Blutspendeverbot für Homosexuelle ist "diskriminierend"

Debatte

Blutspenden können Leben retten. Der Halterner Dirk Klaus weiß das nur zu gut. Immerhin arbeitet er als Lehrrettungsassistent beim DRK in Witten. Doch Blut spenden darf er selbst nicht - weil er homosexuell ist.

HALTERN

, 23.06.2014, 17:49 Uhr / Lesedauer: 1 min
Bislang dürfen homosexuelle Männer in Deutschland grundsätzlich kein Blut spenden - möglicherweise wird sich das bald ändern.

Bislang dürfen homosexuelle Männer in Deutschland grundsätzlich kein Blut spenden - möglicherweise wird sich das bald ändern.

Im Internet ist nun eine Petition gestartet. Die Initiative „Bunt Spenden“ will 50 000 Unterschriften einsammeln, um anschließend die Bundesärztekammer zu einer Änderung der Richtlinien auffordern zu können.

Heutzutage werde jede Blutkonserve aufwendig untersucht, bevor sie zum Einsatz komme. „HIV-Tests sind durch neue Technologien viel schneller, günstiger und genauer“, sagt Klaus. „Übertragungsfälle durch infizierte Blutspenden sind mittlerweile nahezu ausgeschlossen.“ Das Blutspendeverbot, unter anderem für Homosexuelle, hat seinen Ursprung im Jahr 1993. Damals starben mehr als 1000 Patienten an den Folgen HIV-verseuchter Blutkonserven. 1998 verabschiedete der Bundestag daraufhin das Transfusionsgesetz.

Um Patienten vor Infektionen zu schützen, unterliegt die Spendentauglichkeit strengen Kriterien, die per Fragebogen vor einer Spende abgeklärt werden. Personen mit häufig wechselnden Sexualpartnern, Prostituierte, Drogenabhängige und eben Männer, die Sex mit Männern haben oder hatten sind seitdem ausgeschlossen. Die Bundesärztekammer begründet das damit, dass HIV-Neuinfektionen bei ihnen im Vergleich zu Heterosexuellen 100-fach häufiger seien. Für Dirk Klaus sind solche Statistiken Augenwischerei. „Nicht die Homosexualität erhöht das Risiko, sondern risikohafte Sexualpraktiken wie ungeschützter Geschlechtsverkehr mit häufig wechselnden Partnern“, sagt er.

Das treffe im gleichen Maß auf Heterosexuelle wie auf Homosexuelle und Bisexuelle zu. „Sicheres Blut hat nichts mit der sexuellen Orientierung der Spender zu tun“, so Klaus. Demnach gibt es keine Risikogruppen aufgrund der sexuellen Identität sondern nur Risikoverhalten. Das sieht auch Steffi Kullick, Blutspendebeauftragte des DRK-Stadtverbandes in Haltern, so. „Blutkonserven werden dringend benötigt und es gibt keine Argumente bestimmte Personengruppen auszuschließen. Vielmehr sollten wir dankbar für jede Spende sein.“  

Im Internet ist nun eine Petition gestartet. Die Initiative „Bunt Spenden“ will 50 000 Unterschriften einsammeln, um anschließend die Bundesärztekammer zu einer Änderung der Richtlinien auffordern zu können.

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