Bergknappenverein hat Nachwuchssorgen

"Wir sterben langsam aus"

Der Bergknappenverein in Haltern hat Nachwuchssorgen. "Die jungen Menschen machen heute lieber andere Sachen", ist der Tenor. Doch aufgeben wollen sie nicht.

HALTERN

01.04.2011, 17:42 Uhr / Lesedauer: 2 min
Sie hoffen auf neue Mitglieder für den Bergknappenverein Glückauf Haltern: (v.l.) Walter Winkel, Günter Kobrow, Günter Deckers, Rudolf Ernst, Alfred Stock und Michael Albers.

Sie hoffen auf neue Mitglieder für den Bergknappenverein Glückauf Haltern: (v.l.) Walter Winkel, Günter Kobrow, Günter Deckers, Rudolf Ernst, Alfred Stock und Michael Albers.

Günter Deckers ist seit 20 Jahren Rentner. Und in den letzten Wochen mussten sie wieder Kameraden zu Grabe tragen. Früher gab es nur Männer in den Knappenreihen. Heute zählen die Frauen dazu, und sie bleiben im Verein, wenn sie Witwen werden. „Aber wir werden ja nun mal nicht jünger...“, seufzt Alfred Stock, der Vorsitzende, und schaut Richtung Geschäftsführer Michael Albers. Man müsste die jungen Leute begeistern, aber sie wissen nicht wie. „Die sitzen lieber am Computer“, meint Rudolf Ernst. Er ist der Schriftführer. Und Deckers ergänzt: „Als unser Verein 1954 gegründet wurde, gab es keine Fernseher, keine laute Partymusik. Da machte man in Vereinen mit. Wir waren aktiv, übernahmen Verantwortung für andere. Außerdem war das eine Auszeichnung, im Knappenverein zu sein.“

Im Laufe der Jahre konnten zwar alle Interessierten Mitglied werden, aber ein „echter Knappe“, das war früher etwas Besonderes. Jeder konnte im Bergbau arbeiten, aber Knappe wurde man erst durch eine erfolgreich abgelegte Prüfung zum Hauer. Ja, früher, und schon tauchen die Erinnerungen auf, wie es war bei Kersting, Barbara-Feier Anfang Dezember. Da war stets volles Haus. „Und wenn alle das Steigerlied sangen, da überkam einen schon mal die Gänsehaut. Leises Summen. „Glück auf, Glück auf. Der Steiger kommt…“ Doch, viele kennen das Lied. „Und er hat sein helles Licht bei der Nacht …“ Es wird noch oft gesungen, wenn die Knappen unter sich sind, oder bei Großveranstaltungen. „… schon angezündt, schon angezündt…“ Ja. Duster sehe es aus. Aber am Ende des Tunnels tauche ein Lichtlein auf. Man dürfe eben nicht aufgeben. 28 Mitglieder zählt der Verein. Und die wollen das Wissen über den Bergbau und seine Geschichte bewahren und weiter geben. Auch in Haltern gab es Zeiten, in denen der Bergbau vielen Menschen Arbeit bot.

Und vielleicht, meint Günter Kobrow, komme der Bergbau ja doch wieder groß raus. Der Atom-Unfall in Japan habe gezeigt, dass es so nicht gehe. Zukunftsmusik? Eher ein Traum, holen die Kameraden ihn wieder zurück in die Wirklichkeit. „Das ist zu teuer“, erklärt Deckers. „Es wird Braunkohle gefördert. Die hat 100 Mal mehr Schadstoffe als Steinkohle. Da müssen Filter her, um die Schadstoffe zu entziehen…“ Sie diskutieren über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Bergbaus. Manchmal träumen sie von mehr Kohleabbau, mehr Zechen, wachsenden Mitgliederzahlen. Wie es früher unter Tage war, daran erinnern sich die Männer täglich. Früher, als es noch den Knappen gab, wie gesagt, den Hauer. Ja, da war Kameradschaft was wert. Damals. Aber auch heute, sonst säßen sie ja nicht noch zusammen und überlegten, wie sie andere motivieren könnten mitzumachen. 

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