Chemiewerk in Marl gibt Fachkräften aus Haltern bis heute Lohn und Brot

mlzHistorisches Haltern

Tausende Menschen arbeiten im Chemiepark Marl. Seit seiner Gründung Ende der 1930er-Jahre ist dieser auch Arbeitgeber für viele Halterner (mit Bildergalerie).

Haltern

, 16.05.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wo heute graue Industriebauten das Bild beherrschen, gab es früher nur grüne Landschaft. Die Chemischen Werke Hüls GmbH wurden am 15. Mai 1938 in Marl gegründet und gehörten zur Kriegsvorbereitung, denn der zu produzierende künstliche Kautschuk (Buna) wurde für die Produktion von Autoreifen benötigt.

Zu 74 Prozent gehörte das neue Hülser Werk der I.G. Farbenindustrie AG, zu 26 Prozent der Bergwerksgesellschaft Hibernia AG. Der Standort war günstig gewählt, denn in der Nähe des Wesel-Datteln-Kanals lagen auch Kokereien und Hydrierwerke, die für die eigene Produktion wichtig waren.

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Die Geschichte des Chemieparks Marl

Das Chemiewerk in Marl, heute einer der größten Chemiestandorte in Europa, wurde 1938 auf der grünen Wiese errichtet. Die Geschichte ist auch mit dem Alltag vieler Halterner Familien verbunden, denn das Unternehmen ist ein bedeutender Arbeitgeber in der Region.
16.05.2020
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Überblick über einen Teil des Geländes 1939© Archiv Chemiepark Marl
Verladung der ersten Buna-Ballen 1940© Repro aus dem Buch "Chemie und Politik"Ve
Werkseingang 1941© Archiv Chemiepark Marl
Aufmarsch der SA-Mitglieder CWH© Repro aus dem Buch "Chemie und Politik"
Bombenschäden am Südtor© Repro aus dem Buch "Chemie und Politik"
Zwangsarbeiter-Einsatz 1943© Repro aus dem Buch "Chemie und Politik"
Ansicht 1946© Archiv Chemiepark Marl
Spedition und Kraftwerk 1955© Archiv Chemiepark Marl
Der Chemiepark in Marl ist über 90 Jahr alt.© Repro aus dem Buch "Chemie und Politik"
Der Chemiepark in Marl ist über 90 Jahr alt.© Repro aus dem Buch "Chemie und Politik"
Blick in eine Hauptwerkstatt© Archiv Silvia Wiethoff
Verwaltungsbauten und Forschungshaus 1966© Archiv Chemiepark Marl
Montage des Degussa Logos 2008© Archiv Chemiepark Marl
Tor 1 im Jahr 2015© Archiv Chemiepark Marl
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Arbeitskräfte aber fanden sich in der Umgebung zunächst nicht in ausreichender Zahl. „Das Leitungspersonal stammte bis zur Meisterebene aus anderen Werken der I.G. Farbenindustrie AG, die Arbeiter wurden zunächst aus dem Münsterland rekrutiert, ab 1941 auch Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion. Polen, der Slowakei, Italien, Frankreich, Belgien und den Niederlanden.“

Zwangsarbeiter mussten im Krieg auf dem Werk schuften

Das dunkelste Kapitel der Firmengeschichte wurde gleich in den Anfangsjahren geschrieben. Die Chronik der Chemischen Werke berichtet unter anderem darüber, dass französische Zwangsarbeiter am Halterner Stausee in einem ehemaligen Hotel untergebracht waren. „Sowohl bei deutschen wie auch bei ausländischen Arbeitern wurden Zwangsmaßnahmen angewandt, wenn die Führung den Eindruck hatte, dass die Arbeitsdisziplin nachließ“, ist zu lesen.

Für das Jahr 1944 ist ein Arbeitszuchtlager überliefert, das der Geheimen Staatspolizei unterstand.

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Ab 1941 war das Marler Werk alliierten Bombenangriffen ausgesetzt. Bei einem der schwersten kamen im Sommer 1943 zahlreiche Menschen ums Leben. Zeitzeugen erinnern sich daran, dass das Werksgelände zum Schutz vernebelt wurde und die Fenster mit schwarzer Farbe versehen waren.

Nach dem Krieg begann der Wiederaufbau

Im März 1945 besetzten amerikanische Truppen das Werk und stellten den Betrieb unter eine Sonderverwaltung. Anschließend erfolgte die Umstellung auf neue Produkte wie Wasch- und Reinigungsmittel sowie Farbstoffe und Lösemittel.

Nach dem Krieg wird das Hülser Werk ein wichtiger Arbeitgeber auch für Fachkräfte aus Haltern und blieb es bis heute. Ab 1953 wurde unter dem neuen Namen Chemische Werke Hüls AG ein Standort der Grundstoffchemie in Marl geformt. Die Kunststoffe Polyethylen und Polypropylen spielten dabei eine große Rolle.

Einer der größten Chemiestandorte in Europa

Nach weiteren Umstrukturierungen beginnt als Chemiepark Marl ab 1998 eine neue Ära. Die Umstrukturierungswelle in der Chemieindustrie wirkt sich auch auf den Marler Standort aus, der heute Teil der Evonik Industries AG ist. Heute ist der Chemiepark einer der größten Chemiestandorte in Europa. Auf rund sechs Quadratkilometern arbeiten rund 10.000 Menschen.

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