Der Dorfladen Hullern läuft - trotz und auch wegen Corona

mlzDorfladen Hullern

Christian Bögge hat seinen Dorfladen Hullern bisher gut durch die Coronazeit manövriert. Der Zuspruch der Kunden ist sogar gewachsen.

Haltern

, 20.07.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war wie in allen Lebensmittelgeschäften: „Mehl, Toilettenpapier, Nudeln, das war nicht zu bekommen, auch bei uns nicht,“ sagt Christian Bögge. Zu Beginn der Coronakrise waren einige Artikel auch in seinem Hullerner Dorfladen nicht mehr im Angebot. Insgesamt hat die Krise dem Geschäft aber nicht geschadet. Eher das Gegenteil ist der Fall.

„Ich habe festgestellt, dass gerade in der akuten Phase mehr Kunden in den Laden kamen“, sagt Christian Bögge. Viele wollten offensichtlich lieber in dem kleinen überschaubaren Geschäft einkaufen als in den großen Supermärkten. „Und das Schöne ist: Die meisten sind geblieben“, freut sich der Ladeninhaber.

Sortiment wurde schrittweise angepasst

Im Oktober 2019 hatte Christian Bögge „Unser Dorfladen“ in Hullern eröffnet. Der ehemalige Bankkaufmann wollte etwas komplett anderes machen. Beliefert wird er vom Edeka Food-Service. „Mit den Fachleuten habe ich das Sortiment festgelegt“, sagt er. Aber inzwischen gibt es bereits einige Änderungen.

„Ich habe schnell gemerkt, dass Getränke nicht gut liefen“, sagt Christian Bögge. Die Nachfrage nach Käse, Wurst und Milchprodukten war dagegen größer. Also sortierte er einige Getränke aus und erweiterte das Lebensmittelangebot: „Anfangs hatte ich einen Kühlschrank für Käse, Wurst und Milch zusammen, jetzt habe ich drei getrennte dafür.“

Auch das Angebot an frischem Obst und Gemüse wurde erweitert. „Da nehme ich immer wieder mal Saisonales dazu, zurzeit zum Beispiel Wassermelonen“, so Christian Bögge. Auch frisches Brot und Brötchen der Bäckerei Wehren aus der Halterner Innenstadt hat er inzwischen ins Sortiment aufgenommen.

„Wir wollen, dass der Laden hier bleibt“

Die Kunden halten ihrem Dorfladen die Treue. „Einmalig“, findet eine ältere Kundin den Laden. „Ich gehe immer erst gucken, was es hier gibt, und kaufe dann den Rest in der Stadt“, sagt sie. „Schließlich will ich, dass der Laden hier bleibt.“ Und eine junge Mutter ergänzt: „Als wir hierher gezogen sind, habe ich immer gesagt, ‚Hier fehlt nur ein Laden.‘ Und jetzt ist er da. Hier kann ich mit meinem Sohn einkaufen gehen, er kann das Bezahlen üben und bald auch allein einkaufen gehen.“

Das machen inzwischen viele Kinder in Hullern. „Und wenn sie allein ihre Brötchen gekauft und bezahlt haben, dann sind sie stolz wie Bolle“, sagt Christian Bögge und schmunzelt. Anderen Kindern, die mit einem Einkaufszettel kommen, hilft er beim Einkauf. „Wir gehen dann zusammen durch die Regale und suchen alles aus“, sagt er.

Ein Plausch im Dorfladen

Der Dorfladen ist auch so etwas wie ein Hullerner Kommunikationszentrum geworden. Viele Kunden halten beim Einkauf ein Pläuschchen. „Und als sie in der Corona-Zeit teilweise draußen in der Schlange standen, wurden die neuesten Dorfnachrichten ausgetauscht“, so Christian Bögge.

Ihm kommt zugute, dass man ihn kennt im Dorf. Er ist selbst Hullerner, Mitglied im Schützen- und Sportverein. „Dadurch habe ich es sicher leichter gehabt“, sagt er. „Man kennt mich hier. Ich weiß nicht, ob ein Außenstehender so schnell das Vertrauen gewonnen hätte.“

Seinen Schritt in die Selbstständigkeit hat er nicht bereut. „Ich bin abends eher zu Hause, kann meine Kinder abends und auch in der Mittagspause sehen, das alles hatte ich vorher nicht“, sagt Christian Bögge. „Ich habe alles richtig gemacht.“

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