Betroffene Anwohner haben keinen Ersatzanspruch

Grundwasserbelastung

Eine Umweltsünde, die vor rund 100 Jahren geschehen ist, beschäftigt die heutige Generation. Weil auf dem Gelände der Wasag-Chemie in Sythen Sprengstoffe sorglos mit dem Abwasser entsorgt wurden, ist heute das Grundwasser so belastet, dass es nicht an die Oberfläche befördert und verwendet werden sollte. Wir haben wesentliche Fragen und Antworten zum Thema zusammengestellt.

HALTERN

, 26.04.2016, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
An Prüfstellen wie dieser werden Messungen vorgenommen.

An Prüfstellen wie dieser werden Messungen vorgenommen.

Seit wann ist die Grundwasserbelastung im Raum Sythen bekannt?

Sie wurde 1991 bei der Untersuchung von privaten Brunnen fast zufällig entdeckt. 1999/2000 erfolgten Bodenuntersuchungen auf dem Werksgelände der Wasag. Von 2000 bis 2011 wurden von der Sythengrund, einem Nachfolger der Wasag-Chemie, belastete Bereiche auf dem Werksgelände saniert. Zuletzt wurde 2015 noch einmal drei Tonnen belastetes Material geborgen und entsorgt. Außerhalb des Werksgeländes sind keine sprengstofftypischen Bodenbelastungen bekannt. Sie werden ausschließlich über das Grundwasser aus dem Werksgelände getragen.

Warum wurde die Verbotszone für die Entnahme von Grundwasser erneut ausgeweitet?

Der Kreis Recklinghausen hat 60 Messstellen zur Überwachung eingerichtet. 2013 wurden sprengstofftypische Verbindungen erstmalig auch südlich des Mühlenbachs nachgewiesen. In einer Tiefe von ca. 70 bis 90 Metern wurde eine vergleichsweise geringe Konzentration von 1,1 µg/l festgestellt. Der Kreis hat das Nutzungsverbot zusammen mit einem Gutachter aufgrund seiner Untersuchungen und der Erkenntnisse aus dem Grundwassermodell der Gelsenwasser AG ausgeweitet. In diesem Jahr sollen drei weitere neue Vorfeld-Prüfstellen eingerichtet werden.

Was ist mit dem Obst und Gemüse, das ich in meinem Garten geerntet habe?

Schon vor dem jetzt ausgesprochenen Grundwassernutzungsverbot wurde bereits im Jahre 2001 durch Hauswurfsendungen in Lehmbraken empfohlen, auf eine Grundwassernutzung grundsätzlich zu verzichten.

Das Umweltbundesamt hat 2001 hierzu ausgeführt: "Insgesamt wird die Beregnung der Pflanzen mit STV-kontaminiertem Wasser nicht empfohlen, da ein Transfer in Wasser-Boden-Pflanze nicht auszuschließen ist (STV = sprengstofftypische Verbindungen). Deshalb wird dringend empfohlen, auf den Verzehr von Obst und Gemüse, das mit Brunnenwasser gegossen worden ist, zur eigenen Sicherheit zu verzichten.

Gibt es einen Anspruch auf Kostenersatz, wenn das Grundwasser nicht mehr genutzt werden kann?

Durch den Erlass der Allgemeinverfügung entsteht kein Ersatzanspruch der betroffenen Anwohner, da durch diese Maßnahme die Personen und das Vermögen der Geschädigten selbst geschützt werden (§ 39 Ordnungsbehördengesetz - OBG).

Könnten die sprengstofftypischen Verbindungen irgendwann die Talsperre in Haltern erreichen?

Ja, bisher wurden zwei Schadstofffahnen ermittelt, die sich in südöstliche Richtung ausbreiten. Um das Jahr 2050 wird das Fördergebiet für Trinkwasser erreicht. Wenn die sprengstofftypischen Verbindungen den Stausee erreichen, werden sie zunächst einmal verdünnt. Schon jetzt gibt die Gelsenwasser AG reinigende Aktivkohle dazu, wenn giftige Pflanzenschutzmittel aus der Landwirtschaft die Grenzwerte überschreiten.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass mit demselben Verfahren auch TNT und andere Sprengstoffe aus dem Wasser gefiltert werden können. Aufgrund dieser Sachlage sehen die Wasserexperten bei Gelsenwasser die Trinkwasserversorgung in der Region nicht gefährdet. 

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt