Das Coronavirus unterbrach die Lieferkette der Firma Priebs in Haltern nur kurz

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Das Coronavirus beeinflusst den Handel weltweit. Die Halterner Firma Priebs lässt Forststiefel in China fertigen. Die Lieferkette funktioniert nach kurzer Unterbrechung wieder einwandfrei.

Haltern

, 15.02.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Unter dem Markennamen Lupriflex entwickelt und vertreibt das Unternehmen L. Priebs GmbH & Co.KG in Haltern Sicherheitsschuhe. An der August-Stieren-Straße befindet sich die Denkfabrik der Firma. Von hier aus gelangen Entwürfe zu Produktionsbetrieben in Osteuropa und China. Rund 80.000 Schuhe werden danach jedes Jahr in ganz Europa verkauft.

Die chinesische Produktionslinie war allerdings kurz unterbrochen. Das lag am Coronavirus, das sich seit seinem Ausbruch in der chinesischen Stadt Wuhan global ausbreitet.

Priebs lässt in der chinesischen Provinz Zhejiang am ostchinesischen Meer Forststiefel fertigen. „Weil sich in ganz Europa kein Unternehmen finden ließ, dass diese spezielle Herstellung mit sehr hohen Anforderungen übernehmen wollte“, betont Geschäftsführer Markus Nelke.

Die in Haltern entworfenen Spezialschuhe verfügen unter anderem über einen besonderen Schnittschutz, der die Sicherheit zum Beispiel beim Einsatz von Motorsägen erhöht. „Die Chinesen hängen sich richtig rein“, beschreibt der Chef des Halterner Familienunternehmens Priebs (Gründung 1798) die Zusammenarbeit.

Auch in Zhejiang wurden bisher mehrere Hundert Krankheitsfälle gezählt, Todesopfer waren hier zum Glück noch nicht zu beklagen. „Die Produktionsbänder in China standen still“, sagte der 55-jährige Halterner Firmenchef. Eigentlich wären die Chinesen nach einer Ferienzeit im Rahmen des Neujahrsfestes (25. Januar) am 10. Februar (Montag) wieder an ihre Arbeitplätze zurückgekehrt.

Das Lager in Haltern ist weiterhin gut gefüllt

Die chinesische Regierung hat die Ferienzeit verlängert und verordnet, dass die Betriebe nicht vor dem 24. Ferbruar (Montag) wieder öffnen durften. Die Forststiefel, die Priebs in China fertigen lässt, werden nun aber wieder produziert. Das Lager in Haltern sei deshalb weiterhin gut gefüllt, sodass Kunden in ganz Europa beliefert werden könnten, erklärte Markus Nelke.

Wäre die Lieferkette länger unterbrochen gewesen, wären Umsatzeinbußen allerdings nicht zu vermeiden gewesen. „Zwei bis vier Wochen Stillstand sind gut zu verkraften. Danach wird es spannend“, sagte der Halterner Unternehmer.

Die zwölf Mitarbeiter im Halterner Betrieb müssten sich keine Sorgen machen. Große Unternehmen wie Adidas, die viel enger getaktet seien, würden dagegen den Einfluss des Corona-Erregers auf den Welthandel wohl viel stärker spüren, erläuterte er.

Die Produktion in China wird streng überwacht

Um vor Überraschungen gefeit zu sein, kontrolliert ein deutsches Institut die Produktion in China. „Es werden Proben gezogen und in einem Labor untersucht“, so Markus Nelke. Der Inhalt eines jeden Containers werde auf Schadstoffe überprüft. Beim Level orientiere sich Priebs oberhalb der bestehenden gesetzlichen Norm.

Bis 2014 wurden die Forststiefel der Marke Lupriflex in Tunesien hergestellt. Nach dem arabischen Frühling brach dort jedoch die Produktion in einem Betrieb mit 4000 Arbeitskräften zusammen.

Ein- bis zweimal im Jahr fährt Markus Nelke auf Geschäftsreise nach China, um vor Ort die Kontakte zu pflegen. Ein geplanter Termin wurde jetzt allerdings gestrichen, denn von Reisen in die Krisengebiete mit den meisten Coronavirus-Infektionen wird abgeraten.

Eine Gefahr, dass das Virus zusammen mit der bestellten Ware eingeschleppt werde, bestehe übrigens nicht. Tatsächlich ist in Fachartikeln darüber zu lesen, dass eine Übertragung des Bazillus über unbelebte Flächen bisher nicht nachgewiesen wurde.

Außerdem sind die Lupriflex-Schuhe mindestens sechs Wochen auf einem Containerschiff unterwegs, bis sie in Deutschland eintreffen. So lange Zeit hält es auch der aggressivste Keim nicht auf einer trockenen Schuhsohle aus.

Geschäft mit China

So reagiert der Chemiepark Marl auf die Gefährdung durch das Virus

  • Eine Anfrage zur Kooperation des Chemieparks Marl, wo viele Halterner beschäftigt sind, mit Standorten in China nach Ausbruch des Virus‘ ließ der Konzern Evonik mit dürren Worten beantworten.
  • „Wir überwachen die Entwicklung der Lage engmaschig. In der Region informiert unser Krisenstab in regelmäßigen Updates. Alle Evonik-Mitarbeiter haben Zugriff auf Informationen zur Lage, die kontinuierlich aktualisiert werden. Verhaltensempfehlungen stehen Evonik-Mitarbeitern im Intranet und auch über ein spezielles Informationsportal für internationale Reisen zur Verfügung“, teilte die Pressestelle mit.
  • Insgesamt habe Evonik 14 Standorte in China und beschäftige in dem Land rund 2500 Mitarbeiter. Es gebe aber kein Büro und keine Produktion in der Stadt Wuhan bzw. in der Provinz Hubei.
  • „Reisen von/nach Wuhan bzw. in die Provinz Hubei sind bis auf weiteres ausgesetzt. Dienstreisen in andere Regionen Chinas sind vorerst auf das unbedingt notwendige Maß zu begrenzen. Dies gilt auch für Reisen aus China heraus“, so Evonik.
  • Aus Mitarbeiterkreisen war zu erfahren, dass ein Kollege, der gerade aus China zurückkehrt ist, ins Homeoffice geschickt wurde, um eine vierzehntägige „Quarantänezeit“ abzuwarten.
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