Die Geschichte einer Geburt im eigenen Wohnzimmer

Mit Hebamme und Familie

Carolina Jeromin (26) wollte zur Geburt ihrer Tochter nicht ins Krankenhaus, sie hat sich für eine Hausgeburt im eigenen Wohnzimmer entschieden. Eine absolute Seltenheit. Sie sagt: „Das war ein großer Kraftakt, aber es lief alles wie im Bilderbuch.“

HALTERN

, 24.12.2016, 06:14 Uhr / Lesedauer: 2 min
Carolina Jeromin (26) brachte ihre Tochter Heidi Schulte-Lünzum am 4. November in der eigenen Wohnung zur Welt.

Carolina Jeromin (26) brachte ihre Tochter Heidi Schulte-Lünzum am 4. November in der eigenen Wohnung zur Welt.

Carolina Jeromin ist Hebamme – und für die Geburt ihres ersten Kindes hat sie sich einen tatsächlich relativ ungewöhnlichen Ort ausgesucht: das eigene Wohnzimmer. „Meinen Freund musste ich ein wenig davon überzeugen, aber mir war die familiäre Atmosphäre wichtig und ich glaube daran, dass alles auch ohne Hilfsmittel gut klappen kann“, sagt sie. Und mit der Erfahrung ist sie auch vollends zufrieden: „Das war ein großer Kraftakt, aber es lief alles wie im Bilderbuch.“ Die 26-Jährige sagt aber auch: „Ich würde nicht jedem dazu raten.“ Schließlich müsse die Schwangerschaft problemlos ablaufen: „Vieles muss für eine Hausgeburt sprechen.“

Jeromin selbst arbeitet in Essen, betreut wurde sie während der Schwangerschaft von der Hebamme Heike Paunova aus Bochum. Ob die Arbeit mit einer Kollegin als werdende Mutter einfacher sei? „Im Gegenteil, eher schwerer“, sagt Paunova lachend. Schließlich hatte Carolina Jeromin genaue Vorstellungen und Wünsche für die Geburt. Heidis Vater Martin Schulte-Lünzum und die Schwester der Mutter waren dabei, auf Schmerzmittel hat sie verzichtet.

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Generell würden in Deutschland nur etwa zwei bis drei Prozent aller Kinder zu Hause geboren, sagt Heike Paunova. In den Niederlanden liege der Anteil bei mehr als 30 Prozent. Hierzulande hätten viele Leute größere Sicherheitsbedenken. Ein großes Vertrauen in die Hebamme sei bei einer Hausgeburt halt besonders wichtig, schließlich muss sie rechtzeitig erkennen, wenn etwas nicht nach Plan läuft, um die Schwangere rechtzeitig doch ins Krankenhaus bringen zu lassen. Heike Paunova sagt: „In meinen 25 Jahren im Beruf kann man die eiligen Verlegungen aber an einer Hand abzählen.“

Ihre Ärztin, erzählt Carolina Jeromin, habe sie nicht direkt von der Idee der Hausgeburt abbringen wollen, „aber sie hat schon thematisiert, ob ein Klinikaufenthalt nicht besser wäre“. Aber so wurde die Familie eben etwas mehr eingespannt, zum Beispiel um Essen zu bringen. Und so gab es für die Angehörigen auch einen doppelten Grund vorbeizukommen und der kleinen Heidi jeden Tag beim Wachsen zuzusehen.

 

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