Helene Schiffer macht ein Auslandsjahr in Kanada - trotz Corona. © Privat
Auslandsjahr

Corona-Quarantäne in Kanada: Holpriger Start für Halterner Schülerin

Zuerst war nur eine Sprachreise geplant - doch dann wurde daraus ein größeres Projekt für Helene Schiffer. Der Weg ins Auslandsjahr nach Kanada war für die Halterner Schülerin nicht ohne Tücken.

Eigentlich wollte Helene Schiffer (15) nur eine zwei- bis dreiwöchige Sprachreise in den Sommerferien antreten. Schließlich wurde aus der Idee der Sprachreise mehr. Bei einer Jugendbildungsmesse wollte sie sich zu ihrem Vorhaben informieren, die Organisationen dort rieten ihr aber zu einem Auslandsjahr. Also wurde aus ein paar Wochen ein Jahr: Zu Zeiten des Coronavirus ist so ein Auslandsjahr – die Schülerin macht ihres in Kanada – aber gar nicht so leicht.

Was sie an Kanada gereizt hat? „Ich wollte gerne Französisch und Englisch lernen“, sagt sie. Zwei moderne Sprachen, mit denen sie später in der Welt auch etwas anfangen kann.

Seit dem 10. November lebt Helene Schiffer nun in Québec, einer frankophonen Stadt in Nordamerika. Also einer Stadt, in der vorrangig Französisch gesprochen wird. Um ihr Englisch nicht zu vernachlässigen, geht sie dort auf eine englischsprachige Highschool. So lässt es sich leicht verbinden, beide Sprachen gleichzeitig zu lernen.

Bevor Helene Schiffer in Kanada landete, brachte sie eine wahre Odyssee hinter sich: 24 Tage hintereinander – mit einer kurzen Unterbrechung – war sie in Quarantäne. Eigentlich sollte sie bereits am 6. November nach Kanada fliegen. Doch ihre Lehrerin infizierte sich kurz vor der Reise mit dem Coronavirus – die ganze Klasse musste in Quarantäne.

Helene Schiffer machte eine „gruselige“ Erfahrung

Zehn Tage weilte sie dort in Deutschland. Quarantäne-Koller kam bei ihr aber nicht auf. „In der Zeit hatte ich so viel zu erledigen“, sagt sie. Die Reisevorbereitungen mussten schließlich getroffen werden, die Aufregung über die bevorstehenden Erfahrungen tat ihr übriges.

Als sie schließlich nach Kanada reiste, war das für die 15-jährige Schülerin des Joseph-König-Gymnasiums eine spannende, aber auch „gruselige“ Erfahrung. Aufgrund der Corona-Pandemie war das Flugzeug fast menschenleer.

In der Boeing 777 saßen laut ihrer Angabe lediglich 30 Menschen. „Ich hatte ein ganzes Abteil fast für mich alleine.“ Eine positive Sache hatte das leere Flugzeug dann aber doch: Der Zoll in Kanada hatte genügend Zeit für sie, um ihr zu helfen. „Die Einreise war recht kompliziert“, sagt sie.

Quarantäne-Zeit im Keller der Gasteltern

Bei ihrer Gastfamilie in Québec angekommen, endete die Quarantäne-Zeit – lediglich von der Reise unterbrochen – aber nicht. Nur im Keller durfte sie sich aufhalten. Gastvater und -mutter sowie ihre beiden Gastbrüder konnte sie nicht richtig kennenlernen.

In einem fremden Haus, fremden Land, bei einer fremden Familie: „Das war eine schwierige Situation“, sagt Helene Schiffer. Ihrer Gastfamilie macht die 15-Jährige ein großes Kompliment. „Sie haben sich trotz allem super um mich gekümmert.“

Mithilfe kleiner Spiele machten sie sich untereinander bekannt. „Auf Distanz haben wir dann so Spiele wie ‚Wer bin ich‘ gespielt“, sagt Helene Schiffer. Auch ihre Betreuerin vor Ort habe sich oft gemeldet und ihr so die ersten Tage im neuen Land vereinfacht.

Wenn die Eltern und ihre zwei Gastbrüder (5 und 7 Jahre alt) nicht da waren, durfte sie aber nach oben und das Haus kennenlernen. Im Garten konnte sie regelmäßig während ihrer Quarantäne-Zeit in Quebec frische Luft tanken. Versorgen konnte sie sich selbst. „Im Keller steht ein kleiner Kühlschrank.“ Die großen Mahlzeiten bereitete ihre Gastmutter zu und stellte sie vor die Tür.

Die ersten Eindrücke ihrer Gastfamilie sind durchweg positiv. Was sie freut, ist, dass sie von einer sehr aktiven Familie aufgenommen wurde. „Die machen alle super viel draußen“, sagt Helene Schiffer. „Ich hatte insgesamt viel Glück.“

„Das kam total überraschend“

Viel Glück hatte sie auch, dass es überhaupt geklappt hat, in Zeiten des Coronavirus ein Austauschjahr machen zu können. Ihre Studienerlaubnis ließ aufgrund der Pandemie auf sich warten.

Eigentlich sollte es bereits im August über den Atlantik gehen, erzählt ihre Mutter Nicolle Schiffer. Damit gerechnet, dass ihre Tochter noch in diesem Jahr nach Kanada fliegen werde, hatte sie nicht mehr. „Das kam total überraschend“, sagt sie.

Wenig Erwartungen, umso mehr Vorfreude

Helene Schiffer wird ihre Mutter vermissen, das weiß sie schon, erzählt sie im Gespräch mit der Halterner Zeitung, auch ihre restliche Familie und ihre Freunde. „Während der letzten Tage haben wir aber viel telefoniert“, sagt sie.

Jetzt freut sie sich auf die neuen Erfahrungen, die sie in Kanada sammeln kann. Mit großen Erwartungen geht sie nicht auf ihr Auslandsjahr zu: „Sonst wird man enttäuscht.“ Dafür voller Vorfreude. Auf dem Laufenden hält sie ihre Eltern und ihre Freunde zudem auf einem persönlichen Blog. Der ist aber nur für ihre engsten Bekannten.

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Niklas Berkel

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