Der Klang der Vergangenheit auf Tonband

Opernsängerin

Das Lambertusstift hat einen berühmten Gast im Haus: eine Opernsängerin, die in großen Häusern Europas aufgetreten ist. Damit sie, die im Alter von 86 Jahren an Demenz leidet und pflegebedürftig ist, ihre Arien noch einmal hören kann, hatte das Haus jetzt eine rührende Idee.

LIPPRAMSDORF

, 20.12.2016, 05:46 Uhr / Lesedauer: 1 min
Elke Terwort (Betreuung), Wilfried Kersting (Geschäftsführer, mit Antonia) und Angelika Vogt freuen sich über das alte Tonbandgerät, das Jörg Haase reparierte und mit Museumsleiterin Sabine Oetzel ins Seniorenwohnhaus brachte.

Elke Terwort (Betreuung), Wilfried Kersting (Geschäftsführer, mit Antonia) und Angelika Vogt freuen sich über das alte Tonbandgerät, das Jörg Haase reparierte und mit Museumsleiterin Sabine Oetzel ins Seniorenwohnhaus brachte.

Aus dem reichen Fundus des Museums „Strom und Leben“ suchte sie ein Tonbandgerät aus den 60er-Jahren aus, das Jörg Haase vom Reparatur-Café Castrop-Rauxel überarbeitete und voll funktionsfähig machte. Beide übergaben das Gerät jetzt an die Betreuerinnen Elke Terwort und Angelika Vogt sowie Wilfried Kersting, Geschäftsführer des Altenwohnhauses.

„Nun kann unsere Sängerin wieder in die Vergangenheit eintauchen und die von ihr gesungenen Arien hören.“ Auf Wunsch der Angehörigen soll weder der Name der Seniorin genannt, noch soll ein Foto von ihr veröffentlicht werden. „Sie war eine bildhübsche Diva und ein gefragter Opernstar“, erzählt Angelika Vogt. Sie sang als Sopranistin die Sophie im „Rosenkavalier“ und stand in renommierten Häusern auf der Bühne. „Als wir erfuhren, dass von diesen Auftritten noch Tonbänder existieren, kam uns bei einem Ausflug ins Umspannwerk Recklinghausen der Gedanke, nach einem Gerät zu fragen“, so Vogt.

Eine Luxus-Ausführung

Sabine Oetzel musste erst schauen: „Wir haben zwar einige Tonbandgeräte, aber nicht alle sind noch tauglich.“ Schließlich fand sie ein Schätzchen, wie Jörg Haase schwärmt. Ein „Royal de Luxe“ der Münchener Firma Uher, gebaut zwischen 1962 und 1964. „Es hat einen sehr guten Klang. Damals kostete das Gerät 1200 DM, so viel wie das Monatsgehalt eines Ingenieurs“, so Jörg Haase, dem die Aufarbeitung sehr viel Spaß gemacht hat. Für einen Normalverdiener sei ein solches Tonbandgerät unerreichbar gewesen. Heute ist es noch etwa 300 bis 400 Euro wert.

Als Leihgabe steht es für die nächsten drei Jahre im Lambertusstift. Die ehemalige Opernsängerin kann nun die von ihr gesungenen Arien hören und wird sich, davon ist Angelika Vogt fest überzeugt, daran erfreuen. Denn das Langzeitgedächtnis der 86-Jährigen funktioniert noch wunderbar. Im Rosenkavalier heißt es: „Ist ein Traum, kann nicht wirklich sein.“ Ist es doch, weil fürsorgende Menschen echte Kavaliere waren.

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