pendler aus dem Münsterland könnten künftig in Sythen in den RE 42 einsteigen und innerhalb von vier Minuten komfortabel und bahnsteig-gleich in Haltern oder Recklinghausen umsteigen. Eine Taktumstellung sei nicht möglich, weil es sonst zu Trassenkonflikten im Bahnhof Münster komme. Bei der Streichung der Haltestellen habe man sich am Fahrgast-Aufkommen orientiert.

Neue Ticketstrukturen

Im Sinne einer gewünschten nachhaltigen und klimafreundlichen Mobilität sei das nicht, kritisierte die Politik. Wenn man sich mit der aktuellen Entwicklung abfinden müsse, dann sollten doch wenigstens die unterschiedlichen Gebührenzonen endlich abschaffen. Wenigstens dazu gab es eine positive Auskunft. Ralf Dammann: „Die Bahn arbeitet an ganz neuen, kundenfreundlichen Ticketstrukturen.“

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