Behördenfehler verhagelt Halterner die Festtage

Auto stillgelegt

Damir Podobnik wollte doch nur über die Weihnachtstage mit dem Auto zu seiner Familie nach Kroatien fahren. Doch wegen eines Behördenfehlers musste er in Bayern umdrehen und tat drei Tage lang kein Auge zu. Die Autobahnpolizei hatte ihn aus dem Verkehr gezogen – die Geschichte eines großen Irrtums.

HALTERN

, 23.12.2016, 05:51 Uhr / Lesedauer: 2 min
Damir Podobnik sammelt Quittungen der Zug- und Taxifahrten, um sie dem Kreis in Rechnung zu stellen.

Damir Podobnik sammelt Quittungen der Zug- und Taxifahrten, um sie dem Kreis in Rechnung zu stellen.

Der Kroate Damir Podobnik lebt seit 1971 in Deutschland, seit zehn Jahren in Haltern. Hier nennen ihn alle Daniel, erzählt er. Für die Feiertage hatte er sein Auto vollgeladen und sich auf den Weg in die Heimat gemacht, 1450 Kilometer Autobahn vor der Brust. Nach etwa einem Viertel der Tour kam das jähe Ende.

Dienstagabend, A 3 in Unterfranken, gegen 22 Uhr:

Auf der A 3 zwischen Aschaffenburg und Würzburg lotste ihn die Polizei auf einen Rastplatz, sein Fahrzeug sei nicht versichert, hörte Podobnik. Die Plakette auf dem Nummernschild wurde abgekratzt, Schriftliches bekam der 47-Jährige nicht, er durfte auch kein Foto vom Polizeiwagen machen. Das Auto musste auf dem Rasthof stehen bleiben, immerhin brachten die Polizisten den Mann mit einer kleinen Tasche und den nötigsten Papieren zum Bahnhof nach Aschaffenburg. 

Mittwoch, Rückreise nach Haltern und Behördengänge:

Fast elf Stunden später, kurz vor 9 Uhr morgens, kam Damir Podobnik endlich in Haltern an, mehr als drei Stunden musste er nachts am Frankfurter Bahnhof warten. Nette Schaffner ließen ihn fahren, den Ticketpreis muss er nachzahlen. Die EC-Karte hatte Podobnik in der Hektik im Auto vergessen. Von Freunden musste sich der Reisende Geld leihen, bei der Versicherung in Dülmen und bei der Zulassungsbehörde in Recklinghausen rannte er die Türen ein.

Donnerstagmorgen, Entschuldigung in Recklinghausen:

Am Donnerstagmorgen (22. Dezember) war Podobnik um 7 Uhr beim Amt und bekam vom Kreis Recklinghausen schriftlich, was er die ganze Zeit wusste: „Ihre Kennzeichenschilder wurden leider fälschlicherweise durch die Polizei Aschaffenburg entsiegelt, da das Fahrzeug noch zu Unrecht zur Fahndung ausgeschrieben war.“

Die Vorgeschichte:

Im Juni wechselte der Kroate seine Versicherung, eine Woche lang war das Auto da nicht versichert. „Bei uns setzt sich dann die Automatik in Gang, dass das Fahrzeug zur Fahndung ausgeschrieben wird, wenn der Halter nicht reagiert“, erklärt Kreissprecher Jochem Manz auf Anfrage. Der Hinweis des Kreises an die Polizei, nach Nachweis der neuen Versicherung nicht weiter nach diesem Wagen fahnden zu lassen, „das ist bei uns übersehen worden“, so Manz. „Da gibt es nichts zu beschönigen. Dieser Fehler ist bei uns passiert. Wir konnten uns nur bei dem Herrn entschuldigen.“ Ersatzpapiere und neue Siegel fürs Nummernschild wurden ausgestellt. Die entstandenen Kosten will der Kreis über seine Versicherung tragen.

Und wie geht's weiter?

Damir Podobnik musste am Donnerstagmittag sehen, wie er wieder zu seinem Auto in Unterfranken kommt. Schließlich will er ja weiterhin zur Familie nach Kroatien. Der Handyakku war inzwischen leer, die Zugfahrt zum Hauptbahnhof Aschaffenburg kostet 102 Euro. Von dort aus zur Raststätte kommen noch einmal 100 Euro Taxi dazu, schätzt der 47-Jährige. Geld, das er gerade nicht hat. Die EC-Karte liegt ja noch im Auto. Hoffentlich, meint Damir Podobnik: „Der Wagen stand jetzt drei Tage vollgepackt mit Weihnachtsgeschenken allein auf dem Rasthof.“  

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