Ob in Sythen oder anderswo in Haltern: Wohnraum ist knapp und heiß begehrt. © www.blossey.eu
Seniorengerechtes Wohnen

Das Eigenheim aufgeben und umziehen ist in Haltern nicht einfach

Im Alter wird es oft schwer, ein großes Haus zu bewirtschaften. Die Kinder sind ausgezogen, die Pflichten bleiben. Ein Halterner Paar sucht nach Alternativen. Doch die sind in der Seestadt rar.

Wohnraum ist knapp in Haltern – die Wartelisten für städtische Grundstücke sind lang, die Grundstückspreise insgesamt hoch.

Neulich berichtete die Halterner Zeitung über eine Bottroper Familie, die gerne nach Sythen in ein Eigenheim umziehen möchte, aber bereits seit drei Jahren vergeblich sucht.

Im Gegenzug gibt es Menschen, die ein Eigenheim haben, das sie gerne verkaufen würden, aber keine Alternative haben.

Denn das Problem ist dasselbe, was viele haben: Bezahlbaren neuen Wohnraum zu finden, der im besten Fall auch noch barrierefrei ist. Aus dem gewohnten Umfeld oder der Stadt wegzugehen, das wollen die wenigsten. Jürgen Chmielek, Vorsitzender des Seniorenbeirates, kennt so einen Fall. Mehr als 50 Jahre leben zwei Senioren schon in Haltern, haben ein Haus gebaut, ihre Kinder darin großgezogen. „Die Kinder sind schon viele Jahre aus dem Haus, haben selber Eigentum. Das Interesse, unser Haus zu übernehmen ist nicht sehr groß. Selbst unsere Enkel leben und arbeiten nicht in Haltern und werden kaum hier hinziehen wollen.“

So wie dem Halterner Paar geht es vielen Menschen. Laut Zensus 2011 lebten vor zehn Jahren 37.315 Menschen in Haltern. Davon waren knapp 10.000 über 60 Jahre alt. Mehr als 3500 sogar 75 Jahre und älter. Gemäß des demografischen Wandels wird sich die Zahl in den letzten zehn Jahren noch erhöht haben.

Angst vor Ansturm möglicher Interessenten

Das Halterner Paar will anonym bleiben, zu groß ist die Sorge, dass nach einer Veröffentlichung ihr Telefon nicht mehr still steht und mögliche Interessenten für ihr Haus ihnen die Tür einrennen. Jürgen Chmielek: „Sie fühlen sich noch fit genug für einen Umzug, wenn sie denn eine seniorengerechte, heißt auch, barrierefreie Wohnung finden würden. Ins Altersheim wollen sie nicht. Aber, woher nehmen? Der Sohn der Familie hatte bereits im Internet nach geeigneten Wohnungen gesucht und ist bis heute noch nicht fündig geworden.“

„Meine Eltern gehören nicht zu den Besserverdienern, darum sollte eine solche Wohnung auch bezahlbar sein. Ob der Verkauf des Hauses, es ist halt schon in die Jahre gekommen, für einen Neukauf reicht, ist auch nicht klar“, berichtet der Sohn über die Situation. „Ich weiß aber auch, dass meine Eltern nicht die einzigen älteren Menschen sind, die über einen Umzug nachdenken. Das Haus ist mittlerweile auch viel zu groß geworden für die beiden.“

Zuletzt war in Haltern die Genossenschaft „Buntes Wohnen“ gescheitert, die ein städtisches Grundstück kaufen und darauf ein Mehrgenerationenhaus für 20 Parteien bauen wollte. Die benötigte Mehrheit für den Kauf kam im Rat nicht zustande. Die Initiatoren hatten vorher bereits im Ausschuss für Stadtentwicklung dargelegt, wie viele Häuser und große Wohnungen in Haltern frei gezogen würden, wenn das Mehrgenerationenhaus verwirklicht würde.

Über die Autorin
Redakteurin
Vor mehr als zwanzig Jahren über ein Praktikum zum Journalismus gekommen und geblieben. Seit über zehn Jahren bei Lensing Media, die meiste Zeit davon als Redakteurin in der Nachrichten- und Onlineredaktion in Dortmund. In Haltern seit September 2019.
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Ilka Bärwald

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