Dr. Björn Hollensteiner ist Allgemeinmediziner in Haltern. © Jüregen Wolter
Corona-Schnelltest

Corona-Schnelltests in Haltern vor Weihnachten teils stark gefragt

Viele Hausärzte und Apotheker in NRW beklagen die zahlreichen Wünsche von Patienten nach anlasslosen Corona-Schnelltests vor Weihnachten. Auch in Haltern fragen Patienten nach dem Test.

Viele Patienten in den nordrhein-westfälischen Hausarztpraxen fordern derzeit oft anlasslos Testungen ein, teilt der Hausärzteverband jetzt mit. Das verbrenne aber unnötig Ressourcen. In Haltern sieht die Situation derzeit weitgehend entspannt aus. Interessiert an dem Antigen-Schnelltest sind die Bürger der Seestadt aber auch.

Es gebe natürlich täglich Anfragen von Patienten, anlasslose Testungen durchzuführen, sagt Dr. Björn Hollensteiner. „Doch das hält sich so in Grenzen, dass wir aktuell keinen Anlass sehen, solche Testungen zu beschränken“, sagt er. Grundsätzlich bleiben die Halterner nach Aussage des Facharztes für Allgemeinmedizin „gelassen“.

Bei breitem Einsatz könnten Engpässe entstehen

Engpässe bei der Bestellung der Schnelltest-Kits sieht Björn Hollensteiner derzeit nicht. In den Halterner Praxen, die diese Tests bereits anböten, seien aktuell genug Testkits verfügbar. Von einer generellen Durchführung von Schnelltests vor dem weihnachtlichen Familientreffen rät der Hausarzt aber dringend ab. „Für einen solch breiten Einsatz wären ganz sicher nicht genug Testkits in Deutschland verfügbar, beziehungsweise die vorhandenen Kits rasch verbraucht.“

So sieht ein Antigen-Schnelltest aus.
So sieht ein Antigen-Schnelltest aus. © Jürgen Wolter © Jürgen Wolter

Wie der Mediziner weiter erklärt, weise ein Schnelltest eine nur geringfügig schlechtere Aussagekraft als der PCR-Abstrich auf. Er gebe Patienten mit Symptomen Sicherheit, dass sie nicht vielleicht doch an Covid-19 erkrankt sind. Die Kosten der Antigen-Schnelltests auf Wunsch belaufen sich nach seinen Angaben auf etwa 35 Euro. Demgegenüber zahle der Patient für den PCR-Abstrich auf Wunsch Laborkosten in Höhe von mindestens 60 Euro.

Wann ist ein Wunsch-Schnelltest sinnvoll?

Eine Wunsch-Schnelltestung kann nur in solchen Fällen sinnvoll sein, bei denen Familienmitglieder aufgrund von Vorerkrankungen Teil der Hochrisikogruppe für eine schwerere COVID-19-Erkrankung sind. Hier liegt im Grunde eine ähnliche Testindikation vor, wie vor dem Besuch von Bewohnern in einer Pflegeeinrichtung. In allen anderen Fällen sollte von prophylaktischen Testungen abgesehen werden.

Bei den Apothekern in Haltern zeigt sich ein durchwachsenes Bild. Von einer bisher eher geringen Nachfrage berichtet Dr. Hannes Müller von der Römer Apotheke. „Es gibt Nachfragen, aber das hält sich in Grenzen“, sagt er. „Wir Apotheker dürfen diese Tests auch nicht an Privatpersonen abgeben“, stellt Müller fest. Ausnahmen seien beispielsweise Pflegedienste, deren Belegschaft getestet werden soll. „Dazu gibt es eine aktuelle Gesetzesänderung“, so Hannes Müller.

Wachsende Nachfrage festgestellt

Klaus Dewies von der Hirschapotheke hat dagegen bereits eine erhöhte Nachfrage nach Schnelltests festgestellt. Er würde grundsätzlich befürworten, wenn dieser Schnelltest auch an Privatpersonen abgegeben werden dürfte. „Wenn man vor dem Weihnachtsbesuch bei den Eltern die Möglichkeit hätte, sich selbst zu testen, dann könnte man diesen Besuche entspannter planen, oder im Fall eines positiven Ergebnisses ausfallen lassen.“

Auch Juliane Stark-Kreul, Sprecherin der Apotheken im Kreis Recklinghausen, sieht eine wachsende Nachfrage nach Schnelltests, verweist aber an die Hausärzte, die diese Tests durchführen wollen und auch dürfen. „Es gibt in der Tat Familien, die den Test machen lassen wollen, um sicher zu gehen, dass beim weihnachtlichen Familientreffen niemand aktuell infiziert ist.“ Zuständig sei dafür bei Privatpersonen der Hausarzt. In Apothekerverbänden und der Politik werde auch die Frage diskutiert, ob eventuell in Apotheken Schnelltests an Patienten durchgeführt werden können, die keine Symptome zeigen und sich nur zur Sicherheit testen lassen wollen.

Einschränkungen bei Kostenübernahme durch die Kassen

Dr. Björn Hollensteiner weist auf die Ende Oktober in Kraft getretenen Änderungen der nationalen Teststrategie hin, die die Übernahme der Testungskosten durch die Kassen einschränke. Viel öfter komme es inzwischen vor, dass Menschen einen Test nachfragen, bei denen die Hausarztpraxen noch im September und Oktober regulär auf Kosten der Kasse hätten testen können, es nun aber nicht mehr dürften. Hollensteiner: „Ein klassisches Beispiel sind Menschen mit Erkältungssymptomen, aber ohne Hinweis auf eine schwerere Lungenbeteiligung.“ Hier zahlten die Kassen inzwischen nicht mehr. Dennoch biete sich der Schnelltest in solchen Fällen als Alternative zum wesentlich kostspieligeren PCR-Abstrich auf Wunsch an, der ebenfalls nicht von den Krankenkassen übernommen werde.

Ihre Autoren
Redaktion Haltern
Geboren in Dülmen, Journalistin, seit 1992 im Medienhaus Lensing - von Münster (Münstersche Zeitung) über Dortmund (Mantelredaktion Ruhr Nachrichten) nach Haltern am See. Diplom-Pädagogin und überzeugte Münsterländerin. Begeistert sich für die Menschen und das Geschehen vor Ort.
Zur Autorenseite
Ingrid Wielens
Redaktion Haltern
Studium der Germanistik, Publizistik und Philosophie an der Ruhr Universität Bochum. Freie Autorentätigkeit für Buchverlage. Freier Journalist im nördlichen Ruhrgebiet für mehrere Zeitungshäuser. „Menschen und ihre Geschichten faszinieren mich nach wie vor. Sie aufzuschreiben und öffentlich zugänglich zu machen, ist und bleibt meine Leidenschaft.“
Zur Autorenseite
Jürgen Wolter

Ahaus, Heek und Legden am Abend

Täglich um 18:30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt