Coronavirus verhilft einem Sythener zu seinem Liebesglück

mlzCoronavirus

Eigentlich waren Frederik Eisenhawer und seiner Freundin Ruby Alvarez Ali aus Bolivien nur zwei gemeinsame Monate in Deutschland vergönnt. Doch das Coronavirus änderte ihre Pläne.

Sythen

, 25.04.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Geschichte, die Frederik Eisenhawer (23) erzählt, erinnert an einen Liebesfilm. Vor etwas mehr als einem Jahr lernte er bei einem Aufenthalt in Bolivien die damals 18-jährige Ruby Alvarez Ali kennen. Er sei damals ein wenig tollpatschig gewesen an jenem 18. Februar 2019, erinnert sich Frederik Eisenhawer. „Ich bin in Ruby reingerannt“, sagt er. Auf Englisch habe er sich dann entschuldigt, doch „das spricht da kaum einer“.

Unterhaltungen auf drei Sprachen und mit dem Google-Übersetzer

Sein Glück war allerdings, dass sein Gegenüber gerade mitten in den ersten Monaten eines Englisch-Studiums steckte und ihn so verstand. „Ich weiß nicht mehr wie, aber wir sind dann ins Gespräch gekommen.“ Beide hätten sofort eine gewisse Sympathie für den jeweils anderen gehabt. „Es hat von Anfang an gefunkt“, sagt der 23-Jährige, der in Aachen lebt, aber fast jedes Wochenende bei seiner Familie in Sythen ist.

Auch die Sprachbarriere hielt die beiden nicht davon ab, sich besser kennenzulernen. Er konnte kein Spanisch, sie nur wenig Englisch. „Wir haben uns hauptsächlich mit dem Google-Übersetzer unterhalten“, erzählt Eisenhawer. Mittlerweile lerne sie aber die ersten Worte Deutsch, er könne Spanisch nun schon einigermaßen gut verstehen. Die meiste Zeit ist Englisch aber weiter ihre hauptsächlich genutzte Sprache.

Jetzt lesen

Nur eine Woche hatten die beiden, um sich kennenzulernen. Dann musste Frederik Eisenhawer zurück nach Deutschland. Der Kontakt bracht aber nicht ab, sondern wurde noch intensiviert. Nur eben nicht von Angesicht zu Angesicht, sondern über Whatsapp-Nachrichten, Telefonate und Videoanrufe. „Dabei haben wir immer mehr gemerkt, dass wir die gleichen Interessen und Vorstellungen haben“, sagt der Vermögensberater.

Visum ist ausgelaufen, aber ein Rückflug ist nicht möglich

Schon in Bolivien waren die beiden sich einig, dass sie sich aber auch persönlich wieder sehen werden. „Das hat jetzt endlich geklappt“, freut sich Eisenhawer. Auf ihr Wiedersehen mussten die beiden allerdings noch länger als geplant warten. Denn erst sollte Ruby Alvarez Ali zu Weihnachten nach Deutschland kommen. Daraus wurde jedoch nichts. Erst fast zwei Monate später, am 13. Februar, landete sie am Amsterdamer Flughafen, wo Frederik Eisenhawer bereits auf sie wartete.

„Das war ein unglaublicher Moment nach so einer langen Zeit“, erzählt der 23-Jährige, der sie dort mit einem Strauß Rosen erwartete. Als er sie endlich persönlich wieder sah, war es für ihn ein ganz besonderer Moment. Seine Freundin sei auch direkt vor Freude in Tränen ausgebrochen.

Geplant war, dass die beiden im April dann gemeinsam nach Bolivien reisen. Doch das Coronavirus verhinderte ihre Pläne. Für die beiden in gewisser Weise ein Glücksfall, da sie gerne weiter ihre gemeinsame Zeit hier in Deutschland verbringen wollten. „Corona hat uns da jetzt ein wenig geholfen“, sagt Eisenhawer. Eigentlich hätte Ruby Alvarez Ali nach zwei Monaten das Land wieder verlassen müssen, da ihr Visum nur so lange gültig war.

„Wir wollten das Visum natürlich verlängern“, erklärt Frederik Eisenhawer. Doch bei den zuständigen Behörden seien sich alle nicht sicher gewesen, wie mit der Situation umgegangen werden muss. Ein Rückflug ist für die 19-jährige Bolivianerin aktuell aber ohnehin nicht möglich. „Das ist echt klasse, dass sie jetzt erst mal hier bleiben kann“, freut sich der 23-Jährige.

Der Antrag wurde spontan vorgezogen

Und die beiden wollen auch in Zukunft weiter hier in Deutschland leben. Ein erster Schritt für eine gemeinsame Zukunft ist bereits getan: Die beiden haben sich verlobt. Allerdings nicht so wie Frederik Eisenhawer es sich ursprünglich vorgestellt hatte. „Der Antrag war für unsere Zeit in Bolivien geplant“, sagt er. Doch er entschied sich am 20. Februar spontan, seine Pläne über den Haufen zu werfen.

Es sei „ein ganz interessanter Abend“ in seiner Wohnung in Aachen gewesen. „Wir hatten eine ernste Unterhaltung über unsere Zukunft“, erzählt er. Das Hauptthema: Wie eine gemeinsame Zukunft der beiden aussehen könnte und ob sie überhaupt möglich wäre. Denn für Ruby Alvarez Ali wäre ein Umzug von Bolivien nach Deutschland ein ziemlich großer Schritt.

Nur eine Woche nach der Ankunft von Ruby Alvarez Ali hat Frederik Eisenhawer ihr einen Antrag gemacht.

Nur eine Woche nach der Ankunft von Ruby Alvarez Ali hat Frederik Eisenhawer ihr einen Antrag gemacht. © Privat

„Sie hat dann gefragt, was ich so für Pläne für sie hätte“, erklärt Eisenhawer. Seine Reaktion war eindeutig. Er verließ kurz den Raum und holte den Ring, den er bereits gekauft hatte. „Ich konnte den Ring kaum halten, so zittrig waren meine Hände.“ Er sei dann mit den Worten „Eigentlich wollte ich das jetzt noch nicht tun, aber ich mache es jetzt trotzdem“ zu seiner Noch-Freundin gegangen, um ihr einen Antrag zu machen.

Die zögerte nicht lange. „Ja, natürlich will ich“, war die schnelle Antwort. Die Hochzeitsplanungen stehen wegen der Corona-Pandemie aktuell aber erst mal komplett still. Sollte Ruby Alvarez Ali weiterhin in Deutschland bleiben dürfen, dann würden die beiden am liebsten schon in den nächsten Monaten heiraten. Erst mal müssen sie nun aber abwarten.

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt