"Das könnte die dritte Bausünde werden"

Spiekergespräch mit Nordwall-Anwohnern

Weiterentwicklung ja, aber nicht in diesen Dimensionen: Das ist die Quintessenz aus dem gut besuchten Spiekergespräch der SPD mit Anwohnern des Quartiers Nordwall.

HALTERN

, 21.04.2016, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Diskutierten die Planungen (v.l.): Roberto Husmann, Clemens Oexmann, Beate Pliete, Heinrich Wiengarten.schrief

Diskutierten die Planungen (v.l.): Roberto Husmann, Clemens Oexmann, Beate Pliete, Heinrich Wiengarten.schrief

Nach der Vorstellung eines ersten Entwurfes am 5. April im Ausschuss Stadtentwicklung/Umwelt lud die SPD Dienstagabend ein, um die Meinungen der Betroffenen abzufragen. "Wir wollen Ihre Gedanken und Ideen in unsere Argumentation einfließen lassen", sagte Stadtverbandsvorsitzende Beate Pliete zum Hintergrund des Abends. Ihre Partei habe sich noch nicht positioniert. "Ich bin sicher, die Planung wird noch viel Zeit in Anspruch nehmen."

Vollsortimenter geplant

Fest steht, die Politik muss mit den Bürgern rechnen. "Wo ist der Bedarf für diese Planung?", fragte Hermann Löbbert von der Grabenstiege. Vor fünf Jahren sei die Stadt schon einmal am Widerstand der Bürger gescheitert. Damals sollte zwischen Nordwall und Grabenstiege ein Edeka-Markt angesiedelt werden. Jetzt sind neben einem Discounter ein Vollsortimenter mit 18000 Artikeln, weitere Läden, Dienstleister und Wohnbebauung auf einer Fläche von rund 15000 Quadratmetern im Quarré zwischen Rekumer Straße, Nordwall, Zum Mühlengraben und Grabenstiege geplant.

Kleinteilige Bebauung

"Warum hat die Verwaltung nicht aus dem Ergebnis von damals mit über 3000 gesammelten Unterschriften gelernt? Wir wünschen uns eine kleinteilige Wohnbebauung und brauchen keinen großen Lebensmittelmarkt", sagte Löbbert. Es sei im Übrigen unrealistisch, dass Innenstadt-Besucher einen Lebensmitteleinkauf mit einem Modebummel verbinden.

Doris Niehüser sieht das genauso: "Die Geschäftsleute versprechen sich eine Belebung. Das Gegenteil wird eintreten." Sie fürchtet eher einen Verdrängungswettbewerb. Christiane Anders ist der Ansicht, das Projekt passe nicht zu Haltern. "Wir laufen Gefahr, nach Muttergottesstiege und Marienhof die dritte Bausünde zu begehen."

Neuer Parkplatz

Sorgen machen sich Anwohner des Nordwalls wegen zu erwartender steigender Verkehrsströme durch einen neuen Parkplatz mit 157 Boxen. Schon jetzt zeichne sich ein Kollaps ab. Dass ein Teil der idyllischen Gärten an der Grabenstiege für eine Flächenversiegelung aufgegeben werden soll, stieß generell auf Ablehnung. Es sei zwar unrealistisch, dass alle Gärten auf Dauer blieben, aber der jetzige Entwurf passe nicht in ein sensibles Städtchen wie Haltern, so Christiane Anders. "Wir sind einer Entwicklung gegenüber durchaus aufgeschlossen, aber dieser Entwurf nimmt der Stadt einen großen Teil ihrer Attraktivität", findet Ruth Latzel.

Andere Standorte

Für Beate Pliete ist es unverständlich, dass keine anderen Standorte betrachtet wurden. Man müsse auch über Schüttenwall, Rochfordstraße und Kärntner Platz reden und könne dann immer noch über eine Machbarkeit diskutieren.

Die Verwaltung stützt sich bei der Planung auf das acht Jahre alte Gutachten eines Kölner Büros. Besucher des Spiekergesprächs bezweifelten, dass die Parameter daraus heute überhaupt noch stimmen. 

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