Monika und Matthais Pfeiffer, hier mit Sohn Markus, müssen derzeit mit vielen Unwägbarkeiten zurechtkommen. © Silvia Wiethoff
Schärfere Bestimmungen

Corona-Regeln: Einzelhandel und Gastronomie befürchten dramatische Folgen

Mit Kritik und einem Appell an die Bevölkerung haben Vertreter von Halterner Gastronomie und Einzelhandel auf die verschärften Bestimmungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie reagiert.

Der Teil-Lockdown wird mit der Schließung unter anderem von Restaurants, Theatern, Fitnessstudios und Freizeiteinrichtungen bis zum 20. Dezember verlängert. Das hatten Bund und Länder am Mittwochabend beschlossen. Und damit die ursprünglich zum 1. Dezember in Aussicht gestellte Lockerung kurzfristig wieder gestrichen. Darauf müssen die Betriebe – ebenfalls kurzfristig – reagieren.

„Wir hängen total in der Luft“, sagt Matthias Pfeiffer, Inhaber des Hotels und Restaurants Pfeiffer‘s Sythener Flora. Es sei derzeit eine „mehr als unbefriedigende Situation“. Die Gastronomie brauche dringend eine verlässliche Aussage der Regierung und damit verbunden eben auch eine Perspektive. Die Gastronomie-Branche gehe inzwischen davon aus, dass 30 Prozent der Betriebe im Januar nicht mehr öffnen werde. „Wir stehen mit dem Rücken zur Wand“, erklärt Pfeiffer.

Zu viele Unwägbarkeiten

Es gebe aktuell zu viele Unwägbarkeiten. Zunächst sei es wichtig, dass spätestens in acht bis 14 Tagen eine endgültige Entscheidung getroffen werde, wie es nach dem 20. Dezember weitergehen soll. „Wo sollen wir denn sonst so schnell die Produkte bekommen, die wir im Fall einer Lockerung wieder benötigen?“, fragt der Gastronom. Der Großhandel fahre längst auf Sparflamme. Für die Öffnung seines Restaurants sei im Vorfeld eine großes Maß an Organisation erforderlich.

Matthias Pfeiffer und Ehefrau Monika bieten einen Außer-Haus-Service an. Dieser werde ganz gut angenommen, „aber natürlich bleibt es bei harten Einschnitten“. Viele Gastronomen müssten auf ihre Rücklagen zurückgreifen.

Gastronom fehlt die Planungssicherheit

Matthias Pfeiffer ist auch enttäuscht von der Politik. Denn eine vorübergehende Öffnung der Gastronomie über Weihnachten und Silvester – für Januar ist schon wieder von härteren Bestimmungen die Rede – verunsichere die Gäste doch nur. Über Silvester ist die Sythener Flora bereits ausgebucht. „Aber woher kann ich wissen, ob die Gäste angesichts der Sorge vor einer Ansteckung überhaupt hier erscheinen?“ Planungssicherheit? Die hat der Gastronom schon seit März dieses Jahres nicht mehr.

Peter Heckmann findet, es sei angesichts der großen Belastung durch Corona an der Zeit, dass Handel und Stadt ein gemeinsames Konzept für die Zukunft der Halterner Innenstadt entwickeln.
Peter Heckmann findet, es sei angesichts der großen Belastung durch Corona an der Zeit, dass Handel und Stadt ein gemeinsames Konzept für die Zukunft der Halterner Innenstadt entwickeln. © Jürgen Wolter © Jürgen Wolter

Die Bundesregierung hat sich auch darauf geeinigt, bis zu einer 800 Quadratmeter großen Verkaufsfläche die derzeit geltende Zehn-Quadratmeter-Regelung pro Person bestehen zu lassen. Für die Quadratmeter darüber hinaus aber schreibt sie jeweils 20 Quadratmeter pro Person vor. Das Modehaus Heckmann an der Rekumer Straße verkauft Damen- und Herrenbekleidung auf 1300 Quadratmetern. 60 Kunden dürften nach der neuen Regelung gleichzeitig ins Geschäft.

„Ich wäre froh, wenn die Frequenz in der Innenstadt das hergeben würde. Und ich wäre dankbar, wenn ich an der Tür jemanden zum Zählen abstellen könnte“, sagt Geschäftsführer Peter Heckmann. Seitdem die Gastronomie geschlossen habe, sei Vielen der Spaß am Bummeln vergangen. Die Innenstadt ist viel leerer als sonst, beobachtet nicht er allein.

„Auf Dauer ein schleichendes Sterben“

Peter Heckmann beschreibt das Problem so: „Eine attraktive Innenstadt gleicht einem Herzen mit zwei Klappen: Gastronomie und Einzelhandel. Wenn eine ausfällt, kann die andere allein die Arbeit nicht stemmen.“ Der Einzelhandel kämpfe unter Volllast, aber Heckmann fürchte auf Dauer ein schleichendes Sterben.

Vorausschauend einkaufen: Edeka Bleise ruft zu „positiven Hamsterkäufen“ auf.
Vorausschauend einkaufen: Edeka Bleise ruft zu „positiven Hamsterkäufen“ auf. © Jürgen Wolter © Jürgen Wolter

Wenn Handel und Politik nicht jetzt über ein Konzept nachdächten, dann werde das dramatische Folgen für Halterns Innenstadt haben. Grundsätzlich sei er ein positiv denkender Mensch, sagt Peter Heckmann. Deshalb werde er sich auch jetzt den neuen Gegebenheiten stellen.

„Positive Hamsterkäufe“ tätigen

Die Supermärkte befürchten Komplikationen aufgrund der neuen 20-Quadratmeter-Regelung. Hans-Jürgen Bleise vom Edeka-Markt Bleise befürchtet besonders vor den Weihnachtsfeiertagen lange Schlangen vor den Märkten. Zu den Stoßzeiten kämen bei Edeka Bleise bis zu 180 Kunden, aufgrund der neuen Regelung dürften allerdings nur ungefähr 100 Kunden in den Markt.

„Wir bitten daher alle Bürger, ‚positive Hamsterkäufe‘ zu tätigen‘“, sagt Bleise. Damit sei nicht das Hamstern von unnötig viel Toilettenpapier gemeint. Aber haltbare Lebensmittel, die man beispielsweise für Weihnachten brauche, könnten die Bürger bereits besorgen.

Kunden müssen sich keine Sorgen machen

„Wir wollen den Andrang entzerren, um Stresssituationen zu vermeiden“, sagt Bleise. Auch bittet er die Kunden, nicht zu den sonst üblichen Einkaufszeiten ihre Besorgungen zu erledigen oder gar mit der ganzen Familie zu kommen.

Die Halterner seien zwar ein ruhiges Volk, doch in Stresssituationen könne jeder in einer langen Schlange vor dem Supermarkt die Contenance verlieren. „Wir wollen ein Stück weit unsere Mitarbeiter vor unnötigem Ärger schützen.“ Sich sorgen machen, dass die Regale dann leer seien, müsse sich kein Kunde. „Wir werden uns mit ausreichend Ware versorgen.“

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