Die Chormusik in St. Sixtus war zunächst einmal nur reine Männersache

mlz125 Jahre Kantorei

Als sich am 18. Oktober 1894 der Kirchenchor St. Sixtus gründete, war das Singen reine Männersache. Und ein Orchester im Kirchenraum war verboten. Heute ist es ganz anders.

Haltern

, 07.09.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Geschichte des Pfarr-Cäcilienchores St. Sixtus Haltern beginnt vor 125 Jahren, sie wurde zunächst ausschließlich von Männern geschrieben. Rektor Wilhelm Reckmann führte die Chöre „Concordia“ und „Cäcilia“ zusammen und Pfarrer Offenberg nutzte die Gunst der Stunde. Er lockte die stimmgewaltigen Männer in die Kirche. Zu Ostern 1895 trat der Chor erstmals mit der „Missa Brevis“ (eine Mozart-Messe) auf. Aber der Chor hatte noch mehr Talente: Die Sänger spielten Theater und pflegten die Volksmusik.

Bischof verlieh Privileg

Bis die Frauen und das Orchester ins Spiel kamen, dauerte es noch gut zwei Jahrzehnte. Als am 5. September 1920 zum Wallfahrtsjubiläum 12.000 Menschen zum Pontifikalamt auf den Annaberg pilgerten und der Chor erstmals mit einem Blasorchester auftrat, entschied ein begeisterter Münsteraner Bischof Bahnbrechendes für St. Sixtus: Er erteilte das Privileg, dass zu höheren kirchlichen Festen ein Sinfonieorchester in der Pfarrkirche spielen darf. „Dieses Privileg hatte zuvor in der Diözese nur die Kirchengemeinde Kevelaer erhalten“, ordnet Heinrich Schriewer, Pressesprecher der Kantorei St. Sixtus, diese Entscheidung ein.

Die Chormusik in St. Sixtus war zunächst einmal nur reine Männersache

Anlässlich des 60-jährigen Bestehens am 15. August 1954 entstand dieses Bild am Josefshaus. © Kantorei St. Sixtus

An all diese und weitere Ereignisse während der 125-jährigen Geschichte erinnert sich die Kantorei in den kommenden Tagen. Am Sonntag (8. September) gestaltet sie um 15 Uhr musikalisch das Festhochamt zur Eröffnung der Glaubens- und Kreuzerhöhungswoche. Und am Dienstag (10. September) findet ein großes, 90-minütiges Jubiläumskonzert mit Kinderchören, Jugendchor, Canticum Novum, Choralschola, Kirchenchor und Orchester unter Leitung von Kantor Thomas Drees statt in der Kirche statt. Unterstützt wird er von seinem Vorgänger Helmut Burgmer. „Man kann nicht oft genug herausstellen, wie einzigartig die Kantorei mit 60 Sängerinnen und Sängern sowie 30 Orchestermitgliedern ist“, sagt ein Heinrich Schriewer, der für die Musik brennt.

Die Chormusik in St. Sixtus war zunächst einmal nur reine Männersache

Am Sonntag (8. September) um 15 Uhr eröffnet die Kantorei und der Chor Canticum Novum in der Sixtus-Kirche die Glaubenswoche. © Blanka Thieme-Dietel

Seit Weihnachten 1920 singen auch Frauen mit. „Etwa um 1924 gehörten 56 Männer, 60 Frauen und Knaben sowie 18 Orchesterspieler zur Kantorei“, zitiert die heutige Vorsitzende Gudula Stenner-Klischies aus der Chronik. Mit den steigenden Mitgliederzahlen wurde die Orgelbühne in der Kirche im Laufe der Zeit zu klein. Die Musiker spenden 3430 Goldmark für die Erweiterung. Der Zweite Weltkrieg unterbrach die Vereinsarbeit, diese wurde am 1. Januar 1946 wieder aufgenommen. Ab 1951 heißt der Chor offiziell „Pfarrcäcilienchor St. Sixtus“.

Starke Begeisterung

Das Orchester löste sich zunächst 1959 auf, weil Musiker fehlten. Rudolf Wulf belebte es 1979 neu. „Durch immer häufigeres Auftreten von Chor und Orchester wuchs eine interne starke Begeisterung zur gemeinschaftlichen Aufgabe empor“, heißt es Anfang der 80er-Jahre in der Chronik. 1983 tritt Helmut Burgmer als Kantor seinen Dienst an. „23 Jahre war die Musik in St. Sixtus seine Herzensangelegenheit“, sagt Gudula Stenner-Klieschies. Noch heute ist er präsent, weil sein Nachfolger Thomas Drees auf die Erfahrungen von Burgmer großen Wert legt und gerne darauf zurückgreift.

Tenöre gesucht

„Dieses Miteinander unter den beiden und in der Kantorei überhaupt tut uns allen gut“, sagt Gudula Stenner-Klischies. Chor und Orchester geht es bestens, nur im Chor fehlen die Männerstimmen (Tenor). „In unserer Kantorei steckt echt viel Dynamik“, findet Heinrich Schriewer. Langjährige Mitgliedschaften zeugen von einem großen Zusammenhalt. Wie sagte doch der inzwischen verstorbene Hans Albers auf die Frage, wie lange er schon in der Kantorei mitwirke: „Schon immer!“

Nach den Proben bleiben die Musiker immer noch ein wenig zusammen. Für diese Geselligkeit findet Heinrich Schriewer ein schönes Bild aus dem Sport: „Ein Leistungssportler sagt: Die dritte Halbzeit ist auch wichtig!“

125 Jahre Kantorei St. Sixtus Haltern am See

Auftritt in Festmesse und Jubiläumskonzert

Am Sonntag (8. September) um 15 Uhr eröffnet die Kantorei und der Chor Canticum Novum in der Sixtus-Kirche die Glaubenswoche. Gleichzeitig begeht die Kantorei ihr 125-jähriges Jubiläum in dieser Festwoche. Heinrich Schriewer schreibt: Kantor Thomas Drees hat eine beschwingt anmutige Partitur zusammengestellt, die diesem schönen Anlass gerecht wird. Das Orchester beginnt mit der Orchestersuite (erster Teil) von J.S. Bach. Es folgt anlassgerecht die Liedkantate: „Wer sich will freuen von Herzen“. Das Kyrie wird im Wechselspiel von Gemeinde und Chor erklingen. Das Gloria schrieb Klaus Heizmann. Canticum Novum singt dann begleitet von Klarinette und Klavier: „Lasst uns jubeln.“ Zum Sanctus bringen Chor, Orchester und Schola das „ Sanctus Dominus Deus Sabaoth mit dem abschließenden „ Pleni sunt coeli“. Den Friedensgruß begleitet die Kantorei mit dem Taizé-Gesang: „Wir geben uns ein Zeichen des Friedens, wir reichen uns zum Frieden die Hand.“ Als Danksagung erschallt das wohl schwungvollste Stück aus der Kantate von Klaus Heizmann „Kommt herzu“. Nach der Festmesse sind alle eingeladen zum „offenen Singen“ mit der Jungen Kantorei und dem Chor Canticum Novum im Festzelt.

200 Mitwirkende

Anlässlich des 125-jährigen Jubiläums findet in der Sixtus-Kirche am Dienstag (10. September) um 19 Uhr ein großes Konzert statt. Die Gesamtleitung des 200 köpfigen Klangkörpers hat Thomas Drees. Am Klavier begleitet Mathias Schütz und an der Orgel agiert in bewährter Art Helmut Burgmer. Mit dem gewaltigen Stück „Kommt herzu“ aus der Kantate Nr. 1 von Klaus Heizmann, dargeboten von allen Chören wird das Konzert eröffnet. Der Kinderchor singt „Wir sind die Kinder von Haltern am See“ und „Du bist Du“ aus dem Musical der kleine Tag von Rolf Zuckowski. Kinder- und Jugendchor werden vom Orchester begleitet bei dem Stück: „Deine Liebe begleitet uns“ von Klaus Heizmann. Der Jugendchor singt unter anderem die bekannten und beliebten englischen Stücke: „Risn Lord“, „Fort the beauty of the earth“ von J. Rutter. Mit der „Orchestersuite Nr.1“ von J.S. Bach setzt das Orchester das bunte Programm fort. Canticum Novum - Jugendchor und Orchester bringen dann Stücke von K. Heizmann und J. Rutter. Der Sixtus Chor wird dann aktiv mit „ Gottes Geist“ und dem großartigen „Halleluja“ aus dem Messias von G. F.Händel. Gemeinde, alle Chöre-, Orchester und Orgel dürfen sich dann auf das passende Stück: „ Nun danket alle Gott“ freuen, ehe das Orchester den Marsch: „Pomp and Circumstances“ von Edward Elgar diesen Konzertabend beendet.
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