Blaue Brücke am Stausee: Jetzt schlägt die Stadt den Abriss vor

mlzWalzenwehrbrücke

Die stylische Blaue Brücke in idyllischer Lage am Stausee hat sich zum Wahrzeichen Halterns entwickelt. Nun ist ihre Zukunft ungewiss. Die Politik muss eine schwere Entscheidung treffen.

Haltern

, 19.11.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf den neuen Bauausschuss und den Rat wartet gleich ein richtiger Kracher: Die Verwaltung sieht keinen Sinn in einer Sanierung der Blauen Brücke am Stausee-Walzenwehr und schlägt deshalb einen Abriss und Neubau des Bauwerks vor, das wegen Schäden schon seit Mai 2020 gesperrt ist.

Diesem Beschlussentwurf ist eine umfangreiche Prüfung der Faktenlage und Abwägung der Kosten vorausgegangen. In Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro Thomas & Bökamp in Münster hat die Stadt die Kosten für eine grundlegende Sanierung der Brücke für Fußgänger und Radfahrer, die 2006 eröffnet wurde und zu einem Wahrzeichen für die Stadt Haltern geworden ist, berechnet. Dabei hat sie einen Betrag von rund 825.000 Euro ermittelt.

Sanierung nur mit teurer Gerüstkonstruktion

Hinzu kämen weitere Ausgaben, zum Beispiel für den Korrosionsschutz, der insgesamt mehr als 1,4 Millionen Euro verschlingen würde, davon allein über eine Million Euro für die notwendige Gerüstkonstruktion.

Ein Korrosionsschutz wäre etwa alle 15 Jahre fällig. Die Restlebenszeit der Brücke über die Stever wird mit 56 Jahren angegeben. „Zudem besteht das Problem der fehlenden Tragkraft auch nach der Sanierung weiter. Die Leistungsfähigkeit des sanierten Bestandsbauwerks kann nicht auf die eines Neubaus angehoben werden. Welche Reparaturen noch anstehen werden, ist nicht absehbar“, informiert das Bauamt die Politik.

Welcher Argumentation folgen die Fraktionen?

Die Fraktionen müssen nun entscheiden, ob sie sich der Argumentation der Verwaltung anschließen können und einem Brückenneubau zustimmen. Für diese Lösung liegt aber bisher nur eine grobe Kostenschätzung des Münsteraner Ingenieurbüros vor. Demnach würden sich die Kosten für den Abriss des maroden Bauwerks auf rund 143.000 Euro und für eine neue Brücke auf 2,2 bis 2,5 Millionen Euro belaufen.

Fördermittel in Höhe von 70 bis 75 Prozent der anfallenden Kosten dürfte die Stadt nach Auskunft des Bauamtes sowohl bei einer Sanierung als auch bei einem Neubau erwarten. Sie muss aber in jedem Fall mehrere Hunderttausende Euro ausgeben, um für Fuß- und Radfahrer wieder eine attraktive Anbindung zwischen Stadt und See einrichten zu können.

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Eine Sanierung würde einschließlich des Vergabeverfahrens vermutlich zehn Monate in Anspruch nehmen. Bei einem Neubau müsse man einschließlich Planungszeitraum von etwa 2,5 Jahren ausgehen, führt das Bauamt aus.

Für die Stadt ist besonders ärgerlich, dass die Firma, die die Brücke errichtet hat, nicht mehr für die Schäden haftbar gemacht werden kann. Das Unternehmen ist insolvent.

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Bei der von Stahlseilen getragene Brücke, die 76 Meter überspannt, stimmt die gesamte Statik nicht mehr. Unter anderem sind Risse in den Schweißnähten an Pylonen festgestellt worden. Ein externes Ingenieurbüro hatte nach Abschluss der Bauarbeiten bei der von der Stadt Haltern in Auftrag gegebenen Abschlussprüfung unter anderem dokumentiert, dass „gegen die Standsicherheit des Rohbaus keine Bedenken bestehen“.

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Dass die Brücke nicht wie geplant errichtet worden ist, weiß die Stadt Haltern aufgrund einer Prüfung des Ingenieurbüros Thomas & Bökamp seit 2014. Eine umfangreiche Hauptprüfung wurde aber erst 2017, „nach entsprechender Vorbereitungszeit“, wie es im Bericht der Verwaltung heißt, in Angriff genommen und erst 2019 nach ergänzender Untersuchung abgeschlossen.

Egal für welche Lösung sich die Politik entscheidet, werden Fußgänger und Radfahrer noch etwas länger darauf warten müssen, bis sie ihre Runde um den Halterner Stausee wieder über eine neue, vielleicht ebenfalls blaue Brücke, vollenden können.

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