Die Halterner fahren am liebsten Auto, geben aber mittlerweile auch gern als Radfahrer Gas

mlzMobilitätsstudie

„Total erschreckend“ findet Markus Ernst die Mobilitätsstudie über Haltern. Arno Huesmann stellt fest: „Wir haben den Öffentlichen Nahverkehr und die Radfahrer sträflichst vernachlässigt.“

Haltern

, 21.09.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Büro „StadtVerkehr“ aus Hilden führte im Auftrag der Stadt Haltern eine Befragung zum Mobilitätsverhalten der Halterner durch. Die Auswertung sowohl für die Ortsteile als auch für das gesamte Stadtgebiet stellte Marius Lenz im Ausschuss Bauen und Verkehr am 17. September vor.

60 Prozent der Halterner fahren mit dem Auto - ob dienstlich, geschäftlich oder privat - von einem Ort zum anderen, die „fleißigsten“ Autofahrer sind die Bewohner von Holtwick und aus Hullern. 22 Prozent steigen aufs Rad, vor allem die, die in Haltern-Mitte wohnen; 11 Prozent gehen zu Fuß. Bei der letzten Erhebung 1992 war es genau umgekehrt: 20 Prozent der Halterner waren zu Fuß unterwegs und nur 12 Prozent wählten das Fahrrad als Fortbewegungsmittel. Lediglich eine verschwindet geringe Zahl (7 Prozent) nutzt Bus und Bahn, vor allem für Wege zum Arbeitsplatz oder zur Schule hauptsächlich nach Recklinghausen, Essen oder Münster.

794 Haushalte antworteten

5000 Halterner waren angeschrieben und um Unterstützung gebeten worden, 1695 Personen aus 794 Haushalten beteiligten sich schließlich an der Umfrage. Dazu wurden 5205 Wege an den Stichtagen 21. und 23. Mai erfasst und ausgewertet.

Statistisch betrachtet legt jeder Halterner täglich 3,34 Wege zurück und ist im Schnitt 17 Minuten unterwegs. Die meisten starten dafür ihr Auto: Etwa 95 Prozent der Halterner Haushalte verfügt über mindestens ein Auto, 43 Prozent besitzen mehr als einen Wagen. Flaesheim führt mit 1,9 PKW die Besitzquote an, während in Haltern-Mitte die Quote am niedrigsten ist. 87 Prozent aller befragten Haushalte hat mindestens ein Fahrrad, 31 Prozent sind mit E-Bikes oder Pedelecs unterwegs. Bei den Fußgängern führen die Innenstadtbewohner und die Flaesheimer die Statistik an, bei den Radfahrern haben Haltern-Mitte, Flaesheim und Lippramsdorf die Nase vorn.

Auf dem Land nur mit Auto

In Lavesum, Holtwick, Flaesheim und Hullern wird das Auto überproportional häufig genutzt. „In den weniger dicht bebauten und teils ländlich geprägten Ortsteilen sind die Bürger eben verstärkt auf das Auto angewiesen“, erklärte Marius Lenz im Ausschuss. Die Sythener nutzen dafür mehr als alle anderen Halterner gern den Zug.

Die Halterner wurden auch gebeten, die Verkehrsangebote zu bewerten. Die beste Note erhielten die Fußwege: Über 90 Prozent der Befragten stufen das Angebot von sehr gut bis befriedigend ein. „Im Gegensatz dazu herrscht Unzufriedenheit bezüglich des ÖPNV-Angebotes, 16 Prozent haben die Noten mangelhaft und ungenügend vergeben“, erläuterte Marius Lenz. Halterner wünschen sich vor allem kürzere Takte und einen Ausbau des Stadtbusnetzes und damit eine bessere Verbindung der Ortsteile mit der Innenstadt sowie eine barrierefreie Gestaltung von Haltestellen und Bussen.

Politik fordert Bundesmittel ein

„Ich wundere mich sehr, dass der öffentliche Nahverkehr so schlecht abschneidet“, kommentierte Markus Ernst (CDU) die Umfrage. Er forderte Verbesserungen, das Geld dafür könne aber nicht Haltern aufbringen: „Der Bund muss mit Fördermitteln helfen.“ Arno Huesmann (SPD) sieht das genauso. Haltern allein könne den Wandel nicht schaffen, wolle aber natürlich einen Beitrag zur klimafreundlichen Mobilität leisten. Es müsse angesichts der Radfahrer-Quote noch viel mehr Augenmerk auf das Radwegenetz in Haltern gelegt werden.

Leider werde insgesamt bei der Verkehrsplanung der ländliche Raum sträflich vergessen, unterstützte ihn Wolfgang Kaiser (SPD). Mit kleinen Schritten zu Verbesserungen kommen, das ist nach Ansicht von Franz Tönnis (CDU) der richtige Weg. Auf jeden Fall könne man an dem Gutachten ablesen, dass die meisten Halterner selbst für kurze Wege noch immer gern motorisiert unterwegs seien, stellte Marlies Wesseler (Die Grünen) fest.

Auftakt für Verkehrskonzept

Was wird nun aus dem Papier? Es ist Grundlage für kommende Diskussionen und für das Verkehrskonzept, über das Politik und Verwaltung nach Aussage von Siegfried Schweigmann (Leiter Rechtswesen/Standesamt) schon so lange reden. „Wir werden dieses Gutachten in absehbarer Zeit in Auftrag geben.“

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