Bustouren wieder erlaubt: Reisebusfahrer warten sehnsüchtig auf Gäste

mlzGruppenreisen mit dem Bus

Seit Ende Mai dürfen Reisebusse wieder fahren. Auch große Gruppen könnten gemeinsam verreisen, tun es aber bislang nicht. Die Busfahrer des Vestischen Reisedienstes scharren mit den Hufen.

Haltern

, 17.06.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Klassenfahrten fallen aus, Sportvereine beginnen gerade erst wieder gemeinsam zu trainieren und noch immer gilt die Reisewarnung für das EU-Ausland.

Busreisen innerhalb von Deutschland sind jedoch problemlos wieder möglich. Der Vestische Reisedienst, auch bekannt als VR-Tours, hat seine Busse schon lange nicht mehr rollen gesehen.

„Die Busse stehen still und warten auf ihren Einsatz. Einmal die Woche sehen wir nach ihnen und kontrollieren, ob die Batterie noch funktioniert. Unsere Busfahrer sind alle in Kurzarbeit und hoffen darauf, bald wieder fahren zu dürfen“, erzählt Jutta Jung (50), die beim Vestischen Reisedienst für die Disposition, also die Einteilung der Fahrer und Fahrzeuge tätig ist.

LKW-fahren kommt nicht in die Tüte

„Unsere Fahrer sind mit Herzblut bei der Sache. Sie können sich einen anderen Job nicht vorstellen. Wir haben ihnen angeboten, im öffentlichen Linienverkehr zu fahren, aber das wollten sie nicht. Es liegen Welten zwischen einer fröhlichen Fahrt mit einer Reisegruppe und einer Linienfahrt“, fügt sie hinzu. In anderen Betrieben, so habe sie gehört, seien Busfahrer während der Krise abgewandert und würden nun LKW fahren. Das käme für die Fahrer des Vestischen Reisedienstes nicht in Frage.

Die Flotte des Vestischen Reisedienstes umfasst rund 15 Busse. In einen Standardbus, so Jung, passen 48 Gäste und 90 in einen Doppeldeckerbus. Hunderte Sitzplätze, die nun seit einigen Wochen leer bleiben. Wer nun spontan mit seinem Verein, seiner Schulklasse oder seinem Freundeskreis Ausflüge unternehmen möchte, hat daher gute Karten.

Auch mehrtägige Gruppenreisen sind kurzfristig möglich

Im Normalfall werden Reisen von größeren Gesellschaften schon mehrere Monate im Voraus, meistens im Herbst des Vorjahres gebucht. Beinahe alle dieser Reservierungen wurden nun storniert. Nun gingen die ersten Anfragen für das kommende Jahr ein. Was die aktuelle Saison anbelangt, seien die Kunden laut Jung sehr zögerlich. Vielen sei aufgrund der sich ständig ändernden Gesetzeslage nicht klar, was gerade erlaubt sei und was nicht.

Generell solle man alle seine Sorgen und Bedürfnisse bei der Reiseplanung ansprechen - für viele Probleme gäbe es eine Lösung. Auch mehrtägige Reisen seien nach ausgiebiger Planung möglich - allerdings vorerst nur innerhalb Deutschlands. Wenn die Reisewarnung am 15. Juni aufgehoben wird, ginge es entsprechend der Gesetze der jeweiligen Länder theoretisch auch wieder ins Ausland.

Tagestrips an der frischen Luft

Aktuell empfiehlt der Vestische Reisedienst Tagestrips innerhalb von NRW an der frischen Luft - beispielsweise die Landesgartenschau in Kamp Lintfort, Zoos oder Freilichtmuseen. Auf diesen kleinen Trips können Gruppen wieder gemeinsam Spaß haben, ohne groß auf Sicherheitsabstände achten zu müssen - das sei in Gebäuden eher ein Problem.

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„Wenn beispielsweise ein Restaurantbesuch Teil des Ausfluges ist, müssen wir abklären, wie die Gäste sitzen können. Wir möchten schließlich nicht, dass die Gruppe an Zweiertischen im ganzen Restaurant verstreut ist, sondern gemeinsam essen kann“, so Jung. Für Reisegruppen, die in NRW losfahren, gelten die Nordrhein-westfälischen Gesetze. Das bedeutet, dass der Vestische Reisedienst auch andere Bundesländer bereisen kann, auch wenn dort noch andere Regeln gelten.

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Nun hofft der Vestische Reisedienst laut Jung auf die Mundpropaganda ihrer ersten Kunden: „Wir wünschen uns, dass bis zu den Herbstferien wieder Normalität einkehrt und auch wieder Klassenfahrten stattfinden. Wenn sich herumspricht, dass die Fahrten trotz der aktuellen Einschränkungen Spaß gemacht haben, entscheiden sich vielleicht wieder mehr Leute für Gruppenreisen. Unsere Busfahrer scharren schon mit den Hufen.“

Aktuelle Regeln für Busreisen vom Vestischen Reisedienst
  • Beim Einsteigen in den Bus müssen die Hände desinfiziert werden - dafür steht Desinfektionsmittel bereit.
  • Die Bordtoiletten dürfen nicht benutzt werden.
  • Den Gästen wird ein fester Sitzplatz zugewiesen - es wird ein Sitzplan erstellt.
  • Beim Ein- und Aussteigen müssen Fahrer und Gäste einen Mund-Nasen-Schutz tragen und den Sicherheitsabstand einhalten.
  • Fahrgäste müssen ihre Kontaktdaten hinterlegen.
  • Die Sitzreihe hinter dem Busfahrer bleibt unbesetzt.
  • Ist der Bus voll besetzt, müssen die Gäste die ganze Fahrt über einen Mund-Nasen-Schutz tragen - der Mindestabstand muss nicht eingehalten werden. Ansonsten besteht die Möglichkeit, die Großgruppe in 10er-Gruppen aufzuteilen, die zusammen sitzen. Zwischen den Kleingruppen herrscht dann der Mindestabstand. Ausnahmen gibt es beispielsweise für Familien - sie dürfen auch ohne Mundschutz den Mindestabstand unterschreiten.
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