Als ihr Mann in den Krankenwagen gebracht wurde (hier ein Symbolbild), durfte sich Monika Buntrock dem Wagen nicht nähern. © picture alliance/dpa

„Das Schlimmste war, nicht Abschied nehmen zu können“

Zunächst hatte Monika Buntrock gehofft, dass er in drei Tagen wieder bei ihr ist. Als ihr Mann an den Folgen einer Corona-Erkrankung im Krankenhaus starb, konnte sie nicht mal Abschied nehmen.

Der Rückhalt ihrer Cousine bedeutet Monika Buntrock so viel, dass sie einen Brief an unsere Redaktion schreibt, um ihre Cousine als Corona-Heldin vorzuschlagen. „Ich wollte sie damit überraschen, weil sie mir und meinem Sohn in der letzten Zeit so sehr zur Seite gestanden hat“, sagt Monika Buntrock.

Es ist knapp drei Wochen vor seinem 83. Geburtstag, als bei ihrem Ehemann Corona-Symptome auftreten. Als der Rettungswagen kommt, um Günter Buntrock ins Krankenhaus zu bringen, müssen Monika Buntrock und Sohn Herbert (60), den die Halternerin zu Hause betreuen muss, aus der Ferne zuschauen.

Wegen des Infektionsschutzgesetzes darf sich die 77-Jährige dem Rettungswagen nicht nähern, geschweige denn mitfahren. Damit wird der Halternerin die Chance verwehrt, dem pensionierten Bergmann letzte aufmunternde Worte zu spenden. „Da habe ich aber auch noch gedacht, dass er in drei Tagen wieder zu Hause ist“, erzählt Monika Buntrock.

„Ich bin sehr unsicher mit allem gewesen“

Doch die fürchterliche Nachricht folgt kurz darauf: Günter Buntrock erliegt im November 2020 als erster Halterner den Folgen einer Corona-Erkrankung. „Das Schlimmste war, nicht Abschied nehmen zu können“, beklagt seine Ehefrau, die sich zum Zeitpunkt des Todes mit Sohn Herbert in häuslicher Quarantäne befindet – beide haben ebenfalls Corona.

Nun muss die 77-Jährige neben ihrer Trauer auch noch alle Familien-Angelegenheiten für sich und Herbert alleine bewältigen. „Ich bin sehr unsicher mit allem gewesen. Mein Mann hat sich sonst immer um die Papiere oder Handwerker gekümmert. Da hat meine Cousine Angelika angefangen, mir bei allem zu helfen“, erzählt Monika Buntrock.

Für Angelika, die nicht mit vollem Namen genannt werden möchte, ist die Hilfe selbstverständlich. „Ich bin kein Held und hätte meiner Cousine auch geholfen, wenn kein Corona gewesen wäre“, sagt die 69-Jährige.

„Mein Mann ist vor drei Jahren verstorben und deswegen wusste ich, wie ihr Auto umgeschrieben werden muss und habe sie dabei unterstützt und beraten“, erzählt die Cousine.

Während der Quarantäne geht Angelika außerdem regelmäßig mit Hund Axel spazieren und erstellt in Gedenken an Günter Buntrock ein Bilderalbum für ihre Cousine. Für Monika Buntrock steht fest: „Es hat mich zwar große Überwindung gekostet, mich an die Halterner Zeitung zu wenden, aber sie hat mir so sehr geholfen, das sollte erwähnt werden“.

Corona-Helden-Urkunde © Lensing Media © Lensing Media

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Ist passionierter und aktiver Sportler aus dem schönen Bergischen Land und seit 2011, ursprünglich wegen des Studiums, im Ruhrgebiet unterwegs. Liebt die Kommunikation mit Menschen im Allgemeinen und das Aufschreiben ihrer Geschichten im Speziellen.
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Janis Czymoch

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